2.10.2019 16:13
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Umfrage
Welche Partei wählen Sie?
Am 20. Oktober ist für die Parteien Zahltag. Das Parlament in Bern wird neu bestellt. Gemäss Prognosen dürften die Grünen und die GLP zulegen, der SVP hingegen drohen Verluste. Welche Partei werden Sie wählen? Und weshalb? Abstimmen und mitdiskutieren

Ein Sitz in Bundesbern ist begehrt. Für die Nationalratswahlen haben sich 4652 Männer und Frauen angemeldet - eine Rekordzahl. 

Grüne im Hoch

Die rund 5,4 Millionen Wahlberechtigten haben also eine grosse Auswahl an Kandidatinnen und Kandidaten. Gemäss Prognosen dürften insbesondere die grünen Parteien zu den Gewinnern gehören. Sie profitieren von der aktuellen Debatte rund um den Klimawandel. Gemäss einer Wahlumfrage von Tamedia von Ende September kommen die Grünen auf einen Wähleranteil von 10,2 Prozent, 3,1 Prozentpunkte mehr als bei den Wahlen 2015. Auch die GLP könnte kräftig zulegen und käme neu auf 7,2 Prozent (+2,6). 

Die grüne Welle setzt allen Bundesratsparteien zu - am stärksten verliert die SVP. Sie erreicht in der Umfrage eine Wählerstärke von 27,9 Prozent, 1,5 Prozentpunkte weniger als 2015. Bei den übrigen grösseren Parteien liegen die Verluste im statistischen Unschärfebereich. Die FDP erreicht laut Umfrage 15,6 Prozent (-0,8). Noch knapp vor den Grünen positioniert sich die CVP mit 10,4 Prozent (-1,2). Die SP bleibt mit 18 Prozent (-0,8) klar die zweitstärkste Kraft im Lande.

Bauernverband ruft zum Wählen auf

Auch der Schweizer Bauernverband (SBV) ruft Bäuerinnen und Bauern zum Wählen auf. «Eine grosse Mobilisierung innerhalb der Landwirtschaft braucht es, damit wir eine starke Vertretung im Parlament halten können», schreibt Urs Schneider, stellvertretender Direktor des SBV, in einem Standpunkt. Diese Wahlen seien wichtiger wie nie zuvor, fährt er fort. In der nun beendeten Legislatur fielen gemäss Schneider die Entscheide zugunsten der Landwirtschaft oft mit rund 110 bis 120 zu 80 bis 90 Stimmen. 

«Wechseln nur 10 Stimmen in ein gegenüber den Bauern kritisches Lager, wird es sehr knapp bis unmöglich Mehrheiten für unsere Anliegen zu gewinnen», mahnt Schneider. Gravierend wäre eine solcher Ausgang bei den Geschäften wie die Agrarpolitik 22+, die Revision der Raumplanung oder den Abschluss von Freihandelsverträgen und speziell bei der Beratung der Trinkwasser- und Pestizid-Verbots-Initiative. 

Welche Position haben die grossen Parteien zur Landwirtschaft. Die nachfolgenden Angaben stammen von den Webseiten der Parteien:

SVP: Die SVP setzt sich für eine produzierende Landwirtschaft ein, welche die Bevölkerung mit gesunden, marktnah produzierten Nahrungsmitteln versorgt. Für ihre wichtigen Leistungen im Dienst der Allgemeinheit müssen Bauernfamilien ein vernünftiges Einkommen verdienen. Die Planungssicherheit und Innovationskraft einer unternehmerisch ausgerichteten Landwirtschaft ist zu stärken. Dazu sind die überbordende Ökologisierung und Bürokratie auf ein vernünftiges Mass zurückzufahren. Dem Kulturland ist im Gegenzug Sorge zu tragen und es ist angemessen zu erhalten. 

FDP: Unsere Landwirtschaft leistet einen wichtigen Beitrag an unsere Wirtschaft. Der Fortbestand des landwirtschaftlichen Sektors darf nicht nur auf Direktzahlungen beruhen. Diese sollen nur jene Leistungen abgelten, welche einem gesamtgesellschaftlichen Interesse dienen. Die Zukunft der Landwirtschaft liegt in einer qualitativ hochstehenden Produktion in einem liberalisierten und wettbewerbsfähigen Umfeld. Dies erlaubt es den Bauern, ihre Einkünfte in erster Linie durch den Verkauf ihrer Produkte auf dem Markt zu erzielen. Eine Abschottung des Marktes lohnt sich weder für die Landwirtschaft, noch für den Konsumenten, noch für die Schweizer Wirtschaft insgesamt. Die FDP unterstützt die Bauern durch die Verringerung der Bürokratie, eines grossen unternehmerischen Handlungsspielraums sowie durch eine finanzielle Unterstützung zur Bewältigung des Strukturwandels.

