24.02.2015 11:48
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Futtermittel
Agroscope: Importierte Futtermittel belasten Energiebilanz der Landwirtschaft
Die Schweizer Landwirtschaft produziert energieintensiv: Der direkte Energieverbrauch ist rund 2,5 mal höher als in der EU. Stark zugenommen hat in den letzten 15 Jahren die graue Energie, die in importierten Futtermitteln steckt. Knapp 14 Prozent des gesamten Energieverbrauchs fallen hier an.

Der Gesamtverbrauch ist konstant: Pro Hektare und Jahr verbraucht die landwirtschaftliche Produktion rund fünfzig Gigajoule, wie die Forschungsanstalt Agroscope am Dienstag mitteilte. Jährlich werden pro Hektare landwirtschaftliche Nutzfläche 1400 Liter Heizöläquivalent für die Produktion landwirtschaftlicher Primärgüter verwendet.

Maschinen und Gebäude

Die Berechnungen machten deutlich, dass die Schweizer Landwirtschaft in hohem Masse von fossilen Energieträgern abhängig sei, hält die Forschungsanstalt des Bundes fest. "Diese produziert mit ihrer kleinflächigen Struktur und dem hohen Mechanisierungsgrad der Betriebe sehr energieintensiv (direkter Energieverbrauch pro Hektare genutzte Landwirtschaftsfläche rund 2.5 mal höher als in der EU-27). Auch der hohe Anteil an Gewächshäusern und die Ausweitung der Tierhaltung tragen dazu bei", heisst es im Communiqué.

Wichtigste direkte Energiequellen sind Diesel als Treibstoff sowie Heizöl und Gas für die Beheizung von Ställen und Gewächshäusern. Dagegen spielt Elektrizität gesamthaft gesehen eine untergeordnete Rolle. Rund siebzig Prozent der benötigten Energie steckt in Form von grauer Energie in Gebäuden, Landmaschinen, importierten Futtermitteln und anderen Produktionsmitteln Die erneuerbaren Energieträger machen erst einen verschwindend kleinen Bestandteil aus.

Der direkte Energieverbrauch blieb stabil

Der direkte Verbrauch an Treibstoffen, Brennstoffen, Elektrizität und erneuerbare Energie blieb seit 1990 insgesamt stabil. Er macht rund dreissig Prozent des gesamten Energieverbrauchs aus. Der Dieselverbrauch der landwirtschaftlichen Fahrzeuge verursacht dabei den grössten Anteil. Er belief sich 2012 auf 5,5 Gigajoule pro Hektare, was einem Verbrauch der Schweizer Landwirtschaft von gut 150 Millionen Litern Dieselkraftstoff entspricht.

Der Brennstoffverbrauch landwirtschaftlicher Gewächshäuser für den Gemüseanbau nimmt mit 25 Prozent im Jahr 1990 und 23 Prozent 2012 einen unverändert hohen Anteil am direkten Energieverbrauch ein. Das Beheizen von Tierställen machte aufgrund kleinerer Tierzahlen in der Schweineproduktion noch ein Viertel aus, halten die Forscher fest. Elektrizität und erneuerbare Energien erreichen einen Anteil von 28 Prozent am direkten Energieverbrauch der Landwirtschaft. Der Anteil der erneuerbaren Energien liegt bei sechs Prozent. Das ist eine Verdoppelung seit 1990.

Löwenanteil graue Energie

Der Löwenanteil ist somit graue Energie (/0 Prozent). Ein Grossteil davon entfällt auf landwirtschaftliche Maschinen und Gebäude. Ein Grossteil davon entfällt auf landwirtschaftliche Maschinen und Gebäude. Für die Herstellung landwirtschaftlicher Maschinen, Geräte und Motoren wurden 2012 pro Hektare 9,4 Gigajoule aufgewendet. In jedem Kilo Landmaschine stecken damit rund drei Liter Heizöläquivalent, hält Agroscope fest.

Auch die Herstellung von Futtermitteln für den Import ist mit Energieaufwendungen verbunden. Diese haben sich durch die Ausweitung der Tierhaltung seit Ende der 90er Jahre mehr als verdoppelt und machten 2012 zwanzig Prozent des indirekten Energieverbrauches (14% des gesamten Energieverbrauchs) aus.  Die Herstellung von Pflanzenschutzmitteln und importiertem Getreidesaatgut führte zu keinem nennenswerten Anteil am indirekten Energieverbrauch.

Auch in importierten Futtermitteln steckt aber viel graue Energie: Die Energieaufwendungen für importierte Futtermittel haben sich seit Ende der 1990er Jahre mehr als verdoppelt. Im Jahr 2012 machten sie 20 Prozent des indirekten Energieverbrauches aus. Laut Agroscope ist der Grund dafür die Ausweitung der Tierhaltung. Umgekehrt sanken die Zahlen für Mineraldünger auf Grund einer stärker bedarfsorientierten Anwendung zwischen 1990 und 2012 von 17 auf 9 Prozent.

Energiesparende Verfahren gesucht

Auch wenn sich die graue Energie aufgrund der unsicheren Datenlage nur annähernd ermitteln lasse, biete ihr hoher Anteil am Gesamtenergieverbrauch ein grosses Reduktionspotenzial, schreibt Agroscope. Zur Reduktion beitragen könnten aber auch Massnahmen in Gewächshäusern und Stallgebäuden.

Agroscope nennt weiter verbesserte Maschinenparameter und Fahrstrategien, um den Treibstoffverbrauch zu senken. Das Potenzial wird auf 150 Millionen Liter veranschlagt. Einsparmöglichkeiten ortet die Forschungsanstalt beim indirekten Energieeinsatz für Herstellung von Produktionsmittel und der Infrastruktur.

Mittels einem Agrarumweltmonitoring will das Bundesamt für Landwirtschaft den Einfluss der Landwirtschaft auf die Umwelt und deren Entwicklung erfassen. Agroscope ist für die Berechnung der Agrarumweltindikatoren und die methodische Weiterentwicklung verantwortlich. Der Agrarumweltindikator «Energieverbrauch Landwirtschaft» ist einer dieser Indikatoren. Er wird jährlich erhoben und erfasst rückblickend den Gesamtenergieverbrauch, der für die Produktion landwirtschaftlicher Primärgüter eingesetzt wurde.

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