22.10.2019 10:16
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/ats
Genf
Weinbauer beendet Hungerstreik
Der Präsident der Schweizerischen Vereinigung der selbsteinkellernden Weinbauern, der Genfer Willy Cretegny trat wegen der verzweifelten Lage der Winzer in einen Hungerstreik tritt. Nach 12 Tagen hat er diesen nun beendet.

«Der Weinbau, mein Métier, mein Broterwerb, bietet meiner Tochter, die den Betrieb mit Mut und Motivation übernimmt, überhaupt keine positive Perspektive mehr», sagte Cretegny vor knapp 2 Wochen. 

Aktionen geplant

Winzer, die sich heute dem Bioweinbau zuwandten, hätten es schwer, die nötigen Marktanteile zu finden. «Jahr für Jahr haben wir mehr und mehr Mengen auf Lager. Diese Situation belastet die Liquidität», sagte er im Interview mit «Schweizer Bauer». Alle Freihandelsabkommen führten zu unlauterem Handel, fuhr er fort. «Wir erkennen die Notwendigkeit an, die Löhne zu schützen, aber wir entfernen Massnahmen, die die lokale Produktion schützen. So wird in der Schweiz bald nichts mehr produziert», warnte Cretegny. 

Am Dienstagmorgen hat nun Willy Cretegny den Streik beendet. Er nannte mehrere Gründe dafür. Es sei dank der Hilfe von vielen Personen gelungen, auf die schwierige Situation der Schweizer Weinbauern aufmerksam zu machen. Zudem sei es gelungen, in der Weinbranche zu mobilisieren. Es laufen Vorbereitungen, um Aktionen im öffentlichen Raum durchzuführen. Cretegny will seine Energie nun dafür aufwenden.  

3 Forderungen

Der Weinbauer macht zwei Gründe für die schwierige Lage der Weinbauern verantwortlich. «Der Schweizer Verbrauch ist in 30 Jahren um 40 Millionen Liter gesunken, ohne dass das Volumen der Importe zurückgegangen ist, sodass die Schweizer Produktion diesen Rückgang getragen hat. Andererseits sind wir täglich einem unlauteren Wettbewerb mit ausländischen Weinen ausgesetzt, da 40% der importierten Menge zu weniger als 1.50 Franken importiert werden», hielt er im Interview mit «Schweizer Bauer» fest.

Cretegny stellte im Interview mit «Schweizer Bauer» drei Forderungen auf: Erstens die Anpassung des Volumens der Importquote an den Rückgang des Verbrauchs, d.h. die Reduzierung auf 130 Millionen Liter. Zweitens Verteilen der Importquotenanteile nach den Vorteilen für die Produkte des Landes, Importrechte sollen nur an Händler vergeben werden, die mit den Winzern des Landes zusammenarbeiten. Drittens eine Reduktion der 5-Liter-Zollbefreiung auf 2 Liter.

Die Kantone Wallis, Waadt, Genf und Neuenburg baten Bundesrat Guy Parmelin Mitte September um Unterstützung bei einer nationalen Werbekampagne zur Förderung der Schweizer Weine. Seit mehreren Jahren und trotz grosser Anstrengungen der Industrie in der Produktion sinke der Marktanteil der Schweizer Weine stetig.

Er liege heute noch bei rund 35 Prozent des gesamten Weinkonsums in der Schweiz, schrieben die vier Westschweizer Weinkantone in einem Communiqué. Dies sei zu wenig, um einen ausgeglichenen Absatz der einheimischen Produktion sicherzustellen. Darüber hinaus bestehe ein Risiko für die Rentabilität der Betriebe und den Fortbestand des Schweizer Weinbaugebiets.

Die schwierige Lage, in der sich die Schweizer Weinwirtschaft befinde, erfordere starke Massnahmen vonseiten der öffentlichen Hand, heisst es in einem Schreiben an den Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Ausbildung und Forschung (WBF). Die Werbekampagne soll vom Branchenverband der Schweizer Reben und Weine (BSRW) geführt und vom Bund finanziell unterstützt werden. 

In der Romandie mit den Weinanbaugebieten in den Kantonen Wallis, Waadt, Genf und der Drei-Seen-Region befinden sich rund drei Viertel der Weinberge der Schweiz.

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