20.02.2015 06:11
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Graf
Landwirtschaftsinitiative
VPL sieht einen Fehler in der SBV-Initiative
Der Verein «Für eine produzierende Landwirtschaft» (VPL) ist unzufrieden mit den landwirtschaftlichen Verbänden. Nun sucht er Mitglieder, die ihn im Kampf gegen den Agrarfreihandel unterstützen.

Er könne nicht verstehen, wie passiv sich die landwirtschaftlichen Verbände verhielten, sagte SVP-Nationalrat Rudolf Joder an einer Informationsveranstaltung in Zollbrück BE. Joder trat als Präsident des Vereins «Für eine produzierende Landwirtschaft» auf und warnte: «Es ist das erklärte Ziel des Bundesrates, mit möglichst vielen Ländern auf der ganzen Welt Freihandelsabkommen abzuschliessen.»

Der nächste Schritt sei die Öffnung des Milchmarktes. Joder rief in den Saal: «Wenn das durchkommt, ist es der Anfang vom Ende der produzierenden Landwirtschaft in der Schweiz.» Deshalb müssten die Verbände seiner Meinung nach viel entschiedener vorgehen.

SBV-Initiative mit Fehler

Joder bezeichnete es auch als Fehler, dass der Schweizer Bauernverband (SBV) «um keinen Preis» eine von ihm vorgeschlagene Bestimmung in die Ernährungssicherheits-Initiative aufgenommen habe. Ein Passus nämlich, wonach der Bundesrat im Falle eines Agrarfreihandelsabkommens verpflichtet würde, die Einfuhr von Lebensmitteln zu beschränken.

Genau dies versucht Joder nun mit einer parlamentarischen Initiative im Gesetz zu verankern. Das wäre «ein Schutzschild gegen die Strategie des Bundesrates», sagte er in Zollbrück. Und: Man müsse dem Bundesrat wieder zeigen, was er zu tun habe, denn gegenüber den Bauern verhalte er sich gegenwärtig «absolut verantwortungslos».

Nur 20 Personen vor Ort

Doch als Präsident eines schweizweit tätigen Vereins mit aktuell lediglich 50 Mitgliedern kann Joder wenig ausrichten. Deshalb rief er die Bauern im Emmental auch immer wieder auf, sich als Mitglieder einzutragen. Allerdings waren der Einladung des Vereins zur Informationsveranstaltung bloss etwa 20 Frauen und Männer gefolgt. Der Anlass stand unter dem Titel «Mehr Auflagen für noch weniger Geld?».

Vorstandsmitglied und SVP-Grossrat Martin Schlup aus Schüpfen kritisierte, dass die Agrarpolitik 2014–2017 dem Image der Landwirtschaft schade. Sie trage dazu bei, dass Landwirte noch stärker als Subventionsempfänger verunglimpft würden von einer Bevölkerung, die sich immer stärker dem Bauernstand entfremde.

VPL soll Druck machen

Schlup machte sich auch Sorgen um den Nachwuchs und beklagte, dass viel Fachwissen verloren gehe, wenn die Bauern nicht mehr in der Lebensmittelproduktion tätig sein könnten. «Für das Anlegen von Ast- und Steinhaufen habe ich die Meisterprüfung nicht gemacht», sagte er. Und wie Joder kritisierte auch er die Bauernverbände. Deren Arbeit sei zwar durchaus berechtigt.

«Aber es braucht den Verein für eine produzierende Landwirtschaft, damit er Druck macht, und sie endlich agieren, statt bloss zu reagieren», sagte Schlup und formulierte eine Forderung: Im Hinblick auf die Agrarpolitik 2018– 2022 gelte es, bereits jetzt aktiv zu werden und «die Verwaltung in die richtige Richtung» zu weisen.

Ein Ziel des Vereins, der seit gut einem Jahr tätig ist, besteht etwa darin, «die Bürokratie in der Landwirtschaft abzubauen», wie Vizepräsident und SVP-Grossrat Thomas Knutti aus Weissenburg betonte. Die aktuelle Agrarpolitik bezeichnete er als «Unsicherheitspolitik». Und er kritisierte die Tatsache, dass die Schweizer Agrarpolitik alle vier Jahre überarbeitet werde. Die Bauern bräuchten mehr Planungssicherheit, fasste Knutti ein weiteres Anliegen des Vereins zusammen.

 

 

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