9.08.2019 15:35
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Zug
Armee verärgert Landwirt
Die Schweizer Armee will eine neues Luftverteidigungssystem anschaffen. Sie führt die Tests auf einem Übungsplatz bei Menzingen ZG durch. Die mangelnde Kommunikation und die Strahlung verärgern den Landwirt. Die Armee sagt, eine Gefährdung sei ausgeschlossen.

Das Militär ist seit Jahren auf dem Gubel in Menzingen aktiv. Dort befindet sich ein Truppenübungsplatz.

Neues Luftverteidigungssystem


Benedikt Schmid ist seit 22 Jahren Pächter eines Landwirtschaftsbetriebes. Bisher hatte er mit der Schweizer Armee keine Probleme. «Wenn das Militär Übungen macht, haben die natürlich Vorrang», sagt der Landwirt zur «Luzerner Zeitung».

In den kommenden Wochen will die Armee auf dem Gelände während rund 20 Tagen Tests durchführen. Denn sie will  ein neues, bodengeschütztes Luftverteidigungssystem mit grösserer Reichweite anschaffen, zwei Kandidaten werden deshalb getestet. Schwere Fahrzeuge werden dazu auf das Gelände gefahren.

Bauer hält Tiere von Tests fern

Zwar wird nicht geschossen, aber der Luftraum wird nach Flugzeugen der Luftwaffe abgesucht. Der Radar sendet dafür einen schmalen, starken Strahl ähnlich eines Autoscheinwerfers aus. Landwirt Schmid fühlt sich vor vollendete Tatsachen gestellt: «Wir wurden erst vor rund sechs Wochen über die Tests informiert.»

Und das ist nicht alles. Die Tests haben auch Auswirkungen auf die Umwelt. Ein Militär hat gemäss Schmid gesagt, dass Kleinlebewesen, die sich im Sperrgebiet nicht zurückziehen können, die Tests nicht überleben. Die Armee habe die Aussage später relativiert. «Ich lasse aber mit Bestimmtheit während der Tests meine Tiere nicht in die Nähe», sagt er zu «Luzerner Zeitung». Zudem werde seine Ökowiese durch die schweren Fahrzeuge zerstört.

Strahlenmessung durch Kanton

Der Gemeinderat von Menzingen setzte für Anpassungen ein. Die Tests finden nun innerhalb des Armeegeländes statt. Das Amt für Umwelt des Kantons Zug wird die Strahlenmessungen von Armasuisse zu den Tests als unabhängige Instanz überwachen. Wohnhäuser werden mittels technischer Einstellungen abgeschirmt. Rund um die Übungen soll das lokale Gewerbe Aufträge erhalten. Bauer Schmid kann den Tests nichts abgewinnen: «So ein Versuch gehört einfach nichts ins Naherholungsgebiet.»

Nach den Kampfjets nun die Flugabwehr: Ab übernächster Woche testet die Schweizer Armee in Menzingen ZG zwei neue Systeme zur bodengestützten Luftverteidigung (Bodluv). Beim Bundesamt für Rüstung (armasuisse) sind zwei Offerten eingegangen. Angebote liegen vor für das Raketensystem Patriot des US-Herstellers Raytheon und die mit Aster-Raketen bestückte SAMP/T-Plattform von Eurosam aus Frankreich. Schiessversuche werden nicht durchgeführt. Ziel der Missionen ist es, die Fähigkeiten der Sensoren der Radarsysteme sowie die Angaben aus den eingereichten Offerten zu überprüfen. An Feiertagen und am Wochenende werden keine Erprobungen durchgeführt.

Nach der Erprobung will armasuisse im Winter den beiden Herstellerfirmen eine zweite Offertanfrage zustellen. Im abschliessenden Bericht sollen die Experten bis in rund einem Jahr die beste Kombination aus Kampfjet und Fliegerabwehrsystem aufzeigen und dem Bundesrat zur Empfehlung vorlegen. Den Typenentscheid fällt der Bundesrat voraussichtlich Ende 2020/Anfang 2021. Ausgeliefert werden sollen die neuen Waffensysteme ab 2025. sda

Umwelt nicht gefährdet

Die Armee sagt gegenüber der «Luzerner Zeitung», dass der Armeeübungsplatz Gubel die Anforderungen zur Erreichung der Erprobungsziele sowie die logistischen Anforderungen erfülle. Die Bevölkerung werde durch die Erprobung nur marginal eingeschränkt. Die grösste Belastung sei der Zufahrtsverkehr.

Die Aussage, wonach die Strahlung für die Umwelt eine Gefahr darstelle, weist die Armee zurück. «Vom Leiter des Kompetenzzentrums für nichtionisierende Strahlung wurde beim zweiten Gespräch mit den Bauern klar dargelegt, dass die Aussage des Teilprojektleiters falsch war», sagt Armasuisse-Sprecher Kaj-Gunnar Sievert. Wissenschaftliche Untersuchungen hätten keine Hinweise auf eine Gefährdung von Tieren und Pflanzen durch hochfrequente elektromagnetische sowie niederfrequente und statische elektrische und magnetische Felder unterhalb der Grenzwerte ergeben.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE