8.05.2020 12:47
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Bundesrat
Wolf: Bedingungen für Abschuss
Das Parlament hat den Wolfsschutz gelockert. Das Volk wird darüber im September an der Urne befinden. Vor der Abstimmung will der Bundesrat Klarheit schaffen. Geht es nach ihm, dürften Wölfe nur in der Nähe von Siedlungen oder Schafherden abgeschossen werden.

Das revidierte Jagdgesetz nennt zwei geschützte Arten, deren Bestände reguliert werden können: den Steinbock und den Wolf. Der Bundesrat könnte auf dem Verordnungsweg zwar weitere geschützte Arten als regulierbar auflisten.

Regulierung wird eingeschränkt

Das Parlament hat es bei den Beratungen zum Jagdgesetz aber abgelehnt, weitere Tierarten als regulierbar zu erklären, schreibt die Landesregierung. Insbesondere die geschützten Arten Luchs, Biber, Graureiher und Gänsesäger sollen nicht regulierbar sein. Der Bundesrat teilt diese Haltung. Damit werde die Möglichkeit zur Regulierung geschützter Arten im Vergleich zum bisherigen Jagdrecht stark eingeschränkt, heisst es in der Mitteilung weiter.

Das revidierte Gesetz erlaubt den Kantonen unter bestimmten Bedingungen, Wolfsrudel vorausschauend zu regulieren. Damit hat das Parlament auf die wachsende Zahl von Wölfen reagiert. Der Wolf bleibt aber auch mit dem revidierten Jagdgesetz eine geschützte Tierart und darf nicht gejagt werden, wie der Bundesrat am Freitag festhielt. Die Rudel bleiben erhalten.

Kein Abschuss fernab 

Mit der nun in die Vernehmlassung geschickten Revision der Jagdverordnung will der Bundesrat dafür sorgen, dass vor dem Urnengang die Details zur Umsetzung klar sind. Definiert werden insbesondere die Voraussetzungen für eine Bestandesregulierung.

Nicht zulässig wäre gemäss Bundesrat beispielsweise der Wolfsabschuss, wenn sich die Rudel fernab von Siedlungen oder Schafherden aufhalten. Generell müssten die Kantone gegenüber dem Bund vorgängig begründen, weshalb Abschüsse erforderlich seien. Dabei müssten sie die Verhältnismässigkeit wahren. Weiter sind die Kantone in Gebieten mit Wolfsrudeln verpflichtet, die Bauern über Massnahmen zum Schutz von Herden informieren. Ziel der Regulierung sei es, dass die Rudel ihre natürliche Scheu behalten und Siedlungen fernbleiben.

Keine Jagd auf Luchs und Biber

Die Verordnung nennt neben dem Wolf nur zwei weitere geschützte Arten, deren Bestände reguliert werden können: den Steinbock und den Höckerschwan. Zur Verhinderung einer übermässigen «Trophäenjagd» wird der Abschuss von alten Steinböcken stärker eingeschränkt. Abschüsse von Steinböcken und Wölfen in Wildtierschutzgebieten sind künftig nur erlaubt, wenn diese ausserhalb der Schutzgebiete nicht möglich sind.

Für alle anderen geschützten Tierarten gilt laut dem Bundesrat mit dem überarbeiteten Gesetz ein «verstärkter Schutz». Verboten wird in der Verordnung insbesondere die Bestandesregulierung von Luchs, Biber, Graureiher und Gänsesäger. Zudem verpflichtet die Verordnung die Kantone, die Entwicklung regional seltener jagdbarer Tierarten zu dokumentieren. Dies gibt Bund und Kantonen die Möglichkeit, bei sinkenden Beständen rechtzeitig die nötigen Schutzmassnahmen zu ergreifen.

Bund kommt teilweise für Schaden auf

Die Verordnung regelt auch die Förderbeiträge für die Verhütung von Schäden durch Biber und Fischotter. Sie klärt im Detail, welche Massnahmen für Private zumutbar sind zur Verhütung von Schäden in Gebieten, die von Bibern, Fischottern und Grossraubtieren besiedelt sind. Dazu gehören etwa elektrifizierte Schutzzäune.

Der Bund kommt gemäss Verordnung für 80 Prozent der Schadenskosten auf, die von Grossraubtieren verursacht werden, sowie für 50 Prozent der Kosten, die von Bibern, Fischottern und Steinadlern verursacht werden. Der Bund leistet die Abgeltung nur, wenn der Kanton die verbleibenden Kosten übernimmt und die zumutbaren Massnahmen ergriffen wurden.

Das neue Jagdgesetz kommt am 27. September zur Abstimmung - fast fünf Monate später als ursprünglich geplant. Wegen der Corona-Pandemie hat der Bundesrat den Urnengang vom 17. Mai annulliert. Zur Jagdverordnung können interessierte Kreise bis am 9. September Stellung nehmen.

Wichtigste Anpassungen in der Jagdverordnung 

Schutz von Tierarten  

  • Für Luchs, Biber, Graureiher und Gänsesäger hat das Parlament Eingriffe in die Bestände bereits ausdrücklich abgelehnt. Die Verordnung folgt diesem Beschluss und schliesst eine Bestandesregulierung dieser Tiere aus. Abgesehen von Wolf und Steinbock, die per Gesetz regulierbar sind, dürfen die Kantone auf Basis der Jagdverordnung in Umsetzung der Motion Niederberge lediglich in den Bestand des Höckerschwans eingreifen.  
  • Zur Verhinderung einer übermässigen «Trophäenjagd» wird der Abschuss von alten Steinböcken stärker eingeschränkt. 
  • Abschüsse von Steinböcken und Wölfen in Wildtierschutzgebieten sind künftig nur erlaubt, wenn diese ausserhalb der Schutzgebiete nicht möglich sind.
 Stärkung von Nachhaltigkeit, Tierschutz und Tierwohl 

Die Kantone werden verpflichtet:
  • die Jagdplanung bei Rothirsch, Wildschwein und Kormoran – Arten, die weit wandern – überregional abzusprechen. Damit wird sichergestellt, dass die jagdlichen Massnahmen die erwünschte Wirkung erzielen.
  • die Entwicklung von jagdbaren Arten zu dokumentieren, deren Bestände regional selten sind oder rasch abnehmen. Damit die Kantone wenn nötig die Jagd einschränken oder andere Massnahmen treffen können.
  • Wildtiere zu suchen, die bei der Jagd oder bei Verkehrsunfällen verletzt werden. 
  • Alle Jägerinnen und Jäger müssen neu den Treffsicherheitsnachweis jährlich erbringen. 
  • Der Einsatz von bleihaltiger Jagdmunition wird weitgehend verboten. 
Verhütung und Vergütung von Wildschäden 
  • Die angepasste Verordnung regelt neu die Förderbeiträge für die Verhütung von Schäden durch Biber und Fischotter.
  • Sie klärt im Detail, welche Massnahmen für Private zumutbar sind zur Verhütung von Schäden in Gebieten, die von Bibern, Fischottern und Grossraubtieren besiedelt sind. 
  • Zudem regelt die Verordnung neu die Abgeltung von Schäden durch Biber an Infrastrukturen wie Strassen und Bahndämmen.
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