31.08.2015 08:35
Quelle: schweizerbauer.ch - Ruth Bossert, lid
Milchmarkt
10 Prozent der Schweizer Milchmenge
Den Milchabsatz nachhaltig sichern und dabei den Produzenten einen überdurchschnittlichen Milchpreis bezahlen: Mit diesen Zielen wurde vor zehn Jahren die Nordostmilch AG gegründet.

Nach dem Konkurs der Swiss Dairy Food im Jahr 2002 und im Zuge der Aufhebung der Milchkontingente wollten 1'500 Milchbauern aus der Nordostschweiz eine nachhaltende Lösung, die ihnen den Absatz ihrer Milch sicherstellte. Aus der Fusion des Milchproduzentenvereins Nordost und des Milchringes St. Gallen-Appenzell, welchen später Graubünden und weitere Gebiete Richtung Zentralschweiz folgten, wurde im Jahr 2005 die Nordostmilch AG gegründet.

Von 150 auf 310 Mio. kg Milch

Verwaltungsratspräsident Robert Bischofberger und Geschäftsführer René Schwager nahmen zusammen mit zehn Verwaltungsräten die Geschäfte in die Hand. Bischofberger und Schwager sind beide seit Beginn weg in ihren Funktionen aktiv. Angefangen hat man vor zehn Jahren mit 150 Mio. Kilogramm Milch pro Jahr, heute sind es 310 Mio. Kilogramm. Das sind rund 10 Prozent der Schweizer Milchmenge. "Das Wachstum konnte besonders in den ersten fünf Jahren massiv gesteigert werden", erklärt Schwager.

Emmentaler-Käserei gekauft

Die Nordostmilch verkauft ihre Milch an rund 50 Molkereien und Käsereien in der ganzen Schweiz. Gemäss Schwager gingen am Anfang die saisonalen Milchspitzen noch fast vollständig in die Pulverwerke. Seit Mai dieses Jahres besitzt die Nordostmilch AG die Mehrheit am Aktienkapital an der Käserei Laubbach AG in Waldkirch, welche eine der grössten Emmentalerkäsereien der Schweiz ist. Für René Schwager ein Glücksfall: "Diesen Betrieb wollen wir die nächsten Jahre weiter ausbauen, um in der Ausregulierung von saisonalen Milchspitzen noch unabhängiger zu werden."

Da Milch kein Lagerprodukt sei, und die Kunden "just in Time" mit Rohmilch in der von ihnen gewünschten Qualität beliefert werden wollen, sei die Regulierung der Spitzenvolumen eminent wichtig. Dass die Kühe an 365 Tagen und auch an Ostern und Neujahr Milch geben, erwähnte auch Bundesrat Ueli Maurer anlässlich der Feierlichkeiten am vergangenen Samstag in Bürglen TG. Rohmilch sei mit keinem anderen Produkt zu vergleichen und auch deshalb ein anspruchsvolles Produkt, sowohl für Produzenten wie auch für die ganze Verwertungskette.

Schweizer Milch wieder eine Identität geben

"Weltweit wächst die Nachfrage nach Milch stark", sagt René Schwager. Deshalb erstaune es nicht, dass die Schweizer Bauern, die generell rund 30 Prozent mehr Milch produzieren, als in der Schweiz konsumiert wird, und den Preisdruck tagtäglich im Geldbeutel spüren, auch im internationalen Markt mit dabei sein wollen.

Für René Schwager ist klar: "Wir müssen unserer Schweizer Milch wieder ein Gesicht und eine Identität geben." Denn meistens ende der Einfluss der Produzenten auf die Lieferkette, wenn die Milch auf dem Hof abgeholt worden sei. "Wir wollen dem entgegenwirken und suchten langfristige strategische Partnerschaften mit unseren Kunden in der Schweiz und hielten Ausschau nach eigenen Exportmöglichkeiten für Produkte im Hochpreissegment."

Chinesischen Markt erobern

Die Idee dahinter: Im stark wachsenden asiatischen Markt Milchprodukte mit viel Swissness einführen, in der Hoffnung, dass sich immer mehr Chinesen mit Milchprodukten anfreunden und diese auch regelmässig konsumieren wollen. Deshalb hat Nordostmilch AG vor fünf Jahren die Tochterfirma Swissmooh AG gegründet, um der modernen chinesischen Bevölkerung Qualität zu verkaufen, für die sie auch bereit sei, einen hohen Preis zu bezahlen. "Auch wenn in China ein Liter Milch fünf Franken kostet, findet sie guten Absatz," sagt Schwager weiter.

Das Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und China, das auf 1. Juli in Kraft getreten ist, soll die Zölle für die meisten Milchprodukte bis in zehn Jahren zum Verschwinden bringen. Damit erhoffen sich die Verantwortlichen einen positiven Schub, auch wenn damit nicht alle Handelsbarrieren automatisch verschwinden. Heute sei man mit den Verkaufszahlen der Projektphase zufrieden. Exportiert wird vor allem UHT-Milch, Milchpulver und Käse. Produziert werden die Produkte bei verschiedenen Nordostmilch-Kunden. Der Transport nach Asien erfolge mehrheitlich per Schiff. In China werden zwei eigene Verkaufsläden sowie Online-Vertriebskanäle betrieben.

Ziel nicht ganz erreicht

Am Anfang stand das Versprechen, den Milchproduzenten einen überdurchschnittlichen Milchpreis zu bezahlen. Wie beurteilt René Schwager die Entwicklung heute, wurde das Versprechen eingelöst? "Wir haben das Ziel mehrheitlich, aber nicht in jedem Jahr erreicht", erklärt er und spricht von einem aktuellen Basispreis für Silomilch von 61 Rappen. Hingegen muss er auch zugeben, dass der Schnitt übers laufende 2015 wohl lediglich bei 56 bis 57 Rappen liegen werde.

Vor zehn Jahren, als die Nordostmilch startete, betrug der Milchpreis für Silomilch noch 70 Rappen pro Kilogramm. Der Jahresumsatz sei grundsätzlich mit der Milchmenge gewachsen, wobei sich die sinkenden Preise negativ auf den Umsatz auswirkten. So betrug er im vergangenen Jahr noch 230 Mio. Franken.

Nicht gewinnorientiert

Grundsätzlich arbeite die Nordostmilch AG nicht gewinnorientiert, Bauern partizipierten bei guter Geschäftsentwicklung in Form von Milchgeldnachzahlungen. Damit sie sich als Produzentenorganisation weiter entwickeln und in neue Vermarktungsprojekte investieren können, sei es unabdingbar, auch Reserven zu äufnen. Der Zielwert betitelt Schwager mit mindestens einem halben Rappen für ein Kilogramm vermarktete Milch.

Die hälftige Beteiligung an der Hochdorf Swiss Whey AG wurde im vergangenen Jahr an die Hochdorfgruppe verkauft. Das Ziel, eine Nachfrage für Schotte aus den Käsereien zu schaffen, habe Nordostmilch AG mit dem gemeinsamen Aufbau der Gesellschaft erreicht, erklärt Schwager.

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