23.02.2015 07:42
Quelle: schweizerbauer.ch - Rapahel Bühlmann
Aargau
A-Preis-Senkung untolerierbar
Der Aargauer Milchbauer Walter Brunner hat den «Verleider». Mit der MPM-Führung suchte er deshalb den Dialog.

Auslöser, dass der Milchproduzent Walter Brunner aus Walde AG ein Treffen mit Marco Genoni, Geschäftsführer der Genossenschaft Milchproduzenten Mittelland (MPM), einberufen hatte, war ein Schreiben der Emmi, in welchem ihm als Direktlieferant mitgeteilt worden war, dass der Milchpreis gesenkt werde.

"Kein Grund für Anpassung"

«Ich habe mich deswegen beschwert, weil ich erneut vor vollendete Tatsachen gestellt wurde», erklärt Brunner. Es dürfe nicht sein, dass man eine Milchpreissenkung im A-Segment von 2,3 Rp. aufgrund der Frankenstärke hinnehmen müsse. Das A-Segment sei geschützt und gestützt. «Es gibt kein Grund, eine Anpassung zu tolerieren.»

«2015 hat die Milchbranche ein schwieriges erstes Semester erwartet», entgegnete Genoni. Dies aufgrund der hohen Einlieferungen weltweit und der daraus resultierenden tiefen Preise. Der Hammer sei nun aber die Aufhebung des Mindestkurses, womit die erwähnte Preissenkung begründet sei. Auch Emmi habe ihre Kostenrechnung anpassen müssen. Die entstandenen Mehraufwände würden durch höhere Verkaufspreise, betriebliche Kosteneinsparungen und bei den Zulieferern kompensiert. «Auf der Seite Milcheinkauf will Emmi etwa 20 Mio. Fr. einsparen», so Genoni. Das sei zwar nicht positiv, aber viel wichtiger sei, dass der A-Preis unbedingt weiterhin bezahlt werde, damit im Inland weiterhin eine grösstmögliche Wertschöpfung generiert werden könne.

Nur noch Aktionären verpflichtet

Für Brunner ist dies unverständlich und beschämend, zumal der Luzerner Milchverarbeiter angekündigt hat, dass man mit keiner Gewinnreduktion rechnen werde. Dem Milchproduzenten zeige dies, dass Emmi mittlerweile nur noch den Aktionären verpflichtet sei. «Mir ist bewusst, dass die Mehrheit der Aktien in Bauernhand ist, aber die Entscheidungsträger bei den Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) sind wenige und die haben als Hauptinteresse hohe Dividenden und Kurssteigerungen.»

Ein weiteres Übel in der Branche ortet Brunner in der mangelhaft umgesetzten Segmentierung. In den Richtlinien der Branchenorganisation Milch (BOM) steht: Der Standardvertrag für den Erst- und den Zweitmilchkauf diene der Erhöhung der Rechts- und Vertragssicherheit der Marktakteure. Die Freiwilligkeit der Lieferung von C-Milch müsse beim Milchlieferanten gewährleistet sein.

Verbandsstrukturen untauglich

«Es kann ja nicht sein, dass wir fast die Einzigen sind, die auf ihren Milchrechnungen A-, B- und C-Preise haben.» Leider seien aber die Verbandsstrukturen der Milchproduzenten noch heute aus Zeiten der staatlichen Regulierung und absolut untauglich und nicht mehr zeitgemäss. «So werden wir uns gegenüber den Verarbeitern nie behaupten können», so Brunner.

Marco Genoni antwortet darauf, dass man bei den MPM glücklicherweise auf C-Milch verzichten könne und somit rund ein Drittel der Produzenten einen eindeutig besseren Milchpreis erzielen kann, dabei aber auf Produktionsmengen verzichten müsste. Für die Umsetzung der Segmentierung verwies Genoni an die BOM.

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