11.11.2013 07:08
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Milchmarkt
SMP wollen Plattform Molkereimilch
Die Schweizer Milchproduzenten (SMP) bedauern, dass die Bauern von den höheren Preisen im Ausland erst zeitverzögert profitieren. Vielleicht gebe es zu viele Organisationen, die Milch verkaufen. Eine Plattform soll helfen.

Hanspeter Kern aus Buchberg SH ist seit Ende Mai Präsident der SMP. Am vergangenen Mittwoch führte er in Bern durch seine erste Delegiertenversammlung. In der Eröffnungsrede stellte Kern fest, dass der Milchpreis in Zukunft in der Schweiz wichtiger geworden sei, um das Angebot zu beeinflussen. Das will heissen: Stimmt der Preis nicht, wird nicht gemolken.

«Mit den Anreizen und Alternativen, welche die Agrarpolitik 2014–2017 (AP 2017) bietet, wird dies in Zukunft wohl noch deutlicher eintreten als 2012/2013.» Seit Anfang 2013 herrsche auf den internationalen Märkten eine sehr positive Grundstimmung.

Interessen besser bündeln

Davon hätten die Molkereimilchproduzenten in der Schweiz aber nur zeitverzögert profitiert. Erst mit der Anhebung des Richtpreises per Juni 2013 um 3 Rp./kg habe die positive Entwicklung in der Schweiz Fuss gefasst. «Der Markt hätte hier zweifellos noch weitere Schritte erlaubt», kritisierte Kern. Nun setzen die SMP auf eine weitere Richtpreiserhöhung per 1. Januar 2014, ohne dass dies an der DV ausdrücklich gefordert wurde.

Wenn die Märkte nachgäben, gebe es jeweils bei der Überwälzung auf die Milchproduzenten kaum Zeitverzögerungen. «Allenfalls verlangt dies, dass die Milchproduzenten ihre eigenen, historisch gewachsenen Angebotsstrukturen etwas überdenken», sagte Kern. Zur Bündelung der Produzenteninteressen wollen die SMP zusammen mit den Milchvermarktungsorganisationen eine «Plattform Molkereimilch» aufbauen. Das Ziel ist, alle Organisationen, die in der Branchenorganisation Milch (BOM) Delegierte stellen, aber auch andere regelmässig an einem Tisch zu versammeln.

Mehrere Hüte möglich

Kurt Nüesch, der neue SMP-Direktor, stellte die Umrisse der Strategieüberprüfung vor, welche der Vorstand am 6. Dezember verabschieden wird. Demnach wollen die SMP keine neuen Wahlvoraussetzungen oder Quoten für den SMP-Vorstand schaffen. Die Nomination bleibe Sache der Mitgliedorganisationen. Die Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) können also beispielsweise auch in Zukunft  zwei Vertreter in den SMP-Vorstand schicken, die gleichzeitig im Emmi-Verwaltungsrat Einsitz nehmen, wenn die ZMP-Basis dies will. Heute ist dies mit Thomas Oehen und Christian Arnold der Fall.

Die relevanten Interessenbindungen sollen aber in Zukunft bei Nomination und Wahl aktiv offengelegt werden. Die SMP sprechen in diesem Zusammenhang positiv von «Vernetzung», nicht negativ von «Verflechtung» oder «Zielkonflikten».  Wichtige Entscheide von Molkereien, etwa  wo investiert werde, würden nun mal in den Verwaltungsräten entschieden.

Öffnung weisse Linie


Das BLW wird im Frühling 2014 einen Bericht zur Öffnung des Milchmarktes gegenüber der EU vorlegen. Stefan Hagenbuch, neuer stellvertretender SMP-Direktor, verwies auf die Studie, welche die SMP im September vorgestellt hatten. Er betonte, die SMP hätten im Vorfeld eingewilligt, dass die Studie unabhängig vom Analyseergebnis veröffentlicht wird. Hagenbuch fasste jene wie folgt zusammen: Die Öffnung der weissen Linie ist nur beschränkt mit der Öffnung des Käsemarktes vergleichbar, mit deutlichen Marktanteilsverlusten ist zu rechnen, und innerlandwirtschaftlich würde die Milchproduktion weniger attraktiv.

BLW-Direktor will Produktion

Die Leistung, welche die Schweizer Bauern für die Versorgungssicherheit erbrächten, werde in seinen Augen zu wenig gewürdigt, sagte BLW-Direktor Bernard Lehmann zu den SMP-Delegierten. Bei der AP 2017 habe aber gerade die Milchbranche vor der Parlamentsdebatte jahrelang von Überschüssen und Mengensteuerung gesprochen. Da heisse es dann halt von der Gegenseite: «Wir helfen euch jetzt zu extensivieren.» In den AP-Verordnungen habe das BLW seine Möglichkeiten ausgereizt, die Nahrungsmittelproduktion zu unterstützen, betonte Lehmann. In den letzten Jahren seien einige Milchproduzenten mit guten Strukturen eventuell übereilt ausgestiegen – «stellen Sie sich vor, die Schweinehalter würden bei tieferen Preisen immer gleich aussteigen.» Langfristig entwickle sich das internationale Umfeld für die Milchbauern positiv: Nachfrage und Preise stiegen. Das Wirtschaftsdepartement habe – «vielleicht anders als noch vor vier Jahren» – heute keine aktive Absicht mehr, die Agrarmärkte zu öffnen. Lehmann wandte sich auch gegen extensivst bewirtschaftete Flächen, etwa entlang von Flüssen. sal

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