Donnerstag, 20. Januar 2022
12.09.2018 06:00
Abstimmung

«Wir Bauern brauchen Initiativen nicht»

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Von: Daniel Salzmann

An der Seite von Bundesrat Johann Schneider-Ammann plädierte Reto Streit aus Bärfischenhaus BE für ein doppeltes Nein zu den beiden Agrarinitiativen.

Vermutlich aufgeschreckt durch die hohe Zustimmung zu den Initiativen für Fair-Food und Ernährungssouveränität in Umfragen, hat das Wirtschaftsdepartement am Dienstagvormittag kurzfristig einen Medientermin anberaumt: «Bundesrat Johann Schneider-Ammann besucht innovativen Landwirtschaftsbetrieb».

Bund will deutliches Nein

Bei Reto Streit und Ursula Knuchel Streit warb er für ein doppeltes Nein am 23. September. «Die Initiativen würden den Bauern eine Hilfe anbieten, die sie gar nicht brauchen», so der Bundesrat. Da würde stark eingegriffen und den Bauern gesagt, was sie am Dienstag und was sie am Mittwoch zu tun hätten. Einzugreifen, ohne nahe genug an der Sache zu sein, sei immer ein Risiko, weil dazu schlicht die Kompetenz fehle.

Immerhin seien die Umfrageergebnisse jetzt in die richtige Richtung unterwegs, die Zustimmung sinke. «Mein Ziel ist ein doppeltes und deutliches Nein am 23. September», so der Tierarztsohn. Dann könnten die Streits und mit ihnen andere Bauern weiterhin unternehmerisch und mit Überzeugung das tun, was sie für richtig hielten. «Unser Land ist mit einer freiheitlichen Wirtschaftsordnung gross und – in Anführungszeichen – reich geworden. Das wollen wir nicht opfern.»

«Wachstum zulassen» 

Überall da, wo der Staat mithelfe und die Dinge organisiere, sei es unvorteilhaft. Landwirt Streit ergänzte: «Die Initiativen sind überflüssig. Wir brauchen das nicht. Wir haben gute Rahmenbedingungen für die Schweizer Landwirtschaft. Wenn man zu stark eingreift, ist das kontraproduktiv für die Innovationsfähigkeit und das Unternehmertum.» 

Auf die Feststellung des «Schweizer Bauer» hin, dass beide Initiativen Bed&Breakfast, Seidenraupenzucht und Direktvermarktung überhaupt nicht verbieten würden, verwies der Bundesrat bezüglich Ernährungssouveränität auf die Forderung, dass die Zahl der in der Landwirtschaft tätigen Personen zu erhöhen sei. «Welchen Betriebszweig sind Sie bereit an eine andere Person abzutreten, Herr Streit?», fragte er rhetorisch. Dieser sagte, er strebe tatsächlich ein nachhaltiges Wachstum seines Betriebs an.

«Viele Betriebe brauchen Wachstum und zusätzliche Flächen und sind damit auf eine gewisse Bodenmobilität angewiesen», so Streit. Er meint damit, dass weitergeführte Betriebe das Land von solchen übernehmen können, die aufgeben. Völlig unpraktikabel ist laut dem Bundesrat auch die Forderung, dass der Bund laut Uniterre in Zukunft die Einfuhrvolumina beim Import kontrollieren soll. 

Betriebsspiegel 

Reto Streit und Ursula Knuchel Streit führen in Bärfischenhaus BE seit zehn Jahren einen Betrieb mit 20 ha LN. Heute ist es ein vielseitiger Vollerwerbbetrieb mit rund zehn Teilzeitangestellten. Sie halten neun Galloway-Mutterkühe plus Jungtiere (Direktverkauf des Fleisches), betreiben Ackerbau (Weizen, Ur-Dinkel, Quinoa, Sonnenblumen), haben sechs Pensionspferde, ein Lama und ein Alpaka, führen eine Optigal-Pouletmast, pflegen rund 180 Obstbäume und haben eine Seidenraupenaufzucht (mit Anbau von Maulbeerbäumen nach den Richtlinien von Swisssilk). Zusätzlich bieten sie  vier Gästezimmer für Bed&Breakfast, Hofführungen und Essen für Gruppen an. Das Ehepaar Streit-Knuchel hat zwei eigene Kinder und zwei Pflegekinder. Die Eltern von Reto Streit, Annalise und Hans-Ueli Streit-Brunner, helfen im Betrieb mit. Nun steht die Umstellung auf Bio-Knospe an. sal  

www.gastundhof.ch

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