9.09.2020 11:55
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
Jagdgesetz
«Wölfe bedrohen Alpwirtschaft»
Der Schweizerische Alpwirtschaftliche Verband SAV spricht sich für eine Regulierung des Wolfsbestandes und damit für das geplante neue Jagdgesetz aus. Denn die Rückkehr der Wölfe bedrohe die Alpwirtschaft.

Da die Zahl der Wölfe exponentiell zugenommen habe, habe sich die Lage in diesem Jahr zugespitzt, teilte der SAV am Mittwoch mit. Von zahlreichen Alpen hätten Nutztiere wegen vieler Rissen vorzeitig ins Tal getrieben werden müssen. Neu gebildete Wolfsrudel attackierten auch Rindvieh-Herden. Die Wölfe lernten zudem, Herdenschutzmassnahmen zu umgehen.

Bei Nein dramatischer Rückgang

«Eine kontrollierte Regulierung ist dringend nötig. Ansonsten geht die wohl naturnahste und traditionellste Produktionsart der Schweiz verloren: Die Alpwirtschaft», warnt der SAV. Ein weiteres Problem sieht der SAV in den Schutzhunden, die eine Herde bewachen: Viele Wanderer oder Biker verzichteten nach einer angsteinflössenden Begegnung mit einem Schutzhund auf die Benutzung bestimmter Wege oder Gebiete.

Die Revision des Jagdgesetzes, über die am 27. September abgestimmt wird, gibt nach Ansicht des SAV die Möglichkeit, kontrolliert in den exponentiell ansteigenden Wolfsbestand einzugreifen. Werde die Vorlage abgelehnt, müsse mit einem «dramatischen» Rückgang der Sömmerung gerechnet werden.

Drei Gründe

Die finanziellen Verluste aufgrund der gerissenen Tiere sind gemäss SAV betriebswirtschaftlich für die Alp nicht die relevantesten Punkte. Drei Gründe führen bei starkem Wolfsdruck zur Aufgabe von Alpen:

  • Der Herdenschutz nach den aktuellsten Empfehlungen ist aufgrund der topografischen Situation auf Alpen nicht umsetzbar oder aber wirtschaftlich längerfristig nicht tragbar. 
  • Die psychische Belastung der Älpler ist zu hoch, wenn die ihnen anvertrauten Tiere unter der ständigen Beobachtung und Bedrohung der Wölfe stehen. Alppersonal springt regelmässig ab oder es kann keines gefunden werden.
  • Die Tierbesitzer verzichten auf eine Alpung, weil sie Angst vor Verlusten haben (wirtschaftlich und emotional), oder weil die Tiere verängstigt und aggressiv werden.
Alpwirtschaft schafft Vielfalt

Die Alpwirtschaft sei eine der ältesten Produktionsweisen der Schweiz, so der Verband. Sie sei mit traditionellem Wissen, einheimischen und standortangepassten Viehrassen sowie Traditionen verbunden. Die Alpwirtschaft habe die vielseitigen Landschaften geschaffen, die beim Wandern die Sicht auf die Landschaft ermögliche.

Die Alpwirtschaft habe kleinräumige Lebensräume geschaffen, die nur mit der Alpwirtschaft weiterhin bestehen könne. «Ist die Alpwirtschaft nicht mehr möglich, werden auch Viehrassen wie Schwarzhalsziegen oder Appenzeller Ziegen verschwinden. Deren Besitzer haben keine Möglichkeiten, die Tiere im Sommer im Tal zu halten, sei es wegen mangelndem Futter oder der Arbeitsbelastung», warnt der Alpwirtschaftliche Verband. 
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