24.01.2019 09:26
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Fleisch
83% stehen hinter Schlachthöfen
17 Prozent der Schweizer Bevölkerung befürwortet eine Schliessung der Schlachthäuser. Dabei gibt es einen grossen Unterschied zwischen Deutsch- und Westschweiz. Dies geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor, die die Tierrechtsorganisation Tier im Fokus (TIF) in Auftrag gegeben hat.

Das TIF kämpft seit Jahren für die Abschaffung der Nutztierhaltung, die Überwindung des Speziesismus sowie die Förderung des Veganismus.

Romands eher für Schliessung

Nun hat die Organisation eine Umfrage «Befürworten Sie die Schliessung aller Schlachthäuser?» in Auftrag gegeben. Die Resultate fallen eindeutig aus. 83 Prozent der Bevölkerung ist gegen eine Schliessung. Dabei gilt es sprachregionale Unterschiede zu beachten. In der Westschweiz haben 35 Prozent der Befragten mit Ja geantwortet, in der Deutschschweiz lediglich 11 Prozent. 

Auch je nach Alter gibt es Unterschiede, wobei eine Schliessung aller Schlachthöfe in jeder Altersklasse massiv abgelehnt wird. 91 Prozent der über 65-Jährigen möchte an den Schlachthäusern festhalten, bei den 18- bis 39-Jährigen sind es 77 Prozent. Bei den 40- bis 64-Jährigen stehen 85 Prozent hinter den Schlachthöfen. Einen Unterschied gibt es auch zwischen Mann und Frau. 21 Prozent der Frauen und nur 12 Prozent der Männer möchten die Schlachthöfe schliessen.

«Leute verdrängen Gewaltkultur»

Gemäss menuCH, einer Studie des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), ernähren sich nur 4.9 Prozent der Bevölkerung vegetarisch und 0.38 Prozent vegan. «Die Ablehnung der Schlachthäuser ist deutlich grösser als die Ablehnung von Fleisch», lässt sich TIF-Präsident Tobias Sennhauser in der Mitteilung zitieren. 

Während 17 Prozent die Schlachthäuser schliessen wollen, verzichten nur rund fünf Prozent der Leute auf Fleisch. «Die Leute verdrängen die Gewaltkultur an der Fleischtheke», meint Sennhauser. Er gibt die Schuld der Fleischbranche, die «hübsche und irreführende» Werbebilder verbreiten. Die repräsentative Umfrage wurde im September und Oktober 2018 vom Meinungsforschungsinstitut gfs-zürich im Auftrag der Tierrechtsorganisation Tier im Fokus (TIF) durchgeführt. Teilgenommen haben 993 Personen aus der Deutsch- und Westschweiz.

TIF macht immer wieder Aktionen

Die TIF ist in den vergangenen Jahren immer wieder durch verschieden Aktionen in der Öffentlichkeit aufgefallen. Im Mai 2018 wollte die Organisation mit einem Transparent zum Thema «Mutterliebe» die Bevölkerung zum Konsum von Pflanzenmilch statt Kuhmilch animieren. Die der Mutter entrissenen Kälber würden wenige Monate später im Schlachthaus landen, so die TIF.

Im Februar 2018 ging das TIF gegen die Poulethaltung aus besonders tierfreundlicher Stallhaltung (BTS) vor. Diese Tierhaltung sei tierfeindlich. Hinter BTS steckte nichts anderes als Massentierhaltung mit ihren Folgen wie erhöhte Mortalitätsraten und zahlreichen Tieren, die verletzt seien. Die Micarna wehrt sich gegen die Vorwürfe. Das Tierwohl sei in diesem Haltungssystem mit BTS so hoch wie möglich. Und nur dank dieses Haltungssystems könne der Preis für Poulet tief gehalten werden, erwiderte Roland Pfister, Sprecher von Micarna.

Die Organisation ging auch die Werbung der Branchenorganisation Fleisch vor. Die Pouletfleischwerbung von Proviande mit Hühnern in «Logenplätzen» ist nur teilweise irreführend. Zu diesem Schluss kommt die Lauterkeitskommission. Sie kritisiert allerdings eine Werbeaussage zum Auslauf des Geflügels.

2016 schliesslich forderte die TIF mit einer Petition “authentische” Bilder auf jeder Fleischpackung. Nur so könnten Konsumenten eine bewusste Entscheidung treffen. Damit soll die “fehlende Transparenz” wiederhergestellt werden. Studien hätten gezeigt, dass die Menschen wenig über die Haltungsbedingungen von Nutztieren wisse.

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