5.12.2017 09:13
Quelle: schweizerbauer.ch - Christof Hirtler
Uri
Bahn ist Lebensnerv der Bauernfamilie
Ein offenes Transportschiffchen erschliesst den ganzjährig bewirtschafteten Bauernbetrieb der Familie Eberli hoch über dem Urnersee. Die Seilbahn ist nebst einem Fussweg die einzige Verbindung ins Tal. Die Anlage ist rein mechanisch, es gibt keine elektronische Steuerung.

Auf dem Heimet Oberbärchi im Isental freuen sich Jonas, David, Marco und Carmen Eberli auf den ersten Schnee: «Jetzt können wir mit dem Schlitten zur Schule fahren.» Doch zuerst geht’s mit der offenen Seilbahn talwärts. Frühmorgens steigen die Kinder mit ihren Schultheken zu viert in das Holzkistchen. Jonas hängt das Absperrgitter ein, es gibt keine Türen, keine geschlossene Kabine. Im Winter ist es kalt, und es zieht. Die Kinder, dick eingepackt in Jacken, Kappen und Handschuhe, legen Decken über ihre Beine, rücken zusammen.

Nicht schaukeln

Mutter Heidi Eberli startet den Motor, und der Keilriemen setzt die grossen eisernen Umlenkräder in Bewegung. Schnell entschwindet das Kistchen in der Dunkelheit und gleitet über den Masten. «Wir haben den Kindern eingetrichtert, dass sie in der Bahn nicht streiten oder hin- und herschaukeln dürfen», sagt Heidi Eberli, derweil sie die Anzeige beobachtet.

Die Anlage ist rein mechanisch, es gibt keine elektronische Steuerung. Eine Sichtverbindung zur Talstation gibt es nicht. Langsam bewegt sich ein Zeiger über einer kleinen Holzscheibe. Verschiedene Beschriftungen und Markierungen zeigen, wo sich die Bahn zurzeit befindet. Talstation, Stütze, Bergstation, steht da. Nähert sich die Scheibe dem roten Strich, betätigt Heidi Eberli den grossen Bremshebel. Die Talstation ist erreicht, die Bahn hält an. Die Kinder steigen aus, sitzen auf ihre Schlitten und sausen auf der Strasse ins Dorf. Eine halbe Stunde dauert ihr Schulweg.

Keine Strasse

2010 haben Thomas und Heidi Eberli das Heimet Bärchi erworben. Vor drei Jahren haben sie das alte Haus abgerissen und an derselben Stelle ein modernes, grösseres Haus gebaut. Die Niederberger-Seilbahn, eine einspurige Personenseilbahn mit umlaufendem Zugseil, stammt aus dem Jahr 1979.

«Vom Dorf Isenthal bis zur Talstation kann man fahren. Zum Oberbärchi führt keine Strasse, die Seilbahn ist unser einziges Transportmittel», sagt Thomas Eberli. «Im Sommer befördern wir auch Touristen. Dann hilft uns mein Schwiegervater Edy Ziegler beim Seilen, wenn wir am Heuen sind.»

300 Kilo Belastung

Mit der Seilbahn transportiert die Familie Eberli Esswaren, Futter, Stroh, Tiere, Material, überhaupt alles, was es auf dem 13,5 Hektaren grossen Bergbauernbetrieb zum Leben und Arbeiten braucht. Die Bahn kann mit 300 Kilogramm belastet werden. Bei Föhn fährt die Bahn nicht, bei starkem Schneefall oder Regen kann es in der offenen Seilbahn ungemütlich werden. «Wenn wir als Familie fortgehen, läuft der Letzte ins Tal. Er muss die Seilbahn steuern, denn sie kann nur auf der Bergstation bedient werden», sagt Thomas Eberli.

2006 wurden mit dem Bundesgesetz über Seilbahnen zur Personenbeförderung die gesetzlichen Anforderungen an die Sicherheit und an den Unterhalt der Seilbahnen erhöht. Das wirkte sich besonders bei den Kleinseilbahnen aus, die wegen des geringen Umsatzes und der schmalen Eigenkapitalbasis ohnehin zu kämpfen hatten. Mit einer kantonalen Seilbahnförderstrategie erarbeitete der Kanton Uri ein Finanzierungskonzept für touristische Seilbahnen.

Staatliche Unterstützung

Nebst den touristischen Bahnen werden landwirtschaftliche Kleinbahnen seit 2015 bei den periodischen Wiederinstandstellungen (PWI) vom Kanton, vom Bund (Verordnung über die Strukturverbesserungen in der Landwirtschaft) und von der Korporation Uri unterstützt. Dazu gehören beispielsweise der Ersatz von Seilen oder Rollenbatterien. Der Kanton Uri, welcher als erster Kanton diese PWI-Massnahmen subventionierte, hat bereits 21 Kleinseilbahnen Beiträge ausbezahlt oder hat sie ihnen zugesichert.

Ausgenommen von den PWI ist die jährliche Sicherheitsinspektion durch die Kontrollstelle des Interkantonalen Konkordats für Seilbahnen und Skilifte IKSS: Sie ist nach wie vor Sache der Bahneigentümer. «Mit den Einnahmen aus dem Personentransport können wir gerade die Kosten für den Techniker decken», sagt Thomas Eberli.

Im Heimatschutzzentrum Zürich ist seitdem 17. November 2017 eine Ausstellung zum Thema Seilbahnen zu sehen. Die Kleinseilbahn Voderbärchi–Oberbärchi im Isental ist Teil dieser Ausstellung. Mehr dazu unter www.heimatschutzzentrum.ch


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