7.02.2020 06:06
Quelle: schweizerbauer.ch - Melina Gerhard, lid
Kommunikation
Agrarscouts schaffen Verständnis
Die Kluft zwischen Landwirtschaft und Konsumierenden ist gross, ein Dialog zwischen beiden Seiten nötiger denn je. Landwirte und Agrarstudenten geben in Deutschland seit ein paar Jahren als sogenannte Agrarscouts Einblick in ihren Alltag und erreichen damitein grösseres Verständnis in der Bevölkerung. Das Projekt läuft nun auch in der Schweiz.

An der Internationalen Grünen Woche in Berlin (IGWB) werden jedes Jahr etwa fünfzig Landwirte oder Agrarstudenten zu Agrarscouts ausgebildet und absolvieren ihren ersten Einsatz. Bereits letztes Jahr waren zwei LID-Mitarbeiterinnen dabei. Mittlerweile hat das Projekt auch in der Schweiz Form angenommen.

An der BEA in Bern Ende April kommen die ersten Schweizer Agrarscouts zum Einsatz. Die Projektverantwortlichen Jürg Rindlisbacher und Christine Nussbaumer und die zukünftige Agrarscout-Trainerin Manuela Vogel reisten an die IGWB, um selber an der Schulung teilzunehmen, einen Einsatztag zu leisten und Eindrücke vom Projekt in Deutschland zu sammeln.

Tag 1: Kommunikation geht jeden etwas an

Am ersten Tag wurden sie in der Dialogführung geschult. Für Peter Berndgen, Agronom und Inhaber der PR-Agentur agro-kontakt, ist klar, dass die Landwirtschaft heute vor allem in einer Kommunikationskrise stecke. Wichtig - und wesentlicher als Demos mit Traktoren - sei, dass jeder Betrieb auf aktive Kommunikation eingestellt ist. Jedes Unternehmen brauche ein PR- und Marketingkonzept und klare Kommunikationsziele.

Dafür erarbeitete er mit den 12 Teilnehmenden einen "Werkzeugkasten": "Ich gebe euch ein paar Werkzeuge mit auf den Weg. Daraus könnt ihr diejenigen auswählen, die für euch am nützlichsten sind", sagte Berndgen. Jürg Rindlisbacher war beeindruckt davon, wie der PR-Fachmann den Agrarscouts in kurzer Zeit wesentliche und griffige Tipps mit auf den Weg gab. "Bildlich gesprochen hat er mir ein Sackmesser gegeben. Also ein sehr nützliches Minimum an Werkzeugen, ausgewählt aus den unzähligen Grundlagen, die es zur Kommunikation gibt", sagte Rindlisbacher.

Zusammen stark

Berndgen betonte gegenüber dem Dutzend Anwesenden mehrmals, dass man nur vom eigenen Betrieb und den eigenen Erfahrungen berichten soll. So bleibe man glaubwürdig, unabhängig von der politischen Lage. Der Kursleiter legte grossen Wert auf die Teambildung unter den Teilnehmenden. Eigeninitiative der Scouts und ihre Motivation sollen zum Gruppenerlebnis beitragen.

Vogel sowie Rindlisbacher schätzten diesen Aspekt, der für Stärke und Rückhalt mit den anderen Teilnehmern sorge. Für die Trainings in der Schweiz orientiert sich Manuela Vogel am Training der deutschen Agrarscouts, wird es aber selber ausgestalten und einen stärkeren Akzent auf die Wahrnehmung und den Typ des Empfängers setzen. Der Marketingfachmann Matthias Zurflüh wird sich in das Projekt einarbeiten und neben Manuela Vogel als Trainer fungieren.

Tag 2: Einsatz im Erlebnisbauernhof

Am zweiten Tag hatten die neuen Agrarscouts dann ihren Einsatz an der Messe. Sie wurden zuerst durch ihren Einsatzort, den Erlebnisbauernhof, geführt. Die Agrarscout-Organisatoren hatten einen Ackerbau-Container und ein Schweinestall-Modell aufgebaut.

Im Ackerbau-Container gaben die Agrarscouts Auskunft über die verschiedenen Getreidesorten und zeigten den Kreislauf von der Saat bis zur Ernte. Das Schweinestall-Modell zeigte den Besuchern die reale Stallgrösse und animierte diese mit einem Schweinequiz zum Gespräch. Gemäss dem Agrarscout-Konzept galt es, das Gespräch rasch von der Pauschalebene auf die persönlichen Erlebnisse im eigenen Betrieb zu führen.

Agrarscouts sind für alle da

Manuela Vogel hatte einen Einsatz als Begleiterin einer Blinden-Gruppe. Mit zwei anderen Betreuerinnen führte sie die kleine Gruppe durch den Erlebnisbauernhof und erklärte ihnen an verschiedenen Posten beispielsweise, wie die Zutaten für ihr Lieblingsessen auf den heimischen Äckern wachsen.

Vogel hatte keine Berührungsängste mit den Sehbehinderten: "Ich versuche einfach, ihnen den Sachverhalt haptisch näherzubringen und lade sie auf gedankliche Reisen ein." Dabei erlebte die junge Beraterin für Direktvermarktung das Publikum als neugierig: "Von einfachen Informationen wie mein Name bis hin zu komplexen Themen wie Zucht, Mästung, Krankheiten wollten die Leute alles wissen", sagte sie. Herausfordernd war für sie die Umformulierung von Fachausdrücken, sodass ihre Zuhörer sie verstehen konnten.

Agrarscouts in der Schweiz

Am 25. und 27. April 2020 bildet der LID an der Berner Frühlingsmesse BEA die ersten Schweizer Agrarscouts aus. Jeweils am Folgetag haben diese dann ihren ersten Einsatz an der Messe. Die Ausschreibung für die Ausbildung erfolgt im Februar. Interessierte melden sich direkt beim LID, info@lid.ch / 031 359 59 77 und erhalten dann das Anmeldeformular zugeschickt.

Folgen Sie den Schweizer Agrarscouts auf Instagram und erfahren Sie mehr zum Projekt auf der Website.

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