Dienstag, 1. Dezember 2020
29.07.2020 11:30
Zürich

Ackerkulturen statt Milch und Fleisch

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Die Stadt Zürich hat entschieden, ihre Landwirtschaftsbetriebe auf biologischen Landbau umzustellen. So auch den Juchhof. Das wirkt sich auf die Produktion des Betriebes aus.

3773 Hektaren umfassen die Grünflächen der Stadt Zürich. Dazu gehören Strassen- und Alleebäume, der Stadtwald, Parkanlagen und Villengärten, Sport- und Spielplätze, Biotope und Bachufer, Friedhöfe und Familiengärten. 

800 ha Landwirtschaftsland

Rund 800 Hektaren werden landwirtschaftlich genutzt, was fast einem Zehntel der gesamten Stadtfläche entspricht. Rund zwei Drittel sind im Eigentum der Stadt, berichtete der Landwirtschaftliche Informationsdienst im Oktober 2017. 

Der Juchhof ist in zwei Hauptgeschäftsfeldern tätig: Zum einen soll der Betrieb einen Beitrag zur nachhaltigen Produktion von Lebensmitteln auf Stadtboden leisten. Zum andern Teil ist das agrartechnische Knowhow wichtig für die Bereitstellung der Gründienstleistungen auf öffentlichen Arealen der Stadt.

Keine Milchkühe und Schweine

Im Jahr 2016 wurde die Umstellung auf biologischen Landbau beschlossen. 2018 begann die Umstellung des städtischen Betriebes. «Innerhalb von zwei Jahren haben die Landwirtinnen und Landwirte vor Ort die Bewirtschaftung umgestellt. Der Juchhof kann jetzt die Produkte mit dem Knospe-Label von Bio-Suisse auszeichnen», schreibt die Stadt Zürich am Dienstag in einer Mitteilung. Von den städtischen Landwirtschaftsflächen werden derzeit 80 Prozent (mehr als 400 ha) nach Knospe-Richtlinien bewirtschaftet. Die Tendenz sei steigend, so die Stadt.

Die Umstellung auf Biolandbau hat sich auch deutlich auf die Produktion ausgewirkt. Zuvor fokussierte sich der Juchhof auf Milchproduktion und die Mast. So lebten 70 Kühe und 400 Schweine auf dem Betrieb. «Gemäss Bio-Richtlinien müssen die Tiere im Sommer Zugang zur Weide haben, was an diesem Standort zwischen Gleisen, Strassen, Familiengärten und Sportplätzen nicht möglich ist», heisst es in der Mitteilung.

Getreide, Soja, Zuckerrüben

Deshalb setzte der Juchhof nun mehrheitlich auf Ackerbau. Auf knapp 140 Hektaren werden unter anderem Urdinkel, Waldstaudenroggen, alte Weizensorten, Kürbisse, Senf, Mais, Sojabohnen, Zuckerrüben und Lupinen angebaut. «Die Umstellung hat dem Juchhof neue Chancen auf dem Markt eröffnet, denn lokale pflanzliche Bioprodukte sind beliebt», hält die Stadt Zürich fest.

Das Heu und Emd von Wiesen der städtischen Parkanlagen, Friedhöfe und Uferböschungen wird auf dem Juchhof nachgetrocknet und als Biofutter für Pferde und Rinder verkauft. Ganz ohne Tiere geht es aber nicht. Die Bauernhöfe auf dem Gebiet der Stadt Zürich sollen den Jugendlichen Wissen über die Landwirtschaft vermitteln und haben damit auch einen Bildungsauftrag. Über 200 Schulklassen besuchen die Bauernhofschulen jährlich. 

Bildungsauftrag

«Wir haben eine ganz wichtige pädagogische Aufgabe. Viele Kinder und Jugendliche haben kaum mehr eine Ahnung, woher die Lebensmittel kommen. Hier setzen wir an: Wir machen Landwirtschaft zugänglich für die städtische Bevölkerung. Konkretisiert wird dieser Bildungsauftrag im Angebot der Zürcher Natur- und Bauernhofschulen. Deshalb werden auf dem Juchhof noch einige Kühe, Rinder, Schweine, Hühner, Ponys und Kaninchen gehalten. 

Noch kein Bio-Wein aus dem Rebberg

Einen längeren Zeithorizont hat die Umstellung des stadteigenen Rebbergs. «Die Umstellung eines ganzen Rebbergs auf Bio braucht Zeit, denn Reben haben eine Nutzungsdauer von etwa 30 Jahren», schreibt die Stadt in der Mitteilung. 

Geplant ist, dass am Chillesteig in Höngg in rund zehn Jahren Trauben biologisch produziert werden können. Als Vorbereitung werden alte, krankheitsanfällige Reben durch pilzwiderstandsfähige neue Sorten ersetzt. Herbizide und Insektizide kommen gemäss Mitteilung schon heute nicht mehr zum Einsatz.

Die Landwirtschafts- und Verarbeitungsbetriebe in der Stadt Zürich bieten eine breite Palette von Lebensmitteln und vermarkten diese möglichst direkt an die Konsumentinnen und Konsumenten. Die Herkunftsbezeichnung «Stadtpur» zeichnet diesen lokalen Bezug aus. Beteiligt sind Landwirtschaftsbetriebe, die in der Stadt Zürich Nahrungsmittel produzieren und direkt vermarkten, sowie Verarbeitungsbetriebe, die Rohprodukte von Stadtzürcher Landwirtschaftsbetrieben oder aus dem Stadtwald in der Stadt Zürich veredeln. An Märkten, in den verschiedenen Hofläden oder über den Handel bieten die Betriebe z.B. Büffel-Camembert, Weine, Stadtjäger, Wermut, Tockenfrüchte, Süssmost, Kartoffeln, Rapsöl, Schüblig und verschiedene Schnäpse an. pd

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