13.04.2016 12:58
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Bio Suisse
Ab 2018: Mindestanteil Grasfütterung für alle Knospe-Betriebe
Die Bio-Suisse-Delegierten haben am Mittwoch in Olten SO einen grundlegenden Entscheid getroffen. Ab dem 1. Januar 2018 müssen die Wiederkäuer einen minimalen Grasanteil (frisch, siliert oder getrocknet), gerechnet auf die Jahresration, fressen. Dieser beträgt im Talgebiet 75% und im Berggebiet 85%.

So steht es neu in den Richtlinien. Das entspricht in diesem Punkt den Kriterien des Bundesprogramms für graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion (GMF). 

Vorstand wollte Entscheid vertagen

Ein entsprechender Antrag der Bärner Bio Bure fand mit  55 Ja-Stimmen zu 39 Nein-Stimmen und 1 Enthaltung eine Mehrheit. Der Vorstand hatte eine Abstimmung nach 2014 und 2015 erneut vertagen wollen. Er hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die das Thema Fütterung der Wiederkäuer ganzheitlich angehen will, indem auch das Thema „betriebseigenes versus Zugekauftes Futter“ und der Kraftfutterverbrauch behandelt werden sollen. Urs Brändli, Präsident von Bio Suisse, kündigte an, dass diese Arbeitsgruppe weiterarbeiten wird.

„Es geht um die Glaubwürdigkeit der Knospe“

Kathrin Schneider, Präsidentin der Bärner Bio Bure, warb vor den Delegierten für den Mindestanteil Gras: „Biobetriebe beteiligen sich in sehr hohem Prozentanteil beim GMF-Programm und zwar schweizweit, Tendenz steigend. Wir sprechen heute auch über die Glaubwürdigkeit der Knospe. Denn wir wollen qualitativ gute Milch und nicht in rohen Mengen produzieren. Milch aus hohem Grasanteil in der Fütterung hat bekanntermassen eine sehr hohe Qualität, ich verweise auf die Omega-3-Fettsäuren. Wir wollen nicht überholt werden, wie das uns bei der Biodiversität seinerzeit geschehen ist. Natura Beef kommt mit dem Obligatorium für GMF. Deshalb ist es eine verpasste Gelegenheit, wenn wir heute erneut wieder nicht über GMF entscheiden.“

„Den Bio-Pionieren war klar: Eine Kuh frisst Gras!“


Andreas Bärtschi aus Lützelflüh BE pflichtete ihr bei: „Wie lange wollen wir noch um den heissen Brei herum reden? Es braucht einen Mindestanteil Gras für die Milchproduktion. In 2-3 Jahren sind vielleicht wieder noch ein paar mehr Mitglieder beigetreten, die finden, Mais ist super. Es ist richtig, dass in den 1990er-Richtlinien noch die genau gleichen Sätze zur Fütterung stehen. Damals musste eben noch kein Mindestanteil für Gras festgelegt werden. Denn den Pionieren war klar: Die Kuh frisst Gras. Leider hat sich dann die ganze Entwicklung in eine andere Richtung bewegt.“

„Mentalität, schwarze Schafe zu suchen“ 

Widerstand gegen den Antrag der Berner kam unter anderem von Felix Lang von Bio-Nordwestschweiz: „Der Antrag der Bärner Bio Bure untergräbt die Arbeit der Arbeitsgruppe. Er hat die Eigenproduktion des Futters nicht drin. Er verschlechtert das Image der Bio-Betriebe, weil viele Betriebe mehr Gras füttern. Der Unterschied Berg-Tal macht für Bio-Betriebe keinen Sinn. Machen wir die Bio-Richtlinien nicht zu einem Schweizer Bio-Witz! Warum kommen die Bärner Bio Bure nicht gleich mit 90% Gras? Das wäre es, was die Konsumenten erwarten. Wir entwickeln eine Mentalität, um schwarze Schafe auszumachen. Dagegen wehre ich mich als Mitglied der Zivilgesellschaft.“

„Mais von nebenan ist doch kein Problem!“

Auch Helmut Gstöhl von Bio Liechtenstein wehrte sich den Antrag der Bärner Bio Bure: „Wir haben ein Problem mit der Fütterung. Aber in den Richtlininen steht auch, dass Biotiere haupstächlich vom betriebseigenen Futter gefüttert werden müssen. In meiner Region haben die Betriebe, die jetzt von einem Minimum von 75% Gras betroffen wären, eigenen Ackerbau mit Futtergetreide und Futterrüben.

Das ganze Problem ist nur entstanden, weil die Bestimmung vom betriebseigenen Futter nicht konsequent gelebt wurde. Lassen wir die Arbeitsgruppe eine ganzheitliche Lösung ausarbeiten!“ Ein anderer Delegierter sagte: „Die Bergbauern verteidigen GMF, weil sie Angst haben, von Betrieben im Tal mit viel Mais. Die Konsumenten können nicht verstehen, dass ein Bauer aus dem Mais, das er neben dem Hof anbaut, nicht Milch produzieren darf.“

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