13.04.2015 09:08
Quelle: schweizerbauer.ch - Cornelia Forrer
Aargau
Bauern fühlen sich verraten
Welcher Landwirt hat schon 3,6 Mio. Franken, um einen Betrieb samt Beiz zu kaufen? Pro Natura hat die Mittel dazu. Dass ein Traditionsbetrieb der Landwirtschaft verloren geht, stösst nicht nur den Bauern der Region sauer auf.

41,5 Hektaren Land umfasst der Landwirtschaftsbetrieb «Juraweid» in Biberstein, nahe Aarau, der bisher im Besitz des Kantons Aargau war. Der Entscheid des Regierungsrates, den Betrieb samt Aussichtsbeiz nun an die Naturschutzorganisation Pro Natura und die Gemeinde Biberstein gemeinsam zu verkaufen, sorgt für reichlich Unverständnis und Ärger im Dorf und besonders in bäuerlichen Kreisen.

Lieber in Bauernhand

Landwirte wie Ernst Beyeler aus Oberflachs stört es, dass die Pro Natura über keinen Leistungsausweis in der Landwirtschaft verfügen und diesen auch gar nicht ausweisen muss, während man von den vier mitbewerbenden Landwirten dies verlangt habe. Und sogar den Nachweis dazu. Auch sei nicht garantiert, dass dieser als vorbildliches Vorzeigeobjekt betrieben wird. «In einer Zeit, in der der Kanton Aargau Geld sucht, gibt er gleichzeitig Möglichkeiten für nachhaltige Einnahmen auf», kritisiert er. «Rechtlich in Ordnung – moralisch verwerflich», so Beyeler.

In der Person von Sven Dermon aus Biberstein sollen die neuen Besitzer einen Pächter engagiert haben, der einen Vertrag für 15 Jahre erhält. Und der Wirt bleibt der Beiz auch weiterhin erhalten. «Wird auf der Juraweid bald nur noch die Natur geschützt und der Produktion keine Beachtung mehr geschenkt?», fragen sich jene Landwirte, die sie gern übernommen hätten. Ralf Bucher, Geschäftsleiter des Bauernverbandes Aargau, hätte den Betrieb lieber in Bauernhand gesehen. Etwas merkwürdig sei es schon, dass eine Naturschutzorganisation einen Bauernbetrieb kaufe, meint er.

Keine Garantie geben

Ob auf der Juraweid vor allem Naturpflege betrieben oder ob landwirtschaftlich gewirtschaftet wird, wird sich bald zeigen. Die Pro Natura ist übrigens die grösste private Grundeigentümerin im Kanton und kann sich mittels Verbandsgeldern auch noch weitere Objekte leisten. Und die Bibersteiner helfen beim Kauf ebenfalls tatkräftig mit, indem sie freiwillig die Steuern erhöhen.

«Eine nachhaltige landwirtschaftliche Weiterführung des Betriebes», nennt der Pro-Natura-Chef Johannes Jenny als Ziel. Genutzt würden die Synergien zwischen der Landwirtschaft und dem Naturschutz, mit extensiver Nutzung, mit Mutterkuhhaltung und mit Milchwirtschaft. Ein Teil der Produktion werde in der Beiz verarbeitet und serviert. Um die landwirtschaftliche Kompetenz zu erhöhen, nimmt künftig ein Landwirt im Vorstand der Umweltorganisation Einsitz.

Es bleibt zu hoffen, dass dies keine Alibiübung bleibt. Das Unverständnis der bäuerlichen Kreise kann Matthias Müller, Leiter Landwirtschaft des Kantons, gut verstehen, doch die Befürchtungen seien verfehlt. Das vorgelegte Konzept habe den Regierungsrat überzeugt. Eine Garantie, dass die Juraweid ein landwirtschaftlicher Betrieb bleibt, gibt es aber nicht.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE