11.05.2020 11:52
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Strukturwandel
814 Bauernbetriebe gaben auf
Der Strukturwandel in der Landwirtschaft setzt sich erneut fort. 2019 waren in der Schweiz noch 50’038 Landwirtschaftsbetriebe registriert, 1,6% weniger als 2018. Insgesamt gibt es weniger Kühe und Schweine, dafür mehr Geflügel.

Im vergangenen Jahr zählte die Schweiz noch auf 50'038 Landwirtschaftsbetriebe, das waren 814 Betriebe oder 1,6 weniger als im Vorjahr, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Montag mitteilte.  2018 haben 768 Höfe aufgegeben, 2017 waren es 643 und 2016 990 Höfe. 

Ein Drittel weniger Betrieb seit dem Jahr 2000

Zum Vergleich: Im Jahr 2000 gab es noch 70'537 Landwirtschaftsbetriebe in der Schweiz. Innerhalb von 20 Jahren ist nahezu ein Drittel der Landwirtschaftsbetriebe verschwunden und die landwirtschaftliche Nutzfläche ist um 2,6% geschrumpft.

Die Betriebe in der Schweiz werden immer grösser. Dieser Trend hält unvermindert an. So belief sich der Anteil der Betriebe mit einer Fläche von über 20 Hektaren im Jahr 2019 auf 43%, gegenüber lediglich einem Viertel der Betriebe im Jahr 1999. Immer mehr Landwirtschaftsbetriebe wenden sich dem biologischen Landbau zu. 2019 arbeiteten 7284 Betriebe nach den Bio-Richtlinien, das sind 3,6% mehr als 2018.

Am meisten Betriebe gibt es weiterhin in den Kantonen Bern (10'254), Luzern (4494), St. Gallen (3904) und Zürich (3258). Im vergangenen Jahr aufgegeben haben dabei allein in Bern 142 Betriebe. Starke Rückgänge gab es auch in Zürich (-88), Wallis (-89) und Luzern (-67).

58% Weideland und Naturwiesen

2019 bewirtschafteten die 50'000 Betriebe eine landwirtschaftliche Nutzfläche (LN) von insgesamt 1,04 Millionen Hektaren. Gegenüber 2018 nahm die Fläche um 1250 ha oder 0,1 Prozent ab. 58 Prozent der Nutzfläche, 605'700 ha, waren Naturwiesen und Weideland. Auf 398’800 Hektaren (38% der LN) wurde Ackerbau betrieben. Die sonstigen Flächen (38’200 ha; 4% der LN) bestanden u.a. aus Rebland (13’400 ha) und Obstanlagen (7000 ha).

Zugenommen haben 2019 im Vergleich zum Vorjahr die Kunstwiesenflächen (+4000 ha) auf 126'700 ha sowie die Sonnenblumen (+516 ha auf 5900 ha). Am stärksten rückläufig waren Getreideflächen (-2200 ha auf 141'440 ha) und die Naturwiesen (-1800 ha auf 605'700 ha).

Weniger Brotweizen, mehr Hafer und Dinkel

Die Kulturen entwickelten sich 2019 unterschiedlich. Die Anbaufläche für Brotweizen (73’600 ha) ging um 2,8% zurück, jene für Zuckerrüben schrumpfte 2019 um weitere 1000 Hektaren auf 17’600 Hektaren. Auch die Anbaufläche für Gemüse nahm ab (11’900 ha; –2,1%), nachdem sie zuvor während mehreren Jahren gewachsen war.

Besonders stark gewachsen sind auch die Anbauflächen für Hafer (1700 ha, +5,2%) und Dinkel (5700 ha, +6%). Einige Nischenkulturen wie Hirse und Sorghum, Hanf und Linsen sind ebenfalls auf dem Vormarsch.

170'000 ha bio

2019 wurden in der Schweiz 170'000 ha nach biologischen Richtlinien bewirtschaftet. Das sind gemäss BFS 9000 ha mehr als 2018. Biolandbau wird damit auf 16 Prozent der Fläche betrieben. Die biologisch bewirtschafteten Anbauflächen machen beim Gemüse 21%, bei den Hülsenfrüchten 29% und bei den Reben 10% aus. Bio-Zuckerrüben erreichen lediglich einen Wert von 1%.

Immer weniger Milchkühe

Bei den Tierbeständen setzen sich die Trends weiter fort. Die Anzahl Kühe hat sich auch 2019 zurückgebildet. In den Ställen standen noch 554’600 Tiere, das sind 1,7% weniger als 2018. 2017 gab es in der Schweiz noch 569'000 Milchkühe. Seit 1999 sind die Milchkuhbestände um 19% gesunken, die Zahl der Zuchtbetriebe hat sich ebenfalls verringert (–47%). Der Bestand bei den Bio-Milchkühen erhöhte sich 2019 um 700 Tiere auf insgesamt 60'650 Kühe.

Weiter zunehmen hingegen ist die Zahl der Mutterkühe. Die nahm um 2,2% zu. Ihre Bestände haben sich innerhalb von 20 Jahren verdreifacht (1999: 41’200; 2019: 128’300). Im Bereich der Schweinefleischproduktion gingen sowohl die Anzahl Produzenten (5800; –5,7%) als auch die Tierbestände (–4,1%) zurück.

Mehr Legehennen

Die Geflügelzucht verzeichnete 2019 insgesamt einen Aufschwung (+2,5%). Aufgrund der steigenden Nachfrage nahm der Bestand der Legehennen gegenüber 2018 um 5,3% zu. 18% entfallen auf die Bioproduktion. Die Zahl der Mastpoulets blieb dagegen im Vorjahresvergleich stabil.

Auch die Schaf- und Ziegenbestände blieben 2019 praktisch unverändert. Letztere werden hauptsächlich in den Kantonen Bern, Graubünden, Wallis und St. Gallen gehalten. Drei Viertel der Milchschafbestände werden nach den Bio-Richtlinien gehalten.

Weniger Beschäftigte

Im Jahr 2019 waren 150’100 Personen in einem Landwirtschaftsbetrieb beschäftigt, was gegenüber dem Vorjahr einem Rückgang von 1,5% entspricht. 12% davon waren ausländische Staatsangehörige. Ein Grossteil (55%) der Arbeitskräfte war Teilzeit beschäftigt und mehr als drei Viertel waren Familienmitglieder.

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