Donnerstag, 22. April 2021
02.12.2019 11:52
Bern

Weinbauern-Demo in Bern

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Von: blu/jac/sda

Westschweizer Weinbauern haben sich am Montag vor dem Bundeshaus eingefunden. Die tiefen Preise für ihre Weine gefährden die Existenz. Mit der Demonstration wollen sie auf ihre schwierige Lage aufmerksam machen. -> Mit Video

Alexandre Fischer aus Yens-sur-Morge VD, der die Kundgebung organisiert hat, sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, dass in der Schweiz pro Jahr fast 80 Millionen Liter Schweizer Weine und 170 Millionen Liter ausländische Weine getrunken werden. In der Schweiz wird also mehr ausländischer Wein getrunken, während die Lagerstände von Schweizer Winzern wachsen.

Einfuhrsteuern verlangt

Für Fischer und seine Kollegen sei jedoch es unmöglich, mit den Preisen der importierten Weine mitzuhalten. Diese würden für drei bis vier Franken pro Flasche verkauft. Für ihre Weine müssten die Produzenten zehn bis 15 Franken pro Flasche verlangen. Die Demonstranten verlangen mehr Unterstützung vom Bund und eine Überprüfung der Einfuhrsteuern auf ausländischem Wein. Am 17. Dezember ist ein Treffen mit Wirtschaftsminister und dem ehemaligen Winzer Guy Parmelin vorgesehen.

«Es ist wichtig, dass wir Winzer zusammen stehen, damit der Schweizer Wein überleben kann,» erklärt Valérie Marendaz aus dem Waadtland. Billigwein aus dem Ausland schwemmt den Schweizer Markt. Die Schweizer Winzer sehen sich in ihrer Existenz bedroht und wünschen sich Schutz durch Importzölle. Darauf haben die Weinproduzenten an der Demo vor dem Bundeshaus aufmerksam gemacht.

Winzer erwarten Hilfe

Auch Winzer Winzer Willy Cretegny will aus dem Kanton Genf ist nach Bern auf den Bundesplatz gereist. Er fordert vom Bund Hilfe für die Weinbauern. «Das Credo der Schweizer Regierung lautet, zu Schweizer Preisen zu produzieren und zu global konkurrenzfähigen Preisen zu verkaufen. In den vergangenen 20 Jahren hat sich nichts geändert», so Cretegny.

Rudi Berli von der Bauerngewerkschaft Uniterre fordert den Bundesrat und das Parlament auf, die lokale Produktion zu schützen und zu stärken.  Die Lager bei den Weinbauern seien voll,  weil immer mehr Wein importiert werde, sagte Berli.

Problematisch ist für die hiesigen Weinbauern auch der rückläufige Weinkonsum. Der Marktanteil von Schweizer Wein hat sich bei 35 % eingependelt. Aufgrund guter Ernten haben sich aber die Lager gefüllt. Die letztjährige Ernte war um 12,6% höher als im Durchschnitt. Der Konsum von Schweizer Weinen, obwohl er 2018 eine Zunahme verzeichnen konnte, fiel deutlich niedriger aus als die Weinernte 2018.  Auch in diesem Jahr dürfte die Erntemenge wieder über dem Jahresverbrauch zu liegen kommen.

Winzer fürchten um ihre Existenz

Aufgrund der hohen Lagerbestände sind die Preise für Schweizer Weine, insbesondere aus der Romandie, deutlich gesunken. Um für den diesjährigen Jahrgang Platz zu schaffen, haben Winzer aus den Kantonen Genf und Waadt Wein von 2018 an den Detailhandel praktisch verschenkt. Dieses berichten Tamedia-Zeitungen. Einzige Bedingung dafür: Die Bauern zählen darauf, dass Coop, Denner, Fenaco und Aldi die Ernte im kommenden Jahr wieder aufkauft. 

Die Winzer fürchten deshalb um ihre Existenz. Sie sehen sich ihrer Perspektive beraubt und fordern vom Staat, dass er die Weinwirtschaft besser schützt. In der Romandie mit den Weinanbaugebieten in den Kantonen Wallis, Waadt, Genf und der Drei-Seen-Region befinden sich rund drei Viertel der Weinberge der Schweiz.

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