4.12.2017 08:43
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Milchmarkt
Auch Elsa will BTS oder Raus
Die Molkerei Elsa treibt ihr Projekt «nachhaltige Milch» voran. Die Migros-Tochter will, dass Bauern mit Milchkühen in Anbindeställen am Tierwohlprogramm Raus mitmachen müssen.

Im Oktober 2016 deckte der «Schweizer Bauer» auf, dass die Molkerei Emmi bis 2020 von allen ihren Milchlieferanten die Teilnahme an einem der beiden Tierwohlprogramme BTS oder Raus verlangt. Das heisst, dass alle Bauern mit Anbindestall entweder einen Laufstall bauen oder beim Raus-Programm teilnehmen müssen, d.h., dass sie ihren Milchkühen regelmässigen Auslauf gewähren müssen. Nun hat der «Schweizer Bauer» erfahren, dass Migros-Tochter Elsa dasselbe Ziel hat. Lukas Barth, Leiter Milcheinkauf bei der Elsa, bestätigt dies auf Anfrage.

«Tierwohl ist wichtig»

Barth erklärt: «Wissenschaftliche Evaluationen zeigen, dass diese beiden Tierwohlprogramme positive Wirkungen auf die Tiergesundheit und auf den Arbeitsverdienst der Produzenten haben.» Dies sei neben den Direktzahlungen ein wichtiger betriebswirtschaftlicher Faktor. Weiter sagt Barth: «Ein hohes Tierwohl ist auch den Konsumentinnen und Konsumenten besonders wichtig.» Deshalb sehe das Elsa-Konzept vor, dass Milchkühe entweder im Raus- oder BTS-Programm dabei sein müssten.

«Für die Umsetzung haben die Betriebe Zeit – wo dies aus betrieblichen Gründen nicht umsetzbar ist, suchen wir mit den Betrieben eine Lösung», betont Barth.  Ob, wie bei Emmi angekündigt, nicht nur die Direktlieferanten, sondern auch die Pool-Lieferanten (z.B. die Milchbauern der Milchhandelsorganisation Mooh) die Kriterien des Projekts «Nachhaltige Milch» erfüllen müssen, ist laut Barth noch nicht abschliessend definiert.

1 Rp./kg Mehrpreis?

Laut Informationen des Bäuerlichen Zentrums Schweiz (BZS) hat die Elsa  ihren Direktlieferanten für die «nachhaltige Milch» einen Mehrpreis von 1 Rp./kg in Aussicht gestellt. Das will Barth nicht bestätigen. Er sagt: «Ein nachhaltiges Produktionssystem soll für sich allein stehend aus ökonomischer Sicht Sinn machen. Das Engagement unserer Produzenten wollen wir aber darüber hinausgehend mit einem Nachhaltigkeitszuschlag honorieren.» Im Hinblick auf die definitive Umsetzung werde die Elsa ihren Bauern die Höhe des Zuschlags frühzeitig bekannt geben.

Aus Massnahmen wählen

Das Projekt der Elsa sieht Grundanforderungen vor, die einer minimalen guten landwirtschaftlichen Praxis entsprächen. Darüber hinaus gebe es verschiedene Module, die den individuellen betrieblichen Voraussetzungen sowie den Eignungen und Neigungen der Milchproduzenten Rechnung trügen, teilt Barth mit. Freiwillige Massnahmen gebe es in den Bereichen Tiergesundheit, standortgerechte Fütterung oder Umwelt (Klima und Biodiversität).

Für Milch von behornten Kühen gebe es keine Punkte, erklärt er auf eine entsprechende Frage. Im Frühling 2017 hat die Elsa die Datenerfassung zum Produktionssystem «Nachhaltige Milch» mit rund 40 Betrieben getestet. Dies wird nun auf alle Elsa-Direktlieferanten (das sind einige hundert Milchbauern) ausgeweitet. Die Produktionsrichtlinien werden den Direktlieferanten laut Barth Anfang 2018 zugestellt. 

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