26.03.2015 06:16
Quelle: schweizerbauer.ch - Rapahel Bühlmann
Milchmarkt
„Solange die Märkte nicht offen sind, gibt es Regulierungen“
Am Rande der Bilanzmedienkonferenz der Emmi von Dienstag sprach deren Verwaltungsratspräsident Konrad Graber über die Marktlage. Er ist der Meinung, dass es in der Branche künftig eine Vision braucht.

«Schweizer Bauer»: Ist der Verwaltungsrat von Emmi zufrieden mit dem Geschäftsjahr 2014?
Konrad Graber: Wir haben ein sehr gutes Jahr hinter uns. Das Ergebnis wird allerdings durch die Wertberichtigung auf Trentinalatte getrübt. Ich bin aber angesichts der aktuellen Situation froh, dass wir diese Position bereits letztes Jahr bereinigt haben.

Für viele Milchbauern ist die aktuelle Milchmarktsituation sehr prekär. Was empfehlen Sie als Wirtschaftsprüfer einer Unternehmung, wenn sich ein Betriebszweig als unrentabel herausstellt?
Man sollte die Situation längerfristig beurteilen. Emmi wird ab dem kommenden Monat den Frankenrückbehalt auf dem Milchpreis bereits reduzieren können. Ich glaube, dass Milch eine gute Zukunft hat.

Viele Milchbauern produzieren seit mehreren Jahren, ohne die Kosten decken zu können. Hat Emmi nicht Angst, in Zukunft nicht genügend Milch verarbeiten zu können?
Angst haben wir keine. Es wird aber weitere Bereinigungen geben. Auf der anderen Seite ist die Milchproduktion jüngst stets gestiegen. Diese beiden Entwicklungen werden sich aber marktgemäss einpendeln. Die grosse Unbekannte diesbezüglich sind die Auswirkungen, welche mit dem Ende der Milchquote in Europa einhergehen werden.

Aufhebung der Milchquote und des Mindestkurses. Beides wirkt sich massiv auf Milch- und alle Agrarmärkte aus. Braucht es, um dem zu begegnen, seitens des Parlamentes nicht eine klarere Vision und Strategien für die Schweizer Landwirtschaft?
Dies ist schon ein Problem. Jede Regulierung führt zu einer Marktverzerrung, was wiederum kritisiert wird. Einen Freihandel will man aber auch nicht. Ich bin aber auch der Meinung, dass es eine Vision braucht, gerade in Bezug auf die weisse Linie. Ich würde Bundesrat Johann Schneider-Ammann daher empfehlen, nach der Währungskrise einen runden Tisch mit der Branche zu lancieren.

Ein anderer Agrarpolitiker hat der Emmi in der «SonntagsZeitung» Marktmanipulationen vorgeworfen. Laut Beat Jans verdient sich Emmi mit einer Buttermarge von 22 Prozent eine goldene Nase?
Ich habe mir die Berechnungen von Beat Jans angeschaut, habe sie aber nicht nachvollziehen können. Aus unserer Sicht sind seine Behauptungen einfach falsch.

Dennoch zeigt es auf, wie komplex nicht nur der Milchmarkt geworden ist. Schweizer Milchbauern schaffen Transparenz, wo es geht, um beim Konsumenten eine grosse Wertschöpfung rechtfertigen zu können. Kaum ist die Milch aber im Tankwagen, wirds undurchsichtig. Müsste nicht die ganze Branche darauf bedacht sein, die Glaubwürdigkeit sicherzustellen? 
Solange die Märkte nicht offen sind, gibt es Regulierungen. Jetzt muss man sich entscheiden, ob man den freien und somit transparenteren Markt will, wo sich wahrscheinlich alles zu Lasten der Landwirtschaft einspielen wird, oder ob man das nicht will. Dann muss man aber damit rechnen, dass es Fragen gibt zu den zugegeben sehr komplexen Konstrukten wie Segmentierung, Branchenorganisationen, Zulagen oder aber auch Interpellationen wie diejenige von Nationalrat Jans.

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