24.06.2020 10:00
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Raumplanung
Zerrissenheit: Dorf oder Stadt?
Agglomerationen möchten mehr mit den Städten zusammenarbeiten, wünschen aber trotzdem mehr Autonomie. Diese Zerrissenheit dokumentiert eine neue Umfrage des Städteverbandes.

Der Schweizerische Städteverband (SSV) will sich vermehrt den Agglomerationen widmen und die Sichtweise von Entscheidungsträgern dieses zunehmend städtischeren Raumtyps vermehrt einbeziehen.

Urban, aber nicht städtisch

Diese Sichtweise hat die Forschungsstelle Sotomo im Auftrag des SSV bei knapp 500 Entscheidungsträgern und leitenden Verwaltungsangestellten aus 175 Gemeinden erhoben, wie der Verband am Dienstag mitteilte. Die Umfrage fand vor der Corona-Krise statt.

Zentrales Ergebnis ist der Wunsch der Agglomerationen nach mehr Kooperation, aber zugleich auch nach mehr Autonomie. Viele Vertreter der Agglomeration sehen ihren Ort zwar als urban, aber nicht als städtisch an. Nur 22 Prozent der Befragten ordnen ihre Gemeinde eindeutig als Stadt ein. Rund die Hälfte ist der Ansicht, dass die Gemeinde etwas zwischen Dorf und Stadt sei.

Andere Mentalität

Als ausgeprägt wird die Verstädterung in den Agglomerationen bezüglich Verkehr und Bausubstanz eingestuft. Das öffentliche Leben und die Mentalität der Bevölkerung dagegen werden weniger städtisch empfunden. Die Urbanisierung werde in den Agglomerationen als einseitig wahrgenommen, so der Schluss des Städteverbandes.

Als bedeutende Konfliktfelder im Verhältnis zwischen Kernstädten und Agglomerationen hat die Umfrage die Bereiche Raumplanung/Umwelt und Tiefbau/Mobilität ausgemacht. Städte strebten vor allem im Verkehr nach Autonomie, die Agglomerationen in der Raumplanung. Dennoch sei das Bedürfnis nach mehr Zusammenarbeit bei der Bewältigung der Herausforderungen in diesen Bereich grösser als die Angst vor einem Autonomieverlust, so ein Fazit von Sotomo.

Fusionen gegenüber sind vor allem die Vertreter der Städte positiv eingestellt. Nur eine Minderheit der Agglomerationen strebt eine Fusion mit anderen Gemeinden an. Identitäts- und Autonomieverlust stehen hier als Argumente im Vordergrund.

Kernstadtperspektive first geht nicht

Auch beim Thema Verdichtung widerspiegelt sich das ambivalente Muster. Die Agglomerationsvertreter sehen einerseits grosses Potenzial in der Gemeindeentwicklung, sind allerdings auch skeptisch, was das Wachstum und die Akzeptanz in der Bevölkerung betrifft.

Die Forschungsstelle empfiehlt dem SSV in ihrem Fazit eine differenzierte Ansprache der Agglomerationen, «die nicht einfach die Kernstadtperspektive auf das Umland zu übertragen versucht». Zudem müsse er auch mehr Mitsprachemöglichkeiten der Gemeinden gegenüber übergeordneten staatlichen Ebenen einfordern

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