25.03.2020 11:22
Quelle: schweizerbauer.ch - awp/blu
Wirtschaft
Avenir Suisse: Shutdown kostet 30 Milliarden
Ein umfassender Shutdown nach italienischem Vorbild würde in der Schweiz auf der Produktions- und Einkommensseite jeden Monat bis zu 30 Milliarden Franken kosten. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Denkfabrik Avenir Suisse. Man müsse bei weiteren Massnahmen Augenmass wahren.

Avenir Suisse hat darin gemäss eigenen Angaben «konservativ» berechnet, wie hoch die Kosten wären, wenn der Bundesrat jegliche nicht-essenzielle Produktion unterbinden und alle nicht lebensnotwendigen Betriebe hierzulande schliessen würde.

Augenmass wahren

Für die Kurzarbeit und Überbrückungsliquidität würden monatliche Kosten von insgesamt 27,5 Milliarden Franken anfallen, wobei sich die Kosten gemäss der Mitteilung vermutlich irgendwo zwischen 27 und 30 Milliarden bewegen würden. Gleichzeitig betrüge der monatliche Wertschöpfungsverlust, also die Einbussen auf Produktionsseite, etwa 28,8 Milliarden Franken. Das entspricht 4,3 Prozent des jährlichen Bruttoinlandprodukts der Schweiz.

«Hochgerechnet auf ein Jahr entspräche dies mehr als der Hälfte aller in der Schweiz produzierten Waren und Dienstleistungen», schreibt Avenir Suisse. Zu erwartende dynamische Negativeffekte seien dabei noch nicht einmal miteingerechnet. Deshalb fordert die Denkfabrik bei weiteren Schritten Augenmass zu wahren.

«Die enormen volkswirtschaftlichen Kosten eines solchen umfassenden Shutdown legen nahe, dass zielgerichtetere Massnahmen dringend geprüft werden müssen, die eine Aufrechterhaltung der Wirtschaftstätigkeit unter Einhaltung gesundheitspräventiver Massnahmen ermöglichen», heisst es weiter. 

Arbeitsrechtliche Flexibilität

Um die Vorschriften des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) in den Betrieben einhalten zu können, brauche es mehr arbeitsrechtliche Flexibilität. Zusätzliche Arbeitskräfte müssten rasch mobilisiert werden können, um die erhöhte Nachfrage bedienen zu können. Der Denkfabrik schwebt eine temporäre Aufhebung (mit entsprechender Abgeltung) von Nachtarbeits- und nicht sicherheitsrelevanten Ruhezeitbestimmungen vor.

So könne verhindert werden, dass zu viele Arbeitnehmende gleichzeitig tätig sind und die Abstandvorschriften nicht einhalten. Beispielsweise sollen die Regale in den Läden in der Nacht aufgefüllt werden. Zudem sollen die Lebensmittelläden auch am Sonntag öffnen dürfen. 

Der Ruf nach einem umfassenden Shutdown beweise vielleicht politische Entschlossenheit und vermöge damit gewisse Gemüter zu beruhigen. «Doch einem solchen schwerwiegenden Eingriffen muss unbedingt eine nüchterne Kosten-Nutzen-Analyse zugrunde liegen», macht Avenir Suisse deutlich.

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