6.03.2015 17:11
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
„Zukunft nur mit kostendeckendem Milchpreis“
Die Bäuerliche Interessen-Gruppe für Marktkampf, BIG-M, sorgt sich wegen dem Milchquoten-Ende in der EU um die Zukunft der schweizerischen und europäischen Milchbauern. Die Produzenten müssten kostendeckende Preise realisieren können. Dies sei nur möglich, wenn die Milchmenge an die Nachfrage angepasst werde.

Am 1. April 2015 wird das Ende der EU-Milchquote besiegelt. Die Milchbauern sind wieder dem angebots- und nachfrageabhängigen Marktgeschehen ausgesetzt. 1984 beschloss der EG-Ministerrat die Einführung der Milchquote, nachdem in der EG (heutige EU) wegen jahrelanger Milchüberschüsse hohe Lagerbestände an Butter- und Milchpulver entstanden waren.

Markt mit Milch überversorgt

BIG-M blickt dem Ende der Milchquote sehr skeptisch entgegen. Die EU hätte diese in den vergangenen Jahren nie als Instrument für eine Angebotssteuerung angewendet, schreibt die Organisation am Freitag in einem Communiqué. Die Quote wurde gar jedes Jahr um ein halbes Prozent angehoben, um den Markt mit Milch zu fluten und der Preis der Quote zu drücken. Dies hatte gemäss BIG-M zwei Folgen:

  • Die sinkenden Preise führten am Anfang zu einer Produktionsausdehnung, weil die Bauern den geringeren Erlös durch eine höhere Produktion wettmachen wollten. Dies führte erst in benachteiligten Gebieten zu Betriebsaufgaben. Später hätten auch gut aufgestellte Betriebe aufgegeben, schreibt BIG-M.
  • Vor dem Quotenende haben viele Bauern ihre Ställe ausgebaut und die Produktion ausgedehnt. Die Konsequenz war ein drastischer Milchpreiszerfall. Erst als die EU-Kommission klarstellte, dass auch im letzten Quotenjahr die Superabgabe bei Überlieferungen bezahlt werden muss, gingen die Einlieferungen zurück. Der Preiseinbruch wurde gestoppt.

„Die Milchproduzenten wären sehr wohl in der Lage, die Produktion bei guter Nachfrage zu erhöhen oder, wie die letzten Monate in der EU beweisen, auch zu drosseln“, hält BIG-M fest. Doch die Bauern würden immer nur an den Einzelbetrieb denken. Und die Politik habe kein Interesse, dass die Milchbauern „bedarfsgerecht“ produzierten.

LQB mindern Auswüchse der "Billigproduktion"

In der Schweiz versuche die Politik, die negativen Auswirkungen des permanenten Preisdruckes mit einer Umverteilung der Direktzahlungen zu verhindern, so BIG-M. Die Produktion werde „bis zum geht nicht mehr“ verkompliziert. „Es ist klar: Billige Milch kann nur mit billigem Kraftfutter effizient produziert werden“, so das Fazit. Mit den Landschaftsqualitätsbeiträgen würden die Auswirkungen der „Billigproduktion“ auf das Landschaftsbild gemindert.

Damit die Milchbauern in der Schweiz und Europa eine Zukunft haben, fordert BIG-M einen kostendeckenden Milchpreis. Dies sei nur möglich, wenn Angebot und Nachfrage im Lot seien. Erst dann könnten die Milchproduzenten auf gleicher Augenhöhe mit den Konzernen über den Preis verhandeln.

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