23.01.2019 12:55
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Umfrage
Ausserfamiliäre Hofnachfolge?
In der Schweiz finden jedes Jahr mehrere hundert Generationenwechsel statt. Nicht jeder Betriebsleiter findet einen Nachfolger in der Familie. Da bietet sich eine ausserfamiliäre Hofübergabe an. Ist eine solche Übergabe für Ihren Hof eine Option? Oder schliessen Sie das aus? Mitdiskutieren und abstimmen

Jeden Tag schliessen in der Schweiz rund 3 Betriebe ihre Tore für immer. Derzeit gibt es in der Schweiz noch rund 50'000 Bauernbetriebe. Die Übergabe eines Hofes ist eine emotionale Sache. Findet sie zudem noch ausserhalb der Familie statt, kann es noch komplizierter werden. Bis eine ausserfamiliäre Hofübergabe abgeschlossen, dauert es oft einige Jahre.

Gemäss dem Bundesamt für Statistik (BFS) ist jeder zweite Betriebsleitende 50-jährig oder älter. Bei 35% dieser Altersgruppe ist die interne Hofübernahme nicht wahrscheinlich und bei 21% gar ungewiss. Bei 44% wird die Möglichkeit einer familieninternen Übernahme als positiv eingestuft. Diese Anteile sind von 2010 bis 2016 konstant geblieben.

Die Nachfrage nach Höfen übersteigt aber das Angebot. Hofsuchende sind ausgebildete Landwirtinnen und Landwirte, die keinen Betrieb von ihren Eltern übernehmen können. Sei dies, weil die Eltern nicht Bauern waren oder weil ein Geschwister den Betrieb übernommen hat. Hofübergaben sind durch das Bäuerliche Bodenrecht (BGBB) und das Landwirtschaftliche Pachtrecht (LPG) enge Grenzen gesetzt. Freie Verkäufe von landwirtschaftlichen Grundstücken oder ganzen Gewerbeliegenschaften sind bewilligungspflichtig.

Eine ausserfamiliäre Übergabe hat zusätzliche Schwierigkeiten. Der Hauptgrund liegt in der Finanzierung. Wechselt ein Betrieb innerhalb der Familie, geschieht das zum Ertragswert. «Ausserhalb der Familie, im freien Markt, kann man ihn zum Verkehrswert verkaufen, und das ist ein mehrfaches des Ertragswertes und damit eine Hürde», sagte Regina Fuhrer, Präsidentin der Kleinbauern-Vereinigung, 2016 gegenüber SRF. Für junge Bauern ist das oft eine zu grosse Schwelle. Weil ältere Bauernehepaare oft keine Pensionskasse hätten, bräuchen sie das Geld oder möchten zumindest günstig im alten Bauernhaus weiter wohnen. So wird das Wohnhaus oft behalten und das Land an die Nachbarn weitergegeben.

Es sei relativ schwierig, ausserhalb der Familie einen Hof zur Pacht oder gar zum Kauf zu finden, bestätigte Andreas Widmer, Präsident des St. Galler Bauernverbandes, im vergangenen Jahr gegenüber dem "Tagblatt". Viele, vor allem kleinere Betriebe, werden über die Verpachtung mit umliegenden Betrieben zusammengelegt. Allein mit dem Verdienst aus dem Landwirtschaftsbetrieb lasse sich ein ausserfamiliärer Kauf nie und nimmer finanzieren, so Widmer. Der Kaufpreis liege oft das drei- bis vierfache über dem Ertragswert.

Kommt für Sie eine ausserfamiliäre Hofnachfolge infrage? Oder lösen Sie Ihren Hof auf und geben Land und Gebäude an bereits aktive Landwirte weiter?

Finanzierung eines ausserfamiliären Hofkaufs


Einen Hofkauf ausserhalb der Familie – und somit über dem Ertragswert – tragbar zu finanzieren ist eine grosse Herausforderung. Hypotheken sind zur Finanzierung von Hofübergaben wichtig. Sie sind über das Grundpfand (Land, Gebäude) abgesichert und unterstehen gemäss bäuerlichem Bodenrecht einer Belastungsgrenze von 135% des Ertragswertes. Die Kantone können bei gegebener Tragbarkeit, die Belehnungsgrenze erhöhen. Dennoch gilt es meist eine grosse Lücke zwischen der Belastungsgrenze und dem Verkaufspreis zu finanzieren. Mittel dazu sind: Eigenkapital, Erbvorbezüge, (wenn möglich zinslose) Darlehen von Bund (Starthilfe), Stiftungen oder Freunden und Bekannten, Bürgschaften und neuerdings auch Crowdfunding. Quelle: hofübergabe.ch -> Mehr dazu gibts hier

Zur Beantwortung von rechtlichen, finanziellen oder persönlichen Fragen in Sachen ausserfamiliärer Hofnachfolge kann eine Beratung eine wertvolle Hilfe darstellen. 

Es gibt dazu einige Angebote. Die Kleinbauern-Vereinigung will mit ihrer Anlaufstelle Hofsuchende und Betriebsleiter ohne Nachfolge zusammenbringen und bei der Hofübergabe unterstützen. Auf dem Portal www.hofübergabe.ch gibt es mehr dazu. «Es ist äusserst wichtig, sich früh mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ein Hof – ein Lebenswerk – loszulassen, ist ein langer, einschneidender Prozess», erklärt Séverine Curiger von hofübergabe.ch

Auch die Informations- und Vermittlungsstelle www.hofnachfolge.ch stellt den Kontakt zwischen älteren Hofbesitzern ohne Nachfolge und jungen Familien, die einen Landwirtschaftsbetrieb suchen, her.

Mit einer Nachfolgeregelung sollten sich Betriebsleiter frühzeitig auseinandersetzen. Betriebsleiter, die die Höfe bis zur Pensionierung auf Vordermann halten, erhöhen die Chancen, dass eine junge Familie den Betrieb weiterführt. Der Verzicht auf die schrittweise Abgabe von Pachtland spielt dabei eine entscheidende Rolle, schreibt beispielsweise das Portal hofnachfolge.ch. Der Erfolg einer Hofübergabe hänge wesentlich von der Bereitschaft des abtretenden Ehepaares ab, die Verantwortung an familienfremde Personen zu übertragen sowie eine andere Arbeits- und Lebensweise zu akzeptieren.

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