Freitag, 24. September 2021
04.03.2014 07:32
Organisationen

VPL kämpft für einen Kurswechsel

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Von: Daniel Salzmann, Raphael Bühlmann

Der neu gegründete Verein für eine produzierende Landwirtschaft (VPL) stellte am Montag seine Aktivitäten und Ziele vor. Er will die Bedürfnisse der praktizierenden Landwirte erfassen und politisch angehen.

Der landwirtschaftliche Leistungsauftrag gemäss Artikel 104 der Bundesverfassung könne immer weniger erfüllt werden, erklärte VPL-Präsident und Nationalrat Rudolf Joder (SVP, BE) an der Medienkonferenz von Montag im Stall der Familie Knutti in Riggisberg BE (siehe Kasten).

Es sei Zeit für einen Kurswechsel. «Bevor die schweizerische Landwirtschaft unter der Fuchtel des Bundesamts für Landwirtschaft definitiv in eine planwirtschaftlich funktionierende Landschaftsgärtnerei umgewandelt wird, stellen sich zwei Grundsatzfragen: 1. Wollen wir in der Schweiz noch eine Landwirtschaft? Ja oder Nein? 2. Soll diese Landwirtschaft zur Versorgung der Bevölkerung Nahrungsmittel wie zum Beispiel Milch, Fleisch, Getreide, Kartoffeln produzieren? Ja oder Nein?» Diese zwei Fragen seien dem Schweizer Volk zum Entscheid vorzulegen.

Initiative unterschreiben

Der erste Schritt dazu sei die Volksinitiative für Ernährungssicherheit, für die der VPL Unterschriften sammle. «Mit einer hohen Unterschriftenzahl muss politisch Druck auf den Bundesrat und das BLW ausgeübt werden», führte Joder aus.

Auch mit parlamentarischen Vorstössen müssen die Inhalte der zukünftigen Agrarpolitik beeinflusst werden. Er selbst werde vermutlich in der laufenden Session eine Parlamentarische Initiative einreichen, die sich gegen die weitere Liberalisierung der Agrarmärkte stellt.

50’000 Franken nur für Projektierung

Um den Betrieb erfolgreich und rationell weiterführen zu können, entschloss sich die junge Familie Knutti für einen Umbau der alten Scheune. Geplant war ein Anbindestall für die Kühe und ein Laufstall für das Jungvieh. Bei der Prüfung des Baugesuches wurde festgestellt, dass die neue Scheune das Landschaftsbild zerstöre. Zudem wurde die neue Scheune mit 30 Kuhplätzen als «industrieller Landwirtschaftsbetrieb» gerügt. Das Baugesuch wurde zuerst dreimal abgelehnt. Projektierung und das lange Baugenehmigungsverfahren kosteten Knuttis insgesamt 50’000 Fr. Am Ende durften sie so bauen, wie sie von Anfang gewollt hatten.

Brigitte und Roland Knutti bewirtschaften in Riggisberg BE 22 ha Land. In der Hügelzone produzieren sie mit 26 Simmentaler Kühen silofreie Milch, welche sie in die lokale Emmentaler-Käserei liefern. In ihrem Stall steht ein Stier, ab und zu lassen sie eine Kuh aber auch künstlich besamen. Peter und Vreni Kropf, die Eltern von Brigitte, helfen in Riggisberg tatkräftig mit. Vor kurzem haben Brigitte und Roland in Oberwil i. S. auch den Betrieb von Rolands Eltern Karl und Elisabeth übernommen. Diese betreuen dort Jungtiere. 6 Kühe und fast alles Jungvieh geht z’Alp. Der Verkauf von Zuchttieren ist ein wichtiger Betriebszweig. rab/sal

Bürokratie reduzieren

Grossrat Thomas Knutti (SVP, BE), der in Weissenburg BE einen Aufzuchtbetrieb bewirtschaftet, erklärte, in welchem Dilemma viele kleinere Bergbetriebe mit der AP 14-17 stecken würden: «Um den Wegfall der Tierbeiträge zu kompensieren, müsste ich extensivieren. Das ist aber auf meinen 12 Hektaren schwierig, so verliere ich den Erlös aus der Produktion.»

Knutti als VPL-Vizepräsident hat zusammen mit Grossrat Samuel Graber (SVP, BE) auf Kantonsebene eine Motion eingereicht. «Die AP 14-17 führt zu einer riesigen Kontrollflut», ist Knutti überzeugt. Je mehr Ämter und Stellen, desto grösser sei die Gefahr, dass Unterbeschäftigte neue Weisungen und Kontrollfunktionen ausbrüten und die Produktion behindern würden.

Deshalb fordern Knutti und Graber in  ihrer Motion den Berner Regierungsrat auf, den administrativen Aufwand in der Landwirtschaft zu reduzieren. Auch verlangen sie, dass die Kontrollen auf den Betrieben so gering wie möglich gehalten und nur bei betrieblichen Veränderungen vorgenommen werden. Zusätzlich sollen beim kantonalen Amt für Landwirtschaft und Natur (Lanat) keine weiteren Verwaltungsstellen geschaffen, sondern die bisherige Anzahl Mitarbeiter reduziert werden. 

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