Montag, 6. Dezember 2021
08.01.2020 08:40
Österreich

A: Jährlich 4000 ha Boden verbaut

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Von: aiz

In den letzten drei Jahren hat Österreich durch Verbauungen jährlich rund 4000 ha Agrarflächen verloren.

Bedingt durch den Flächenverbrauch steht Österreich vor grossen Herausforderungen. „In den letzten drei Jahren haben wir hierzulande durch Verbauung jährlich rund 4000 ha Agrarflächen verloren. Das entspricht einem Verlust von 24 Mio. kg Brotgetreide. Für den Brotkonsum werden rund 85 kg Getreide pro Kopf und Jahr benötigt. Somit verbauen wir in einem Jahr das Brotgetreide für fast 300.000 Österreichern. Diese Entwicklung ist fahrlässig, weil es unsere Ernährungssouveränität massiv gefährdet. So haben wir beim Brot getreide bereits jetzt nur mehr einen Selbstversorgungsgrad von 86%, bei Kartoffeln von 80%, bei Gemüse von nicht einmal 50% und bei Soja sogar nur von 15%. Vom Beton können wir nicht abbeissen“, warnt Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung

Weinberger ergänzt: „Wir sind beim Flächenverbrauch Europameister im negativen Sinn und leider – trotz abnehmender Tendenz – noch immer um den Faktor 5 über dem Zielwert der österreichischen Nachhaltigkeitsstrategie aus dem Jahr 2002, nämlich den Flächenverbrauch auf 2,5 ha pro Tag zu begrenzen.“ (Anmerkung Red: Durchschnitt der letzten drei Jahre beträgt 11,8 ha) 

Dabei ist der Boden ein Multitalent: Er ist eine lebensnotwendige Grundlage für Menschen, Tiere und Pflanzen sowie für die Lebensmittelproduktion. Er speichert CO2 und Wasser und sichert 500000 Arbeitsplätze in der agrarischen Wertschöpfungskette. Ausserdem ist der Boden die Basis für eine einzigartige Kulturlandschaft und notwendig für den Tourismus. 

2020: Massnahmenbündel ist dringend gefragt 

Die gute Nachricht: Der Trend ist rückläufig. Trotzdem ist laut Experten ein umfassendes Massnahmenbündel erforderlich, um den Flächenverbrauch weiter einzudämmen und diese Ressource nachhaltig zu schützen. Dazu müssten unter anderem Zielwerte für die maximale Flächennutzung in den Raumplanungsgesetzen der Bundesländer verankert werden. Es braucht den gesetzlichen Schutz wertvoller Agrarflächen vor Verbauung (wie in der Schweiz), die Revitalisierung leer stehender Immobilien (laut Umweltbundesamt 40’000 ha, das entspricht umgerechnet der Fläche der Stadt Wien), ferner eine bundesweite Leerstands- und Flächenmanagement-Datenbank, die Gemeinden dabei unterstützt, Baulücken und Leerstände in Ortskernen transparent zu erfassen und bestmöglich zu nutzen.

Gemeinde in Pflicht

Notwendig sind ausserdem die Festlegung auf die Innen- vor der Aussenentwicklung, was bedeutet, dass Baulandausweisungen nur noch dann genehmigt werden, wenn die betreffende Gemeinde nachweisen kann, dass keine angemessen en Innenentwicklungspotenziale verfügbar sind. Schliesslich braucht es einen interkommunalen Finanzausgleich, verstärktes Bauen in die Höhe und in die Tiefe, den Ausbau des öffentlichen Verkehrs, da dieser weniger Flächen in Anspruch nimmt, und schlussendlich eine Kommunalsteuer als Landessteuer. 

Angesichts begrenzter Landwirtschaftsflächen sowie der wachsenden Bevölkerung ist der anhaltende Flächenverbrauch in Österreich mit all seinen negativen Folgen konsequent einzuschränken. „Als Finanzmanager eines Versicherungsunternehmens bin ich ständig mit den zunehmenden Naturkatastrophen konfrontiert. Wir haben beim Flächenverbrauch die Belastbarkeitsgrenze bereits überschritten. Wenn wir im neuen Jahr nicht weitere konkrete Massnahmen setzen, werden uns unsere Kinder fragen: Warum habt ihr unsere Heimat so verbaut und uns die Lebensgrundlage genommen?“, weist Weinberger auf dieses brennende Umweltproblem Österreichs hin.

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