17.02.2015 07:52
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Bern
«Wir wollen Perspektiven für die Betriebe»
Lobag-Präsident Hans Jörg Rüegsegger betont, viele Berner Betriebe steckten derzeit in einer schwierigen Situation.

«Schweizer Bauer»: Was beschäftigt Sie derzeit am meisten?
Hans Jörg Rüegsegger: Die Zukunft der Berner Bauern.

Ist diese infrage gestellt?
Nicht direkt. Aber viele stecken in einer schwierigen Situation. Die wenigsten der 11'500 Berner Bauernfamilien produzieren in einer Nische und können sagen: «Wir sind erfolgreich.» Die meisten Betriebe hängen an einem Markt und müssen darum kämpfen, die Produktionskosten zu decken. Es geht um Perspektiven für die jetzt aktive Bauerngeneration, aber besonders auch für die Jungen. Und in einigen Fällen geht es sogar um die Existenz des Betriebs.

Wo drückt der Schuh?
Wir haben im Kanton Bern sehr vielfältige Strukturen. Wir haben 11'500 Betriebe – mit der gleichen Fläche, auf der im Kanton Graubünden 2'500 Betriebe wirtschaften. In den letzten Jahren ist uns dies eher als Schwäche ausgelegt worden. Dabei ist es auch eine Stärke! Die Berner Betriebe sind so vielfältig, dass man sie nicht einfach in eine Schublade stecken und pauschale Ratschläge erteilen kann. Hinter jedem Betrieb stehen eigene Persönlichkeiten, jeder Betrieb hat eine eigene Geschichte. Wir haben richtige Unternehmerbetriebe, die grosse Risiken eingegangen sind und meistens auch dafür belohnt worden sind. Aber viele Betriebe konnten sich nicht weiterentwickeln.

Wo setzt die Lobag an?
Bei den Anlässen zur AP 14–17 vor zwei Jahren haben wir gefragt: «Wo seht ihr euren Betrieb in fünf oder zehn Jahren? Wo könnt ihr euch entwickeln? Wo liegen eure Stärken?» In vielen Fällen kam von den Bauernfamilien nicht sehr viel zur Antwort. Viele waren eher erstaunt, dass man sie das fragt. Wir sahen daraus, dass es uns an Zielen fehlt. Entscheiden muss jeder Betrieb, jede Familie für sich, das ist logisch. Aber für Bern als Agrarkanton hatten bislang weder wir als Bauernverband noch die Verwaltung eine Strategie. Der Grosse Vorstand der Lobag entwickelte deshalb die «Perspektiven Berner Landwirtschaft». Im Moment stimmen wir  diese auf die einzelnen Regionen ab.

Auch die Berner Kulturlandinitiative wird ein Thema sein. 
Ja. Der Kulturlandverlust ist für viele ein brennendes Thema. Mit der Lancierung dieser Initiative haben wir ein Thema besetzt. Das gefällt natürlich nicht allen… Wir werden auf die Abstimmung hinarbeiten, die schon im November stattfinden könnte. Aber auch beim Baugesetz und bei den Gewässerräumen werden wir uns engagieren. Der Entwurf des Baugesetzes nimmt unsere Initiative überhaupt  nicht auf. Ihm wollen wir den Stempel aufdrücken und Lösungen aufzeigen. Unser dritter Schwerpunkt für 2015 lautet «Markt und Partner». Wir haben im Kanton Bern starke Verarbeiter, z.B. Emmi, Cremo, Nestlé, Steffen Ris (Fenaco) und weitere. Bei ihnen wirken wir darauf hin, dass auch die Bauern einen korrekten Anteil an der Wertschöpfung erhalten.

Auch der SBV will ja noch stärker am Markt Einfluss nehmen. Ist da die Lobag sogar Vorbild für den SBV?
Es sind der SBV und die Fachorganisationen, die etwa die Spitzengespräche mit den nationalen Grossverteilern führen. Wir sensibilisieren die Berner Politik für die Bedeutung des ganzen Agrar-Netzwerks bestehend aus Bauern, Verarbeitern, Zulieferern, Schulen etc. Nur ein koordiniertes, gemeinsames Vorgehen führt in diesem Bereich zum Erfolg.

Die PO Lobag mit ihren Milchbauern soll zurück zur Lobag kommen. Wie ist der Stand?
Der Lobag-Vorstand war dagegen, dass man die PO Lobag per se integriert, als wäre nichts gewesen. Unser Ziel ist, allen Berner Milchbauern, unabhängig vom Abnehmer, eine Stimme zu geben.

Schon die PO Lobag wollte alle Berner Milchbauern vereinen. Aber Cremo- und Emmi-Direktlieferanten (Bemo) wollten nicht dazukommen, oder?
Unter dem Titel «PO Lobag» wollten sie das nicht. Die Milchproduktion ist ein sehr wichtiger Betriebszweig für die Berner Bauernfamilien. Wenn sie den Lobag-Beitrag bezahlt, hat jede Familie ein Anrecht auf Interessenvertretung auch in diesem Bereich. Deshalb wollen wir  wie in anderen Bereichen (z.B. Pflanzenbau) eine Fachkommission wählen. Dort sollen Vertreter aller Milchströme eine Stimme haben. Die PO Lobag will sich auflösen. Ich gehe davon aus, dass sie dies im Mai so beschliesst.

Aber die Bemo behält ihren Sitz im SMP-Vorstand?
Damit haben wir kein Problem. Das sind gewachsene Strukturen. Was die SMP betrifft: Wir verlangen von ihnen ganz klar Perspektiven für die Milchbauern. Ich erwarte, dass sich die SMP voll einsetzen, und zwar so, dass man es draussen spürt. Von der SMP-Spitze erwarte ich eine geeignete Nachfolgeregelung auf der Geschäftsstelle. Das hilft uns, nicht das Mitschwimmen. Kostendeckende Milchpreise müssen unser Oberziel sein. Die Bauern müssen mit der Milchproduktion wieder etwas verdienen können!

Warum will sich die Lobag in Zukunft wieder «Berner Bauernverband» nennen?
Vor 18 Jahren, im Jahr 1997, schlossen sich Bernischer Bauernverband, Milchverband Bern und Genossenschaft für Schlachtviehverwertung zur Lobag zusammen. Damals waren nicht nur Berner, sondern auch Bauern angrenzender Kantone dabei. Sehr viele davon sind jetzt bei ihren Bauernverbänden. Mit der Abtrennung der Lobag Milch AG (heute Aaremilch AG) haben wir nur noch Berner Bäuerinnen und Bauern als Mitglieder. Der Name Lobag wurde mit der Zeit recht gut akzeptiert, aber in nichtbäuerlichen Kreisen mussten wir ihn immer wieder erklären. An der Delegiertenversammlung im April bringen wir eine Lösung für Namen und Logo.  Das geht nicht ohne Kosten. Aber seit 2010 hat die Lobag dafür Rückstellungen getätigt. Und ich habe ein schlankes Projekt verlangt. Mit «Berner Bauernverband» werden wir in Zukunft einen klaren und einfachen Auftritt haben. Nicht der Name, sondern die Leistungen sollen im Mittelpunkt stehen.

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