10.01.2017 06:03
Quelle: schweizerbauer.ch - Christian Zufferey
Wallis
83 Rappen für Raclettemilch
In diesem Jahr kann die Augstbordkäserei das 150-jährige Bestehen der Käserei-Genossenschaft feiern.

Mit einer verarbeiteten Milchmenge von 5,2 Millionen Kilo Milch ist die Augstbordkäserei in Turtmann die grösste Käserei im Kanton Wallis. Vor allem Walliser Raclette AOP wird hier produziert – mit dem schon wiederholt namhafte Auszeichnungen gewonnen wurden, darunter der Swiss Cheese Award. Pro Tag werden etwa 260 Laibe hergestellt sowie 360 Tommes.

16'000 Kilo Milch täglich

Die Milch wird dabei von einem Drittunternehmen aus der ganzen Region eingesammelt. «Während des Winters, wenn wir bis an unsere Kapazitätsgrenzen gelangen und rund 16'000 Kilo Milch pro Tag verarbeiten, werden sogar zwei Lastwagen benötigt, um die Milch ab Hof oder in Sammelstellen abzuholen», erzählt Marcel Ammann, der Präsident der Augstbordkäserei.

Aufgrund des AOP-Pflichtenhefts für Walliser Raclette muss die Milch zwingend innert 24 Stunden nach dem Melken verkäst werden. Aus diesem Grund wird ab 7 Uhr erst mal die Bio-Milch abgeholt und verarbeitet, anschliessend die aus dem Talgrund gesammelte Milch. In einer dritten Charge wird die Milch aus den Schattenbergen – den Dörfern Ober- und Unterems, Eischoll, Unterbäch, Bürchen und Zeneggen – verarbeitet, und zuletzt noch die Milch von der Sonnenseite des Rhonetals, wozu auch Leukerbad und das Lötschental gehören.

Milchpipeline als Idee

Im letzten Jahr konnte die Augstbordkäserei ihr 20-jähriges Bestehen feiern. Heuer steht aber bereits das nächste Jubiläum an: Vor 150 Jahren wurde in Turtmann die Sennereigenossenschaft gegründet, indem man zwei Käsereien zusammengeschlossen hat. Dabei machte die Alpmilch aus dem Turtmanntal zwei Drittel der Jahresproduktion aus. Es gab sogar Ideen, die Milch von der Alp über eine Pipeline ins Dorf zu bringen. «Ein Teil der Pipeline wurde beim Bau einer neuen Quellwasser-Fassung sogar schon verlegt», erinnert sich Ammann. Mitte der 1990er-Jahre stand jedoch die Sanierung der Dorfkäserei an.

Statt jedoch zu sanieren, entschied man sich für den Neubau einer Schaukäserei in der Industriezone, direkt beim Bahnhof, zumal man sich auch mit einigen Käsereien aus umliegenden Dörfern zusammenschliessen konnte. Auf diese Weise konnten schon ab 1996 rund 1,8 Millionen Kilo Milch verarbeitet werden, fast doppelt so viel wie zuvor noch in der Dorfkäserei. Und dies ohne die Alpmilch, denn auf der Alp im Turtmanntal wurde ebenfalls eine neue Sommer-Käserei gebaut.

Elf Angestellte

Seither kamen laufend neue und grosse Milchlieferanten hinzu. Zudem beschäftigt die Augstbordkäserei statt anfänglich zwei heute bereits elf Mitarbeiter. Betriebsleiter ist seit vergangenem April Jean-Pierre Zenhäusern, der hier bereits seine Lehre absolvierte und sich zwischenzeitlich zum Käsermeister weitergebildet hat. Noch mehr zu produzieren, würde jedoch nicht mehr drinliegen. «Heute ist das Boot voll», betont Marcel Ammann. «Die Gebäude dürfen auf dieser Parzelle nicht mehr erweitert werden.»

Bei einem Milchpreis von 83 Rappen – einschliesslich Siloverbots- und Verkäsungszulage – garantiert die Augstbordkäserei aber das Überleben von 52 Milchvieh-Betrieben im Tal- und Berggebiet zwischen Visp und Salgesch.

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