GLP: Wir stehen für eine ökologisch nachhaltige, unternehmerische und multifunktionale Landwirtschaft. Dafür muss die Politik umdenken. Zur Stärkung von Unternehmertum und Innovation sowie zur Verbesserung der Umweltqualität braucht es nicht mehr, sondern weniger finanzielle Mittel vom Staat. Für die Umwelt schädliche Anreize sind zu beseitigen. Gemeinwirtschaftliche und ökologische Leistungen, wie beispielsweise die Pflege der Kulturlandschaft und der Erhalt der Artenvielfalt, sollen vermehrt abgegolten werden.

CVP: Die Landwirtschaft ist für die Schweiz von grosser Bedeutung. Die CVP will die produzierende Landwirtschaft weiterhin unterstützen und die Multifunktionalität der Schweizer Landwirtschaft erhalten. Die wichtigen gesellschaftlichen Leistungen der Bauern sollen gefördert und fair abgegolten werden. Die hohe Produktqualität will die CVP sichern und die nachhaltige Produktion und Tierschutz fördern. Dier bürokratische Hindernisse in der Landwirtschaft sollen abgebaut werden. Die bestehende landwirtschaftliche Nutzfläche vor Überbauung und Vergandung geschützt werden. Die CVP setzt sich für eine grosszügigere Nutzungsmöglichkeit der landwirtschaftlichen Gebäude ausserhalb der Bauzone ein. Die Rahmenbedingungen für Angebote im Agrotourismusbereich sollen gefördert.

Grüne: Die Grünen engagieren sich für eine nachhaltige, regionale, bäuerliche Landwirtschaft, die pestizid- und gentechfreie Lebensmittel herstellt. Immer weniger Bäuerinnen und Bauern arbeiten auf immer grösseren Betrieben. Die einst bäuerliche Schweizer Landwirtschaft wird immer industrieller, braucht mehr Energie und Gift. Der weltweite Handel mit Lebensmitteln darf nicht auf Kosten von Bäuerinnen und Bauern, Tieren oder Umwelt erfolgen. Grüne Landwirtschaft ist natürlich. Tierfreundlich, umweltfreundlich und regional. Das kommt auch den Bäuerinnen und Bauern – und nicht zuletzt unserer Gesundheit – zugute, weil mehr frische, pestizidfreie Lebensmittel auf unseren Tellern landen. Fast die Hälfte unserer Lebensmittel stammt aus dem Ausland. Deshalb ist unsere Devise: Fairer Handel statt schrankenloser Freihandel. 

BDP: Die BDP setzt sich für eine Optimierung des bisher eingeschlagenen Weges in der Agrarpolitik aus. Die BDP fordert, dass die Bauern in ihrer Kernkompetenz, der Produktion von gesunden Lebensmitteln, unterstützt werden. Die BDP fordert, dass die Produktionsnachteile, verursacht durch ein teures Umfeld, schwierige topografische Verhältnisse und eine hohe Regelungsdichte, ausgeglichen werden. Die BDP fordert, dass die gemeinwirtschaftlichen Leistungen angemessen abgegolten werden. Die BDP fordert, dass der Bund Innovation, Marketing und die Erschliessung von Absatzkanälen in der Landwirtschaft verstärkt fördert. Die BDP fordert, dass die soziale Absicherung der Bäuerinnen und Bauern verbessert wird.

SP: In einem Klima-Marschallplan hat die SP 40 Massnahmen aufgelistet. Einige davon betreffen auch die Landwirtschaft. Sie SP fordert Humusaufbau zwecks Karbonbindung: Im Rahmen des Landwirtschaftsbudgets wird ein Ressourcenprogramm geschaffen, um landwirtschaftliche Praktiken zu fördern, welche die Humusschicht verstärken und somit CO2 binden. Grossflächige Verbreitung von methanreduzierenden Futterzusätzen: Indem Kühe entsprechende Futtermittelzusätze aufnehmen, können ihre Methanemissionen aus dem Verdauungsprozess substanziell verringert werden. «Abschaffung der Subventionen für Diesel», d.h. Abschaffung der Steuerbefreiung u.a. für Land- und Forstwirtschaft. Zusätzliche Erträge werden dem Sektor anderweitig zur Verfügung gestellt. Mehr elektrische Antriebe (...) in der Landwirtschaft. Pilotprogramm für die Elektrifizierung u.a. in der Landwirtschaft.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE