3.06.2019 16:02
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Bern
Werkstätte im Grünen: Gegner hoffen
Dass SBB-Chef Andreas Meyer Interesse an einem Kauf der BLS signalisiert haben soll, hat im Westen Berns aufhorchen lassen. Dort nämlich möchte die BLS eine in der Bevölkerung umstrittene neue Werkstätte bauen. Ein Neubau eine auf der grünen Wiese im Chliforst wäre bei einer Zusammenarbeit überflüssig, hält die IG Riedbach.

Eine engere Zusammenarbeit der beiden Bahngesellschaften würde die neue Werkstätte «auf der Grünen Wiese» überflüssig machen, so die Hoffnung der Gegner.

Regierungsrat wiegelt ab

SBB-Chef Andreas Meyer soll dem Berner Verkehrsdirektor Christoph Neuhaus (SVP) an einem informellen Treffen ein Kaufangebot für die BLS in der Höhe von 60 Mio. Franken unterbreitet haben, wie die «SonntagsZeitung» berichtete. Gemäss dem Artikel soll Meyer wenig später auch die BLS-Führungscrew um Bernard Guillelmon angesprochen haben. Diesmal aber, so die «SonntagsZeitung», habe Meyer nicht von einem Kaufangebot gesprochen, sondern davon, dass ihm der Kanton Bern die BLS zum Kauf angeboten habe. 

Damit war für Irritationen auf allen Seiten gesorgt. Verkehrsdirektor Christoph Neuhaus versuchte am Montag die Wogen in einem Interview mit der «Berner Zeitung» zu glätten: «Ich betone klipp und klar: Die BLS steht nicht zur Disposition. Für uns kommt ein Verkauf nach heutiger Sicht nicht in Frage.» Auch eine substanzielle Beteiligung der SBB an der BLS steht laut Neuhaus aktuell nicht zur Debatte. Neuhaus selber hatte den Dialog zwischen SBB und BLS wieder verbessern wollen. Dazu schlug er der SBB vor, ihre Lücken an Zugskompositionen mit BLS-Zügen zu schliessen.

SBB dementiert Angebot

«Durch den Streit um die Fernverkehrslinien wurde zwischen den beiden Bahnen viel Geschirr zerschlagen.» Die Schweiz sei als Markt schlicht zu klein für einen zermürbenden Kampf zwischen ihren Staatsbahnen.

Neuhaus räumte im Interview ein, dass der Kanton regelmässig eine Standortbestimmung vornehmen müsse, um zu sehen, ob seine aktuelle Beteiligungsstrategie noch die richtige sei. «Wir dürfen im Kanton Bern nicht einfach automatisch so weiterfahren wie bisher, sondern müssen Anpassungen vornehmen, wo diese angebracht sind», gab der SVP-Regierungsrat zu bedenken.

Die SBB betonten bereits am Sonntag gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-sda, dass sie dem Berner Verkehrsdirektor kein Kaufangebot unterbreitet habe. Es bestünden auch keine Pläne, sich an der BLS zu beteiligen. Eine Beteiligung würde die SBB nur in Betracht ziehen, wenn der Eigentümer dies möchte. Doch derzeit gebe es dafür keine Anzeichen.

«Planung muss gestoppt werden»

«Einmal mehr hat sich gezeigt, dass eine Zusammenarbeit der beiden Bahnunternehmungen BLS und SBB dringend notwendig und schon seit Jahren fällig ist. Der in der Sonntagszeitung erwähnte «Krieg der Bahnen» ist ein ökonomischer Widersinn. Das Angebot von SBB-Chef Andreas Meyer an Regierungsrat Christoph Neuhaus, die kantonalen BLS Aktien zu übernehmen und über mögliche Kooperationsmodelle zu diskutieren, zeigt den dringenden Handlungsbedarf auf», teilt die IG Riedbach am Montag mit. 

Unter diesem Gesichtspunkt sei die Planung der BLS-Werkstätte im Chliforst mitten in einer intakten Landschaft ein unverantwortlicher Akt gegenüber der Umwelt und den Steuerzahlern. «Die Planung der BLS-Werkstätte im Chliforst muss gestoppt werden», hält die IG Riedbach fest. Präsidiert wird die IG von Landwirt und Jurist Daniel Lehmann aus Riedbach BE. Die IG will alles daran setzen, die Werkstätte zu verhindern.

Fruchtfolgeflächen

Daniel Lehmann betont, dass das Gäbelbachtal ein unversehrtes Naherholungsgebiet sei und sich das Gebiet für die Landwirtschaft gut eigne. «Wir haben hier viele Fruchtfolgeflächen», sagte er gegenüber schweizerbauer.ch. Das Gebiet sei zudem schlecht erschlossen, ein guter Zubringer zur Werkstätte fehle.

«Diese Werkstätte, konzipiert als Insellösung, widerspricht zudem dem Raumplanungskonzept und kommt deshalb nicht in Frage», machte Lehmann deutlich ebt hervor, dass das Gäbelbachtal ein unversehrtes Naherholungsgebiet sei und sich das Gebiet für die Landwirtschaft gut eigne. «Wir haben hier viele Fruchtfolgeflächen», sagt er gegenüber schweizerbauer.ch. 

10 ha Landwirtschaftsland

In der geplanten Werkstätte werden rund 110 Mitarbeiter den täglichen Unterhalt der BLS-Züge vornehmen. Die BLS als Betreiberin der S-Bahn Bern will deshalb die Werkstätte in der Nähe der Stadt bauen. Die Baukosten werden sich auf 200 bis 300 Millionen Franken belaufen. Das Areal liegt auf Stadtberner Gemeindegebiet, rund einen Kilometer vom Bahnhof Riedbach entfernt. Der Standort ist umstritten, weil für den Bau der Anlage insgesamt 13 Hektaren Land, davon 10 ha Landwirtschaftsaland und 3 ha Wald, beansprucht wird.

Aus Sicht der BLS berücksichtigt das Siegerprojekt insbesondere auch die umgebende Landschaft und bezieht diese ein. Auch für die Bevölkerung könnten Mehrwerte geschaffen werden, etwa in Form eines Wanderwegs oder offen fliessender Gewässer.

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