29.05.2013 08:45
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Genfersee
Auch Genfersee durch unzählige Platisikteilchen verschmutzt
Plastik verschmutzt nicht nur die Weltmeere: Forscher der ETH Lausanne (EPFL) haben im Genfersee überraschend hohe Konzentrationen von Mikroplastikteilchen festgestellt. Die Kunststoffe fanden sich an Stränden, im Wasser und im Vogelkot.

Die grossen Mengen an Plastikabfall im Genfersee seien «alarmierend», schreiben die Forscher um Florian Faure von der EPFL im Fachjournal «Archives des Sciences». «Wir waren überrascht von den hohen Konzentrationen von Mikroplastikteilchen», sagte Faure in einer Mitteilung der Hochschule vom Dienstag. 

Enthält auch Giftstoffe

Wenn Seevögel und Fische die winzigen Plastikteilchen aus Versehen schlucken, können sie den Verdauungstrakt oder die Atemwege blockieren. Kunststoff kann auch giftige Substanzen wie die krebserregenden Substanzen Bisphenol A (BPA) und Phthalate enthalten. 

Das Team vom Zentralen Umweltlabor hat als erstes das Ausmass der Plastikverschmutzung in einem Süsswassersee untersucht, wenn auch nur in einer nicht-systematischen Vorstudie. Dazu durchkämmten Faure und Kollegen das Genfersee-Ufer nach Plastikabfällen und untersuchten Vogelkot. Sie sezierten auch Fische und einen Vogel. 

Mit Schleppnetz auf Plastikfang 

Feststoffe in der obersten Wasserschicht fingen die Ökologen mit einem engmaschigen, schwimmenden Schleppnetz ein, das hinter einem Boot über den Genfersee gezogen wurde. Dazu arbeiteten sie mit der Genfer Naturschutzorganisation Oceaneye zusammen. 

«Wir fanden in allen Uferproben Plastik», sagte Faure in der Mitteilung. Am häufigsten waren Styropor-Kügelchen. Es fanden sich aber auch viele harte Kunststoffe, Plastikmembrane und Teile von Angelschnüren. In den Tieren fanden sie kein Plastik. 

Ähnlich wie im Mittelmeer 

Das Schleppnetz förderte aus dem See ähnliche Mengen von winzigen, bereits zerkleinerten Plastikteilen zu Tage wie bei früheren Erhebungen im Mittelmeer. 

In den Ozeanen haben sich in Strömungswirbeln mindestens zwei treibende Plastikinseln gebildet, die bereits die mehrfache Grösse von Frankreich erreicht haben. Wissenschaftler gehen davon aus, dass ein Fünftel des Mülls direkt ins Meer geworfen wurde und vier Fünftel vom Land stammen, etwa aus Strassenabfällen oder Müllhalden. 

Studie in ganzer Schweiz fortgesetzt 

Die Untersuchung war nur eine erste Übersichtsstudie, aus der Schlüsse mit Vorsicht gezogen werden sollten, schreiben die Autoren. Die Arbeit wird nun im Auftrag des Bundesamts für Umwelt weitergeführt. Dabei solle die Mikroplastikbelastung in Seen, Flüssen und Lebensräumen des ganzen Landes sowie die damit verbundenen Mikroschadstoffe wie PCB erfasst werden, erklärte Laborleiter Luiz Felippe de Alencastro.

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