29.12.2013 16:19
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann, Samuel Krähenbühl
Raumplanung
Zuwanderung frisst Kulturland
Die starke Bautätigkeit und als deren Folge auch der Kulturlandverlust haben zwei Ursachen. Zu einem Drittel ist dies der steigende Platzbedarf pro Einwohner, zu zwei Dritteln das starke Bevölkerungswachstum.

Die Meldung liess aufhorchen: Wegen des starken Bevölkerungswachstums muss trotz Revision des Raumplanungsgesetzes (RPG) kaum  überschüssiges Bauland ausgezont werden. Denn die Schweizer Bevölkerung wächst seit der Abschaffung der letzten Kontingente wegen der Personenfreizügigkeit mit der EU so stark wie nie.

Von 8 auf 11 Millionen

Das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) geht von einem Bevölkerungswachstum von heute 8 auf fast 11 Mio. Menschen bis 2050 aus. Weil das erwartete Bevölkerungswachstum so gross ist, haben nur gerade vier Kantone mehr Bauland gehortet, als sie in den nächsten 15 Jahren brauchen, und müssen rückzonen. Alle anderen Kantone brauchen sämtliches eingezonte Land für die wachsende Bevölkerung.

Denn mehr Menschen brauchen auch mehr Platz. Das zeigt die neueste Arealstatistik des ARE: Zwischen 1985 und 2009 nahmen die Siedlungsflächen um insgesamt 23,4% zu. «Die überwiegende Mehrheit der neuen Siedlungsflächen, nämlich knapp 90%, entstand auf Landwirtschaftsflächen, lediglich 10% waren zuvor bestockte (Wald und Gehölze) oder unproduktive Flächen», schreibt das ARE. Es wird zwar betont, dass das Wachstum der Siedlungsflächen im besagten Zeitraum  mit 23,4% noch höher ausgefallen sei als das Bevölkerungswachstum, das 17,5% betragen habe, was einer Bevölkerungszunahme von 6,3 Mio. auf 7,4 Mio. Einwohner entspreche. Denn nicht nur die Anzahl Menschen, sondern auch die Siedlungsfläche pro Person habe im gleichen Zeitraum um rund 20 m² auf 407 m² zugenommen. Allerdings ist um die Frage, wie stark der Flächenbedarf pro Kopf tatsächlich steigt,  jüngst ein Streit zwischen zwei Bundesämtern entbrannt (siehe Kasten).

Bevölkerungswachstum hat stärksten Einfluss

Tatsache bleibt aber so oder so, dass das Bevölkerungswachstum den grössten Anteil am  Siedlungswachstum hat. Die Siedlungsfläche wuchs zwischen 1985 (6%) und 2009 (7,5% ) um insgesamt 1,5 Prozentpunkte, was den zitierten Zuwachs von 23,4% ergibt. Wenn man den Flächenbedarf pro Mensch von 386,6 m² aus der Arealstatistik 1979/85 als konstant annehmen würde, dann hätte die Siedlungsfläche wegen der Bevölkerungszunahme von 17,5% immer noch um 1,05% auf 7,05% zugenommen.

Zwei Drittel Wachstum

Demnach war also im Zeitraum zwischen 1985 und 2009 das Bevölkerungswachstum für gut zwei Drittel des Siedlungswachstums zuständig (+1,05 %) und der zusätzliche Flächenbedarf pro Einwohner für etwa einen Drittel (+0,45%).
«Aus unserer Sicht sind diese Rechnungen – arithmetisch gesehen – korrekt», sagt Anton Beyeler, beim Bundesamt für Statistik (BFS) zuständig für die Arealstatistik, auf Anfrage. Kausalzusammenhänge könnten hingegen auf der Grundlage der Resultate der Arealstatistik nicht belegt, aber auch nicht widerlegt werden. Denn es werde nicht erhoben, ob Einwanderer mehr oder weniger Siedlungsfläche als die ansässige Bevölkerung brauchen, meint Beyeler dazu.

Umstritten

Über die Frage, ob der Flächenbedarf pro Einwohner wirklich so stark wächst und damit zum Kulturlandverlust beiträgt, ist zwischen den zwei Bundesämtern ARE und BFS ein Streit entbrannt. Das ARE schätzte bis vor Kurzem, dass die Wohnfläche pro Person seit 1980 von 34 m² auf heute rund 50m² gestiegen sei. Doch gemäss BFS lag der Wert pro Kopf 2012 bei 45 m² – das ist lediglich 1 m² mehr als im Jahr 2000. Zwischen 1980 und 2000 war der Anstieg mit 10 m² um den Faktor 10 höher.

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