18.12.2018 16:33
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Smart Farming
Barto vertraut auf Claas-Tochter
Die Dokumentations- und Betriebsmanagementplattform Barto geht mit dem Agrarsoftware-Unternehmen 365FarmNet eine strategische Kooperation ein. Zudem wurde das Aktionariat erweitert.

Die Plattform Barto möchte sich zur führenden Smart-Farming-Plattform für die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft weiterentwickeln. Sie wird von der Barto AG mit Sitz in Bern aufgebaut und betrieben. 

Breites Aktionariat

Am Montag wurde an einer ausserordentlichen Generalversammlung die Erweiterung des Aktionariats vollzogen. Nebst der Identitas AG und der Agridea sind neu auch die Fenaco, Swissherdbook, Braunvieh Schweiz, Holstein Switzerland, Mutterkuh Schweiz, die Schweizer Milchproduzenten (SMP) und Swissgenetics Aktionäre der Barto AG.

Ab Januar 2019 schaltet Barto ein Wiesen- und Auslaufjournal frei. Eine App für iPhone und Android-Mobiltelefone ergänzt dabei die Datenerfassung zu Auslauf und Wiesennutzung.

Neue Mitglieder im Verwaltungsrat

Die Generalversammlung des neuen Aktionariats wählte zusätzlich zu den bisherigen Verwaltungsräten neu Heinz Mollet und Michael Buser von der Fenaco sowie Dominik Eggel als Ver treter der Rinderzuchtorganisationen Swissherdbook und Braunvieh Schweiz und Dominique Savary von Swissgenetics in den Verwaltungsrat der Firma.

40'000 Nutzer

Geklärt wurde auch die Frage der Software. Und hier hat die Fenaco ihr Gewicht eingebracht. Barto geht eine Partnerschaft mit der Smart-Farming-Plattform 365FarmNet ein. Das Unternehmen ist eine Tochter des deutschen Landtechnik-Hersteller Claas. Die Fenaco wiederum ist über das Tochterunternehmen Serco Landtechnik AG Importeur von Claas für die Schweiz. Im Januar starten die Arbeiten für die Anpassung der Plattform an den Schweizer Markt.

Verfügbar ist die Plattform 365FarmNet derzeit in Deutschland, Frankreich, Polen und Österreich, in Kürze wird zudem auch Bulgarien integriert. Gemäss einem Bericht von der Zeitung «Die Welt» hat die Plattform rund 40'000 Nutzer. Im Geschäftsjahr 2017/2018 hat Claas rund 100 Millionen Euro und damit knapp die Hälfte seines Forschungsetats in die Entwicklung von Technik und Software für die Digitalisierung der Landwirtschaft investiert – dies Jahre nach der Lancierung.

Frage der Neutralität

Und dieses Geld muss wieder eingespielt werden. Deshalb hat Claas ein grosses Interesse, die Plattform in mehreren Ländern zu installieren. Doch offenbar läuft dieser Prozess nicht ganz reibungslos. «365 FarmNet ist eine Tochter des grössten Landtechnikherstellers in Deutschland. Wahrscheinlich ist das auch so ein bisschen das Problem dahinter: 356 FarmNet hat ein super Farm-Managementsystem – nur: Es wird von den Landwirten nicht wirklich als neutral angesehen. Generell gesprochen», sagt Miriam Taenzer vom Digitalverband Bitkom zu «Deutschlandfunk Kultur». 

Für den zweiten Anbieter, der sich auf dem Schweizer Markt etablieren will, dürfte es nicht einfach werden. ADA (Agrar-Daten-Austausch) ist das Projekt von IP-Suisse und Agrosolution und will den Datenaustausch vereinfachen. Dazu werden Schnittstellen zwischen Anwendungen – zum Beispiel zwischen Apps – geschaffen. Die Apps können die Daten untereinander austauschen. 

Nicht beteiligen an Barto wird sich der Schweizer Bauernverband. Der SBV schliesst eine finanzielle Beteiligung aus, weil das eingesetzte Geld zu einem gewissen Grad Risikokapital wäre. «Wir wollen nicht mit Mitgliederbeiträgen das Projekt finanzieren.» Als zweiten Grund nannte er die Wahrung der Neutralität des SBV. Nebst Barto ist auch ADA im Markt tätig. Noch im Herbst 2017 tönte es anders. Der Bauernverband plante damals eine Beteiligung am System.

 

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