15.10.2019 10:30
Quelle: schweizerbauer.ch - sal, khe
Wahlen
Wählen für Bauern wichtiger denn je
Am 20. Oktober finden die Eidgenössischen Wahlen statt. Laut Prognosen verlieren die bürgerlich-bäuerlichen Parteien an Sitzen; die grünen Parteien legen stark zu. Das hat Auswirkungen auf die Agrarpolitik. Die landwirtschaftlichen Verbände rufen daher zum Wählen auf.

Am kommenden Wochenende finden die Eidgenössischen Wahlen statt. Wer sein Kuvert noch nicht abgeschickt hat, sollte dies alsbald tun. 4652 Frauen und Männer kandidieren für den Nationalrat. So viele, wie noch nie. Bemerkenswert ist auch der markant angestiegene Frauenanteil. Er wuchs auf 40 Prozent. Bei den Wahlen 2015 waren es noch 34,5 Prozent. Die rund 5,4 Millionen Wahlberechtigten haben also eine grosse Auswahl an Kandidatinnen und Kandidaten, mindestens in den grösseren Kantonen. 

Grün dürfte zulegen

Gemäss Prognosen dürften insbesondere die grünen Parteien zu den Gewinnern gehören. Sie profitieren von der aktuellen Debatte rund um den Klimawandel. Gemäss Wahlbarometer der SRG Anfang Oktober kommen die Grünen auf einen Wähleranteil von 10,7 Prozent, 3,6 Prozentpunkte mehr als bei den Wahlen 2015. Auch die GLP könnte kräftig zulegen und käme neu auf 7,3 Prozent (+2,7). 

Die grüne Welle setzt allen Bundesratsparteien zu – an Prozentpunkten am stärksten verliert die SVP. Sie erreicht in der Umfrage eine Wählerstärke von 27,3 Prozent, 2,1 Prozentpunkte weniger als 2015. Das wären aber noch immer mehr als 2011 (26,6 Prozent). Bei den übrigen grösseren Parteien liegen die Verluste im statistischen Unschärfebereich. Die FDP erreicht laut Umfrage 15,2 Prozent (–1,2). Noch knapp vor den Grünen positioniert sich demnach die CVP mit 10,6 Prozent (–1,0). Die SP mit 18.2 Prozent (–0,6) soll klar die zweitstärkste Kraft im Lande bleiben. Die BDP mit 2,8 Prozent verliert 1,3 Prozentpunkte, was die Fraktionsstärke im Nationalrat gefährden würde. 

SBV ruft zum Wählen auf

Ja zur Initiative für Ernährungssicherheit, Nein zu einem Gegenvorschlag zur Trinkwasser-Initiative. In den vergangenen vier Jahren sind viele Abstimmungen im Nationalrat im Sinne des Schweizer Bauernverbandes ausgegangen. Was massgeblich Vertretern der Parteien SVP, CVP und BDP zu verdanken war. Und genau diese könnten nun Sitze verlieren. Auch einige Landwirtschaftsvertreter müssen um ihre Wiederwahl bangen. 

Der Schweizer Bauernverband (SBV) ruft Bäuerinnen und Bauern deshalb zum Wählen auf. Es brauche eine grosse Mobilisierung innerhalb der Landwirtschaft, damit eine starke Vertretung im Parlament gehalten werden könne, schreibt Urs Schneider, stellvertretender Direktor des SBV, in einem «Standpunkt». Diese Wahlen seien wichtiger als je zuvor.

In der nun beendeten Legislatur fielen gemäss Schneider die Entscheide zugunsten der Landwirtschaft oft mit rund 110 bis 120 zu 80 bis 90 Stimmen. Das ist eher knapp. «Wechseln nur 10 Stimmen in ein gegenüber den Bauern kritisches Lager, wird es sehr knapp bis unmöglich, Mehrheiten für unsere Anliegen zu gewinnen», mahnt Schneider. 

Im Ständerat weniger gut vertreten

Konkrete Wahlempfehlungen ab gibt der Schweizer Bauernverband keine ab. Das übernehmen die kantonalen Bauernverbände. Schliesslich kandidieren die Kandidaten auch im Kanton für den National- oder Ständerat. Bei den verschiedenen Wahlempfehlungen gibt es grosse Unterschiede. Während der Zürcher Bauernverband mit drei Spitzenkandidaten wirbt und andere Bewerber mit bäuerlichem Hintergrund auf der Website nicht einmal erwähnt, stellen andere reihenweise Kandidaten vor.  

Weniger gut vertreten als im Nationalrat ist die Landwirtschaft im Ständerat. Nun nehmen drei Nationalräte und eine Nationalrätin mit landwirtschaftlichem Background Anlauf, dies zu ändern. Landwirt Marcel Dettling (SVP, SZ), Müllerei-Unternehmer Hansjörg Knecht (SVP, AG), Bauernsohn, Agronom und Präsident des Schweizerischen Verbands für Landtechnik (SVLT) Werner Salzmann (SVP, BE) und Bio-Bäuerin Maya Graf (Grüne, BL).

SBLV setzt sich für Frauen ein

Für einen höheren Frauenanteil im nationalen Parlament setzt sich der Schweizerische Bäuerinnen- und Landfrauenverein (SBLV) ein. Sein Motto lautet deshalb «Mehr Frauen in die Politik. Gemeinsam kommen wir weiter». Der SBLV unterstützt Kandidatinnen, die Mitglied des Verbandes sind. Dies unabhängig davon, welche Parteien sie vertreten. Auf der Wahl-Plattform auf www.landfrauen.ch präsentieren sich rund 70 Kandidatinnen aus allen Landesteilen der Schweiz. 

Auf die Frage, warum sie nicht einzelne, bekannte Kandidatinnen empfehlen und so deren Chancen auf einen Sitz zu erhöhten, antwortet Gabi Schürch, Vorstandsmitglied des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbands (SBLV) und seit diesem Jahr Präsidentin der Kommission Familien- und Sozialpolitik: «Wir sind politisch neutral, deshalb können wir nicht einzelne Kandidatinnen empfehlen. Es ist uns jedoch wichtig, für alle Kandidatinnen möglichst viel Werbung zu machen.»

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