10.09.2014 09:15
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Bäuerinnen
Bäuerinnen laden zu Tisch
Bäuerinnen und Landfrauen bekochen und bewirten als Gastgeberinnen kleine Gästegruppen aus dem In- und Ausland: Neun Monate nach der Gründung hat der Verein Swiss Tavolata am Dienstag in Zürich ein neues Serviceangebot gestartet, das Brücken schlagen soll zwischen ländlicher und urbaner Bevölkerung.

Das Konzept erinnert an die Sendung «Landfrauenküche» des Schweizer Fernsehens SRF: Bäuerinnen und Landfrauen laden auf Bestellung Gäste wie Freunde bei sich in der Küche, im Esszimmer, im Garten, im Tenn oder auf der Wiese zu Tisch und verwöhnen sie mit währschaften Menüs aus regionalen Produkten.

Zusatzverdienst für Bäuerinnen

Auf die Idee gekommen sei sie während eines Rom-Aufenthaltes, sagte Brigit Langhart, Geschäftsführerin von Swiss Tavolata, an der Startveranstaltung im Schweizerischen Landesmuseum. In Italien biete Home Food Italia seit 2005 jedermann die Möglichkeit, in Privathäusern die klassische italienische Küche kennen zu lernen. Fasziniert von der eigenen Erfahrung habe sie sich entschlossen, ein ähnliches Konzept für die Schweiz zu entwickeln.

Profitieren vom neuen Service sollen beide Seiten: die Bäuerinnen von einem Zusatzeinkommen, die Gäste von währschaften regionalen Spezialitäten und einem kulturellen Austausch. Christine Bühler, Präsidentin des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbandes (SBLV), bezeichnete das Angebot als reelle Möglichkeit, einen Zusatzverdienst auf dem eigenen Hof zu erzielen. Das stetig sinkende Einkommen von Bauernfamilien erfordere kreatives Handeln und Unternehmergeist. Dank ihrer spezifischen Fähigkeiten seien Bäuerinnen geradezu prädestiniert für Tavolatas.

Bereicherung für den Tourismus

Das Projekt bereichere zudem das Spektrum touristischer Erlebnisse, betonte Daniela Bär, Kommunikationschefin von Schweiz Tourismus. Die Vermarktungsorganisation bezieht künftig das Angebot und die Inhalte von Swiss Tavolata in verschiedene Marketingaktivitäten mit ein.

Swiss Tavolata treffe den Zeitgeist und nehme den Trend «meet the locals» auf, betonte Bär. Im Zeitalter der Globalisierung seien Erlebnisse, die von lokaler Identität, Einfachheit und regionaler Kultur geprägt seien, von grosser Bedeutung. Schweiz Tourismus begrüsse deshalb alle Bestrebungen, die regionale Kultur und deren Produkte in den Fokus stellen.

Start mit 24 Gastgeberinnen

Bis jetzt haben sich 24 Bäuerinnen und Landfrauen aus allen Teilen der Schweiz als Gastgeberinnen zur Verfügung gestellt. Sie verpflichten sich, mindestens 24 Tavolatas pro Jahr durchzuführen und ihr eigenes 3-Gang-Menü für 6 bis 8 Personen anzubieten, das ohne Wein 70 und mit Wein 90 Franken kostet.

Gebucht werden können Tavolatas über www.swisstravolata.ch. Bezahlt wird ebenfalls online per Kreditkarte - an den Tavolatas selber fliesst kein Geld, wie Langhart betonte. Organisation und Administration sind Aufgabe der Swiss-Tavolata-Geschäftsstelle in Winterthur.

Gastgeberinnen mit Leidenschaft

Unterstützt wird das Projekt auch vom Bundesamt für Landwirtschaft. Dieses übernimmt 50 Prozent der Jahresgebühr von 350 Franken der ersten 50 Gastgeberinnen. Zusätzlich erhalten die 40 ersten angenommenen Gastgeberinnen von den Soroptimistinnen Schweiz einen Startbonus von 500 Franken. Die fünf Swiss-Tavolata-Regionen werden von Mitgliedern des SBLV geleitet. Sie sind direkte Ansprechpartnerinnen der Gastgeberinnen, stimmen mit ihnen das Menü ab und führen vor dem Ersteinsatz ein Testessen durch.

«Von den Gastgeberinnen erwarten wir vor allem grosse Leidenschaft, Kontaktfreudigkeit und natürlich, dass sie gut kochen», erklärte Langhart. Swiss Tavolata hofft, dass sich die Zahl der Gastgeberinnen, die diese Eigenschaften erfüllen, bis März 2015 auf 100 erhöhen wird. Zur Verfügung stellen können sich auch Männer - aber nur, wenn sie Mitglied des SBLV sind.

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