17.02.2015 06:39
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Wallis
VS: Grundstücksbesitzer fordern Quecksilber-Sanierung
Im Oberwallis bei Visp sind mindestens 71 Grundstücke im Wohngebiet derart stark mit Quecksilber verschmutzt, dass sie saniert werden müssen. Unklar ist hingegen, ob auch leicht verschmutzte Parzellen saniert werden. Dies fordert die IG Quecksilber, der auch der betroffene Grundstücksbesitzer Norbert Salzgeber angehört.

Der 60-Jährige besitzt im Siedlungsgebiet Turtig bei Raron VS ein rund 1300 Quadratmeter grosses Grundstück, dass noch unbebaut ist. Den Boden erbte Salzgeber vom Vater, der sein Bauland an die fünf Kinder verteilte.

Fast alle verschmutzten Parzellen entlang des Grossgrundkanals

In der Region Turtig sind viele Parzellen verschmutzt, bei manchen liegt die Belastung über dem gesetzlichen Sanierungswert von 2 Milligramm Quecksilber pro Kilogramm Boden, andere weisen eine tiefere Belastung zwischen 0,5 mg/kg bis 2 mg/kg Quecksilber auf.

Nach den umfassenden Bodenanalysen ist klar: Bei Visp sind 71 Grundstücke stark verschmutzt und müssen saniert werden, 104 weitere weisen eine Belastung unter dem Grenzwert auf, wie der Walliser Staatsrat Jacques Melly (CVP) am Montag vor den Medien in Visp sagte. Fast alle diese verschmutzten Parzellen liegen entlang des Grossgrundkanals, der vom Areal des Chemieunternehmens Lonza über Felder in Richtung Niedergesteln führt, wo er in die Rhone mündet.

Die Lonza - der wichtigste Arbeitgeber im Oberwallis und seit 41 Jahren auch jener von Anwohner Norbert Salzgeber - hatte zwischen 1930 und 1976 rund 50 Tonnen Quecksilber in den Grossgrundkanal entsorgt.

Keine Lösung für leicht verschmutzte Parzellen

Das Chemieunternehmen bezahlt denn auch die Sanierung der Grundstücke, deren Quecksilber-Belastung über dem Sanierungswert liegt. Bei den 104 leicht verschmutzten Parzellen gibt es hingegen keine Sanierungspflicht. Wer bezahlen muss, ist unklar. Das ärgert die betroffenen Anwohner, weil ihre leicht verschmutzten Grundstücke dennoch im Kataster der belasteten Standorte eingetragen sind - und es führt zur paradoxen Situation, dass einige Anwohner fast erleichtert reagieren, wenn ihre Parzelle stark verschmutzt ist.

Salzgeber weiss erst seit Montag, dass sein Grundstück über dem Grenzwert liegt und demnach saniert wird. «Das ist wohl eine schlechte Nachricht was Quecksilber anbelangt, aber für die Sanierung ist das ein Vorteil», sagte er. Ebenfalls stark verschmutzt ist die Parzelle seines Neffen, der eine Familie mit zwei Kindern im Alter von 2 bis 4 Jahren hat. «Dort ist der psychische Druck schon enorm hoch, vor allem wenn er Gäste hat.» Denen müsse man schon fast verbieten, nach draussen zu gehen, sagte Salzgeber.

Lonza hofft baldigen Sanierungsbeginn

Mit der Sanierung dieser stark verschmutzten Parzellen soll «so schnell wie möglich begonnen werden», sagte Raoul Bayard, Direktor des Standorts Visp der Lonza. Er nannte den Herbst als frühestmöglichen Sanierungsbeginn, wobei noch viele Einzelheiten abgeklärt werden müssen. Über die Kosten machte Bayard keine Angaben. Auch bei den leicht verschmutzten Parzellen wolle der Kanton, die Gemeinden und die Lonza den Betroffenen Unterstützung anbieten, sagte Staatsrat Jacques Melly.

Die Form der Unterstützung soll bei einem Treffen, zu dem auch die Anwohnervereinigung IG Quecksilber eingeladen wird, diskutiert werden. Bringt dies keine Lösung, droht ein zivilrechtliches Gerichtsverfahren.

Anwohner können sich untersuchen lassen

Auch nach der umfassenden Bodenanalyse gehen die Abklärungen im Oberwallis weiter. Weil kontaminiertes Material für Aufschüttungen anderer Standorte genutzt wurde, muss die Lonza die Abfuhr von Aushubmaterial in der Vergangenheit dokumentieren. Auch für ihr eigenes Werksareal und die Deponie Gamsenried muss die Lonza weiter Massnahmen ergreifen und Sanierungsprojekte ausarbeiten.

Der Kanton Wallis beauftragt zudem die Universität Zürich mit einer Expertise zu den Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung. Man hoffe auf eine grosse Beteiligung der Anwohner, sagte Studienleiter Holger Dressel. Das sei auch eine Forderung der Anwohner gewesen, sagt Salzgeber, auch weil es bisher fast keine Studien dazu gebe. Viele Anwohner würden sich gerne bezüglich Quecksilber abklären lassen, sagte der 60-Jährige.

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