1.08.2014 09:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Milchmarkt
15 Prozent zu viel Bio-Milch
Es gibt zu viel Bio-Milch. 15 Prozent der Produktion wurden im ersten Halbjahr zu konventionellen Produkten verarbeitet.

«Die kumulierte Biomilchproduktion von Januar bis Mai 2014 betrug 101'616 Tonnen und liegt 4198 Tonnen oder 4,3 Prozent höher als in der Vorjahresperiode», heisst es im aktuellen Marktlagebericht Milch. Davon seien 86'702 Tonnen zu Biomilchprodukten verarbeitet worden. 14'914 Tonnen oder rund 15 Prozent der gesamten Biomilch hingegen konnten im ersten Halbjahr 2014 offenbar nicht als Biomilch vermarktet werden.

In konventionellen Kanal

Was geschieht mit dieser Bio-Milch, welche nicht als solche verkauft werden kann? «Sie wird konventionell verarbeitet», sagt Eldrid Funck, Produktmanagerin für Milchprodukte bei Bio-Suisse. Die Produktion von Biomilch sei aber tatsächlich seit Anfang Jahr bis Ende Mai um 4,3 Prozent gestiegen. Dies vor allem durch Umsteller, welche Anfang 2014 den Voll-Knospe Status erhalten hätten, sowie durch den vorzeitigen Frühlingsbeginn und die gute Grünfutterqualität.

Der Anteil unterliege saisonalen Schwankungen. «Wir können übers Jahr betrachtet keine Trendumkehr feststellen: Der Absatz von Biomilch nimmt insgesamt laufend zu, auch wenn einzelne Perioden einen anderen Anschein erwecken», argumentiert sie.

Weniger Werbung

Im 2013 seien Bioprodukte stark beworben worden, was sich erfolgreich auf den Umsatz von Biomilch (+7%) und Käse (+13,6%) ausgewirkt habe. Werbemassnahmen im gleichen Umfang können für das laufende Jahr nicht fortgesetzt werden. «Sprich: eine weniger intensive Absatzsteigerung ist zu erwarten», fügt sie an.

Wird durch die Überproduktion von Biomilch, welche deshalb zu 15 Prozent in den konventionellen Kanal geht, nicht auch der gesamte Milchmarkt belastet? Funck winkt ab: «Die Bio-Milchproduktion hat einen Anteil von rund 6 Prozent am gesamten Schweizer Milchmarkt. Daher sind die Auswirkungen auf den konventionellen Markt, der ebenfalls durch die hohe Futterqualität des Frühjahres mit Mehrmengen kämpft, als gering einzuschätzen.»

Offen für Lactofama

Trotzdem stellt sich die Frage, ob die Biomilchproduzenten bereit sind, sich allenfalls an Marktentlastungsaktionen, etwa über die Lactofama, zu beteiligen. Generell seien die Bio-Milchproduzenten offen für Gespräche, um Lösungen für den vermehrten Ausgleich der saisonalen Schwankungen in der Milchproduktion zu finden. «Ob eine Beteiligung infrage kommt, ist von den Bedingungen abhängig», betont Funck.

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