12.11.2014 15:07
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher/blu
Getreidemarkt
Ausnahmeernte fordert Branche
Der SGPV gab sich an seiner Delegiertenversammlung kämpferisch und verabschiedete eine Resolution ans BLW. Viel zu diskutieren geben auch die Vermarktung der Rapsernte 2015 und der Proteingehalt beim Brotweizen.

In der Getreide- und Ölsaatenbranche gibt es momentan viel zu diskutieren. Da ist zum einen die Proteinbezahlung auf Stufe Sammelstelle, die ab der Ernte 2015 eingeführt wird. Weiter sorgen die AP 14–17 und die Beschlüsse des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) für Gesprächsstoff und veranlassten die Getreideproduzenten an ihrer Delegiertenversammlung zur Verabschiedung einer Resolution ans BLW. Aktuell geht es aber vor allem auch darum, die aussergewöhnliche Situation der Ernte 2015 zu bewältigen.

Zu viel Raps

«Die diesjährige Ernte fiel mit 16 Prozent mehr Brotgetreide als 2013 erfreulich aus», fasste Fritz Glauser, Präsident des Schweizerischen Getreideproduzentenverbandes (SGPV), an der DV von Dienstag in Kerzers FR zusammen. «Leider waren 22 Prozent der Gesamtmenge ausgewachsen.» Diese fast 108'000 Tonnen Auswuchsweizen würden das Einkommen der Produzenten schmälern.

Ganz andere Sorgen hat die Branche beim Raps. Dort übertraf die Erntemenge die Erwartungen bei Weitem, und es geht nun darum, 7'000 bis 8'000 Tonnen Übermengen zu vermarkten. Ein Antrag an das BLW zur Unterstützung der Marktentlastung wurde ohne Gespräche mit der Branche abgelehnt.

«Das Verhalten des BLW in dieser und anderen Angelegenheiten ist enttäuschend», kritisierte Pierre-Yves Perrin, SGPV-Geschäftsführer.  Die Getreideproduzenten wünschen sich in Zukunft eine konstruktivere Zusammenarbeit mit dem BLW. Sie fordern es daher in einer Resolution auf, den SGPV in seine Überlegungen und Entscheidungen miteinzubeziehen.

Resolution: Für konstruktive Gespräche zwischen den Produzenten und der Bundesverwaltung

Die Delegierten des SGPV haben ihren Unmut in Bezug auf die folgenden Punkte geäussert:

  • Ablehnung einer finanziellen Unterstützung für die Marktentlastung aufgrund der ausserordentlichen Rapsernte 2014. Die Antwort des BLW geht nicht auf die von den Produzenten vorgebrachten Begründungen ein. Der Entscheid wurde ohne jegliche Rücksprache mit dem SGPV gefällt.
  • Senkung des Ausserkontingentszollansatzes (AKZA) für Brotgetreide von Fr. 76.-/dt auf Fr. 40.-/dt ohne das Gespräch mit der Branche gesucht zu haben. Der SGPV hat diese Senkung des AKZA entschieden abgelehnt und wurde dabei von den Mitgliedern der Branchenorganisation unterstützt. Eine gemeinsame Lösungsfindung Die Branchenorganisation hat das BLW  ignoriert.
  • Systematische Verweigerung der Einführung einer Futtergetreideprämie, obwohl die Flächen abnehmen sowie die Absicht das Budget für die Einzelkulturbeiträge für den Pflanzenbau zu reduzieren.

    Die Delegierten des SGPV haben auf die obigen Punkten basierend die folgende Resolution verabschiedet:

  • Die Delegierten des SGPV fordern, dass die Bundesverwaltung bei Themen, welche die Getreide-, Ölsaaten- und Körnerleguminosenproduktion direkt oder indirekt betreffen, den Schweizerischen Getreideproduzentenverband rechtzeitig vor der Vernehmlassung zu Rate zieht.
  • die Folgen der Vorschläge für alle Branchenmitglieder umfassend untersucht.
  • die Meinung des SGPV und der swiss granum berücksichtigt, bevor ein Entscheid gefällt wird,
  • eine konstruktive Haltung einnimmt, welche auf objektiven Gesprächen basiert und die Aufrechterhaltung der landwirtschaftlichen Produktion und der ganzen Branche zum Ziel hat.

Protein beeinflussen

In Anschluss an die Versammlung hielten Dario Fossati von Agroscope und Andreas Keiser von der Hochschule Hafl ein Referat zum Proteingehalt beim Brotweizen.

Versuche haben gezeigt, dass der wichtigste Faktor im Zusammenhang mit dem Proteingehalt die Sorte ist. Fast ebenso wichtig ist jedoch, dass bei der Sortenwahl die Standortvoraussetzungen miteinbezogen werden. «Die Proteingehalte können sogar von Parzelle zu Parzelle desselben Betriebes deutlich schwanken», weiss Keiser. Negativ auf den Proteingehalt würden sich auch ein hoher  Getreideanteil in der Fruchtfolge, tiefe Humusgehalte und hohe Kornerträge auswirken.

Gibt kein Patentrezept

Mit der Stickstoff(N-)Düngung können zwar die Proteingehalte tendenziell gesteigert werden, es stellt sich aber die Frage nach der Wirtschaftlichkeit. Aber «eine Aufteilung der Düngung in drei Gaben verbessert die Backqualität praktisch immer», so Fossati. Eine späte N-Düngung nütze jedoch nur etwas, wenn der Boden genügend feucht sei und die Nährstoffe noch aufgenommen würden. Auch beeinflussen späte N-Gaben zum Zeitpunkt der Blüte die Fallzahlen negativ.

Es gibt also kein Patentrezept für hohe Proteingehalte. Jeder Produzent muss selber herausfinden, welche Massnahmen sich auf seinem Betrieb lohnen.

Vier «Neue» im Vorstand

Die Delegierten genehmigten alle statutarischen Geschäfte einstimmig. Der Produzentenbeitrag für den Marktentlastungsfonds wird von bisher 75 Rp./100 kg auf 65 Rp./100 kg gesenkt. Neu in den Vorstand gewählt wurden Martin Schellenberg, Höri ZH, Dominic Engeler, Hörhausen TG, Beat Wüest, Grosswangen LU, und Sem Genini, Geschäftsführer des Tessiner Bauernverbandes.

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