28.08.2013 06:14
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Ausbildung
Bald zu wenig Hofnachfolger
In vielen Branchen fehlen Lehrlinge. Auch in der Landwirtschaft konnten nicht alle Stellen besetzt werden. Die Situation ist zwar derzeit nicht dramatisch, doch werden längerfristig viele Hofnachfolger fehlen.

In diesen Tagen haben Tausende Schulabgänger ihre Lehre begonnen. Hatten sie in den vergangenen Jahren Mühe, eine Lehrstelle zu finden, hat sich das Blatt nun gewendet: Viele Betriebe finden keine Lehrlinge mehr. Die Situation hat sich so zugespitzt, dass der Bund darüber nachdenkt, im Ausland Lehrlinge zu suchen.

Mehr Zweitausbildungen

Auch in der Landwirtschaft blieben laut einer Studie des Instituts für Bildungsfragen in Bern dieses Jahr 13 Prozent der Lehrstellen unbesetzt. Eine Zahl, die Jakob Rösch, Leiter des Geschäftsbereichs Bildung des Schweizerischen Bauernverbandes, relativiert: «Die Anzahl Lernende im ersten Lehrjahr sinkt nur leicht. Dem gegenüber gibt es mehr Zweitausbildungen.» Gesamtschweizerische Zahlen gibt es nicht, da die Kantone die Lehrstellen erheben.

Rösch führt den Rückgang bei den Erstausbildungen darauf zurück, dass nun geburtenschwache Jahrgänge aus der Schule kommen: «Das führt dazu, dass die Lehrlingszahlen des ersten Lehrjahres in den kommenden Jahren leicht zurückgehen werden. Gesamtschweizerisch dürfte die Anzahl Lernende dank den Zweitausbildungen aber etwa konstant bleiben.»

Auch Alfred Bärtschi, Präsident des Berner Lehrmeisterverbandes, spricht von leicht sinkenden Lehrlingszahlen, vor allem beim ersten Lehrjahr. Einen Zusammenhang mit der neuen, dreijährigen Ausbildung schliesst er aus. Für ihn ist die Landwirtschaft mit ihrem Ausbildungssystem auf dem richtigen Weg: «Bei uns ist der Lehrlingsrückgang weniger stark ausgeprägt als in anderen handwerklichen Berufen.» 

Nicht alle Betriebsleiter können ersetzt werden

Trotzdem: Nicht jeder Betriebsleiter wird seinen Hof bei der Pensionierung in gute Hände geben können. Rösch betont: «Damit es längerfristig genug Hofnachfolger gibt, müssten wir mehr Lehrlinge ausbilden.» Eine Einschätzung, die Bärtschi teilt: «Mit den Leuten, die wir heute ausbilden, können wir trotz Strukturwandel nicht alle Betriebsleiter ersetzen.»

Peter Küchler, Direktor des Plantahofs in Landquart GR, kennt das Problem: «Obschon die Zahl der Lehrlinge im Kanton stabil ist, reicht die Zahl der Absolventen unserer Schule nicht, um alle Hofnachfolgen zu sichern.» Gemäss einer Studie, die der Plantahof letztes Jahr gemacht habe, fehle auf einem Viertel aller Betriebe in den nächsten zehn Jahren ein Nachfolger. «Die Praxis zeigt, dass gut strukturierte Betriebe meist weitergeführt werden.»

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