25.04.2019 09:52
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Milchmarkt
3-Rappen-Zuschlag in Gefahr
Fromarte, der Verband der Käser, lehnt die Einführung eines Branchenstandards für Nachhaltige Milch in der aktuellen Ausgestaltung mit 3 Rappen Zuschlag für A-Milch ab. Fromarte will, dass der Zuschlag nur auf nicht verkäster Milch gilt. Damit könnte der Branchenstandard an der Delegiertenversammlung der Branchenorganisation Milch von nächster Woche nicht die nötige Mehrheit finden.

Der Vorstand der Branchenorganisation Milch (BOM) hat am 3. April beschlossen, den Branchenstandard für Nachhaltige Milch per 1. September 2019 einzuführen und den Nachhaltigkeitszuschlag bei 3 Rp./kg auf der A-Milch festzusetzen.

Diesen Beschluss hat Fromarte, der Verband der gewerblichen Käser, nicht blockiert, theoretisch hätten sie mit ihren 3 Vorstandsvertretern dort eine Sperrminorität. Offenbar ist eine exakte Definition der Molkereimilch an dieser Sitzung ausgeblieben. 

«Neu beurteilt» 

Jetzt aber hat der Zentralvorstand der Fromarte laut einer Mitteilung die Situation neu beurteilt. Jetzt heisst es: «Solange keine Einigung betreffend die Begriffe Molkereimilch, industrielle Käsereimilch und gewerbliche Käsereimilch herrscht, wird Fromarte die Einführung des Branchenstandards Nachhaltige Schweizer Milch mit einem Nachhaltigkeitszuschlag von 3 Rappen je Kilogramm A-Molkereimilch an der DV der BOM vom 2. Mai ablehnen.» 

Auf Anfrage betont Jacques Gygax: «Unser Ziel ist, dass es vor der Versammlung am 2. Mai zu einer Einigung über die Definition der Molkereimilch kommt, und zwar so, dass Molkereimilch als nicht verkäste Milch definiert wird.» Er bestätigt, dass die Delegierten der Fromarte innerhalb der BOM-Delegiertenversammlung eine Sperrminorität haben. Es sei aber nicht das Ziel, diese auszuüben, sondern das Finden von konstruktiven Lösungen, so Gygax. 

Problem beim Raclettekäse

Streitpunkt ist, ob auch mit Silagefütterung hergestellte Milch, die verkäst wird, zum Beispiel zu Raclettekäse oder Grosslochkäse, als A-Milch gilt, für die 3 Rp./kg Zuschlag zu entrichten wäre, sofern die Nachhaltigkeitskriterien der BOM erfüllt sind. Grosse Teile der Milchproduzenten sagen, das sei auch A-Milch, so etwa Direktor Stephan Hagenbuch an der Delegiertenversammlung der Schweizer MIlchproduzenten (SMP) letzte Woche. Das lehnen Fromarte-Mitglieder ab, weil Preiserhöhungen für Käse sowohl im Inland wie auch im Export zugunsten eines Nachhaltigkeitszuschlags zur Zeit nicht umsetzbar seien. Fromarte erinnert daran, dass Beschlüsse für Preisanpassungen beim Käse durch die Sortenorganisationen und die Marktpartner gefällt würden und nicht durch die BOM.

Das Problem aus Sicht der Milchproduzenten ist: Wenn der Nachhaltigkeitszuschlag nur für nicht verkäste Milch gilt, ist deutlich weniger Milch im System. So fällt der Nachhaltigkeitszuschlag für die Milchproduzenten in der Summe dann auch deutlich geringer aus. Um das zu kompensieren, müsste der Zuschlag auf der A-Molkereimilch über 3 Rappen hinausgehen.  

«Grundsätzlich positiv»

Der Zentralvorstand von Fromarte stehe einer Einführung des Branchenstandards für Nachhaltige Schweizer Milch immer noch positiv gegenüber, heisst es in der Mitteilung. Fromarte weist darauf hin, dass ihre Mitglieder für einen deutlich höheren Milchpreis bezahlen (im Durchschnitt 71 Rappen je Kilogramm) und die Nachhaltigkeit bereits im Käsereimilchpreis enthalten sei. Die 71 Rp./kg entsprechen dabei dem Index des Bundesamts für Landwirtschaft für gewerblich verkäste Milch, in den vorwiegend silofreie Milch, aber auch etwas Silomilch von Fromarte-Mitgliedern wie Strähl Käse in Siegershausen TG oder die Bergkäserei Gais AR von Andreas Hinterberger eingehen.

Fromarte schreibt auch, dass Schweizer Käse im Export wie auch im Inland schon seit vielen Jahren exakt mit den Argumenten des grünen Teppichs (Nachhaltigkeit), ergänzend mit den gelebten Traditionen, beworben und vermarktet würden. In Anbetracht der Marktlage beim Käse sehe Fromarte keine Möglichkeit für die Ausrichtung eines Nachhaltigkeitszuschlags auf der Käsereimilch. 

Wo landet der Schwarze Peter?  

Es ist ein offenes Geheimnis, dass mit einem Branchenstandard für Nachhaltige Milch mittlerweile viele Akteure unter den Milchverarbeitern grosse Mühe haben. Vermutlich wären diese Verarbeiter nicht unglücklich oder gar glücklich, wenn dieser Antrag am 2. Mai an der Delegiertenversammlung der Branchenorganisation Milch (BOM) bachab geht. Erstens sind aus Sicht der Verarbeiter Preiserhöhungen bei den Produkten aufgrund eines neuen Nachhaltigkeitszuschlages ohnehin schwierig umzusetzen.

Zweitens steht die Migros abseits, sie selbst als Detailhändlerin, aber auch die Migros-Molkerei Elsa sind aus der BOM ausgetreten. Die Migros hat einen eigenen Nachhaltigkeitsstandard auf den 1. Januar 2019 bereits umgesetzt, aber nicht mit einem Zuschlag von 3 Rappen, sondern sie hat das einfach eingepreist. Das heisst: Wer die Bedingungen nicht erfüllt, erhielt ab 1. Januar 3 Rappen weniger für die Milch; wer den Kriterien genügt, hat den gleichen Preis. Und jetzt sollen Elsa-Konkurrenten wie Cremo AG oder Emmi AG oder Züger Frischkäse AG ab 1. September 3 Rappen mehr bezahlen?

Es ist klar, dass dies bei den genannten Molkereien in den Chefetagen für rote Köpfe sorgt, obwohl die grossen Molkereien im Rahmen der
Segmentierung mehr Möglichkeiten haben, einen 3-Rappen-Aufschlag zu verdauen, als ein gewerblicher Käser. Die grossen Molkereien könnten nämlich als Ausgleich den Bauern für die B-Milch weniger bezahlen, um ihre Gewinnmarge zu sichern, wenn sich die Produketepreise am Markt nicht erhöhen lassen.

Cremo und Emmi gehören aber mehrheitlich den Milchproduzenten, für sie ist es schwierig, gegen einen Nachhaltigkeitsstandard mit 3 Rp./kg Bonus für die Milchproduzenten zu stimmen. Wenn jetzt die Käser mit ihrer Kritik im Fokus stehen und sich bei den Milchproduzenten unbeliebt machen, können sich die grossen Molkereien genüsslich zurücklehnen.  


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