20.10.2018 17:05
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Gesetz
Waldgesetz: Kantone in Pflicht
Das Bundesamt für Umwelt hat das Thema Wildschäden im Wald auf dem Radar. Es stützt sich dabei auf das Waldgesetz.

Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) beschäftige sich seit Jahren mit dem Wildtiereinfluss auf den Wald. Das versichert die Medienstelle auf Anfrage des «Schweizer Bauer». Zur Unterstützung der kantonalen Wald- und Jagdverwaltungen, aber auch der Praktiker im Feld – Förster, Wildhüter und Jäger – habe das Bafu im Jahr 2010 die Vollzugshilfe «Wald und Wild» herausgegeben.

Wann greift das Bafu ein und zwingt die Kantone mit so grossen Verbissschäden zu wirksamen Massnahmen, z.B. zu liberaleren Jagdordnungen? Auf diese Frage sagt das Bafu, die Regulierung der jagdbaren Wildbestände sei Sache der Kantone, es könne da keine Liberalisierung erzwingen.

Der Bund mache einzig die Vorgabe, dass die Regulierung unter Beachtung von tierethischen Grundsätzen zu erfolgen habe und dass untragbare Schäden an Land- und Forstwirtschaft vermieden werden sollen.  

Abgeltungen oder Finanzhilfe

Das Waldgesetz delegiert laut Bafu den Erlass von Bewirtschaftungsvorschriften ebenfalls an die Kantone, macht dabei aber gewisse Vorgaben, beispielsweise Verpflichtung der Kantone, für eine minimale Schutzwaldpflege zu sorgen. Zudem könne der Bund eine Reihe von Bewirtschaftungsmassnahmen mit Abgeltungen oder Finanzhilfen unterstützen.

Das Bafu könne die Gewährung von Beiträgen an Waldbewirtschaftungsmassnahmen von Bedingungen abhängig machen, z.B. davon, ob die Kantone die Vollzugshilfe «Wald und Wild» anwenden.

Das eidgenössische Waldgesetz nimmt die Kantone in Artikel 27 bezüglich Wild ganz klar in die Pflicht: «Die  Kantone  regeln den Wildbestand so, dass die Erhaltung des Waldes, insbesondere seine natürliche Verjüngung mit standortgerechten Baumarten, ohne Schutzmassnahmen gesichert ist.

Wo dies nicht möglich ist, treffen sie Massnahmen zur Verhütung von Wildschäden.» Überhaupt müssen die Kantone Massnahmen ergreifen gegen die Ursachen und Folgen von Schäden, welche die Erhaltung des Waldes in seinen Funktionen erheblich gefährden können. 

Die Stimme der WSL

Oswald Odermatt, an der WSL tätiger Forstingenieur, der sich seit Jahrzehnten mit dem Thema Wald–Wild auseinandersetzt, sagt: «Die grössten Probleme für den Wald verursacht das Wild im Gebirgswald, wo es ohnehin gute Bedingungen für die Verjüngung braucht, sodass sich Verbissschäden unmittelbar auswirken.» Es gebe grössere Gebiete, in denen sich zum Beispiel die Weisstanne nicht mehr natürlich verjüngen könne (z.B. Prättigau, Bündner Herrschaft). Technische Schutzmassnahmen gegen den Verbiss seien sehr aufwendig, erst recht im Gebirgswald. Im Dauerwald, wo man eine laufende Verjüngung auf der ganzen Fläche anstrebe, seien  auch nur punktuelle Massnahmen möglich. Eine intensivere Bejagung habe beispielsweise im Bündnerland den Hirschbestand eine Weile dezimiert, was sich für den Wald positiv ausgewirkt habe. Raubwild wie Wölfe und Luchse hätten auch einen Effekt, der sich beobachten lasse. So sei am Niesen BE nach dem Auftreten des Luchses wieder eine natürliche Tannenverjüngung festgestellt worden. sal

Bern will handeln

Der Kanton Bern anerkennt im Nachhaltigkeitsbericht 2018 Handlungsbedarf beim Wildtiereinfluss auf die Wälder. «Ich nehme die Wildschäden im Wald sehr ernst», sagte Christoph Ammann, der Berner Volkswirtschaftsdirektor, auf Anfrage des «Schweizer Bauer». Das Thema Wald–Wild sei eine Herausforderung. «Wir sehen, dass wir in einigen Gebieten des Kantons handeln müssen und tun dies auch», so der Regierungsrat. Er habe deshalb 2017 ein Projekt lanciert, in dem das Amt für Wald (Kawa) und das Amt für Landwirtschaft und Natur (Lanat) in dieser Sache eng zusammenarbeiten. Geprüft würden unter anderem forstliche und jagdliche Massnahmen. In Gebieten, in denen die Schäden durch Rehwild besonders gross sind, wurde bereits ein zusätzlicher Jagdtag eingeführt. Mit Kontrollzäunen soll das Verständnis für die Zusammenhänge zwischen Wild und Wald und für die Entwicklung der Waldverjüngung ohne Schalenwildeinfluss verbessert werden. Schnelle Lösungen seien für das komplexe Problem nicht möglich, betont er. sal

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