11.01.2016 06:08
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Kommunikation
In der Schule Kühe streicheln
In Amerika bringen Bauern und Milchverarbeiter in mobilen Klassenzimmern Kühe in die Schulen. So lernen die Kinder, woher die Milch kommt. Der Bauernverband findet die Idee super, die Milchproduzenten winken ab. Was halten Sie von dieser Idee, liebe Leserinnen und Leser? Stimmen Sie ab und diskutieren Sie mit.

Immer weniger Kinder wissen, dass  die Milch nicht vom Grossverteiler stammt, sondern von der Kuh. Um das zu ändern, haben die Bauern in Kalifornien (USA) mit dem Milchindustrieverband  Dairy Council of California ein fahrendes Klassenzimmer für Kindergarten- und Schulklassen entwickelt – nach dem Motto «Wenn die Kinder nicht auf den Bauernhof kommen, muss die Kuh  eben zu den Kindern gebracht werden».  

Kühe auf dem Pausenplatz

LeAnne Ruzzamenti vom Dairy Council of California erklärt: «Wir arbeiten mit Farmern in ganz Kalifornien zusammen. Auf der Fahrt zu einer Schule holen wir bei einem von ihnen Kühe ab. Mit diesen besuchen wir die Kinder auf dem Pausenplatz.» Die sechs mobilen Klassenzimmer sind wie Viehanhänger ausgestattet. «Die Kinder können die Tiere aus der Nähe betrachten und streicheln. Der Lehrer, der den Truck begleitet, erklärt, woher die Milch kommt und welche wichtige Rolle sie in der Ernährung spielt», fährt Ruzzamenti fort: «So konnten wir letztes Jahr 45'000 Schüler in 700 Schulen direkt erreichen.»

Sandra Helfenstein vom Schweizer Bauernverband (SBV) ist begeistert von der Idee: «Auch in der Schweiz weiss nur noch ein Bruchteil der Bevölkerung, wie man eine Kuh melkt. Damit sinkt die Bereitschaft, die Leistungen der Bauern entsprechend zu bezahlen – sei es in Form von Direktzahlungen oder durch angemessene Preise für Fleisch oder Milch.»  

SBV will zu den Leuten, SMP skeptisch

Der SBV versuche, mit Projekten wie der Stallvisite und dem Tag der offenen Stalltüren die Konsumenten auf die Höfe zu bringen. «Doch das wird immer schwieriger, denn die Städter erreichen wir nicht. Wir überlegen uns deshalb, vermehrt zu den Leuten zu gehen, etwa an Messen oder mit einem City-Bauernhof», blickt Helfenstein voraus. «Eine lebende Kuh in der Schule weckt Emotionen – das mobile Klassenzimmer ist wirklich prüfenswert.»

Skeptischer ist Barbara Paulsen von den Schweizer Milchproduzenten: «Wir sehen zurzeit keine Notwendigkeit, ein solches Projekt  zu starten, obwohl wir ähnliche Ziele verfolgen.» Mit dem Tag der Pausenmilch und dem Tag der Milch sowie mit Unterrichtsmaterialien könne man Schüler jeder Schulstufe erreichen. «Ein mobiles Klassenzimmer ist sehr teuer und könnte von viel weniger Schulklassen genutzt werden.»

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