21.10.2014 14:57
Quelle: schweizerbauer.ch - Lucas Huber
Basel-Land
Bauern fürchten Einschränkungen
Es sind vor allem die Bauern, die den Jurapark Baselland verhinderten. So schlecht sind die Erfahrungen der Landwirte in den anderen Naturpärken nicht. Ob im Baselland ein neuer Versuch unternommen wird, ist offen.

Der Jurapark Baselland scheiterte nicht nur an den Bedenken der hiesigen Bauern. Doch ihre Stimmen hatten Gewicht, als die Stimmbevölkerung der Oberbaselbieter Gemeinde Diegten im November 2010 gegen den Jurapark stimmte. Es war das letzte und entscheidende einer ganzen Reihe von Neins, die das 2009 aufgegleiste Projekt zur vorläufigen Aufgabe zwangen.

Haltung nicht geändert

Naturpärke von nationaler Bedeutung, wie der Jurapark Baselland einer geworden wäre, bedürfen einer zusammenhängenden Mindestfläche von 100 Quadratkilometern. Die Grösse hätte man erreicht, lediglich die Gemeinden des Diegter Tals trennten die parkfreundlichen Gemeinden in zwei Hälften. Diegten war der letzte Nagel dieses Sarges.

Der eigens für den Park gegründete Trägerverein hat seine Tätigkeit seither eingefroren. Alle vier Jahre kann ein Gesuch beim Bund eingereicht werden. Im vorigen Jahr hat der Verein aber entschieden, 2014 keinen neuen Anlauf zu nehmen, da sich die Haltung der Exponenten – und insbesondere der Landwirte – nicht grundlegend geändert hat.

Naturpärke: Verdoppelung der Bundesunterstützung

In der Herbstsession des Parlaments in Bern haben nun National- wie Ständerat beschlossen, die Unterstützung für Naturpärke von zehn auf 20 Millionen Franken im Jahr zu verdoppeln. Bereits 2010 waren die Bundesmittel, die durch die Konstituierung eines Naturparks in die Region geholt hätten werden können, ein gewichtiges Argument der Befürworter.

Mit der Verdoppelung der Bundesunterstützung dürfte dieses nun noch schlagender werden. Für Martin Rüegg, Präsident jenes Trägervereins, bedeutet dies aber nicht automatisch, einen neuerlichen Versuch zu unternehmen, denn solange die Fronten verhärtet blieben, bringe auch ein zweiter Anlauf nicht viel. Dies könnte ohnehin erst 2019 geschehen. «Solange die Bauern nicht signalisieren, dass sie zumindest keinen Widerstand leisten, macht es allerdings keinen Sinn», sagt Rüegg.

Am liebsten würde er die Landwirte sogar ins Boot holen. Als vor vier Jahren allerdings der damalige Bauernverbandspräsident Gregor Gschwind in den Vereinsvorstand berufen wurde, konnte auch er das Ruder nicht mehr herumreissen. «2017 werden wir Gespräche aufnehmen. Dann wird sich zeigen, wie es weitergeht. Solange ruht der Verein.»

Bauern hatten Angst

Doch warum haben die Bauern derart grosse Vorbehalte gegen Naturpärke? Sie fürchten vor allem Einschränkungen und neue Regulierungen. Im Jurapark Aargau hatten die Landwirte etwa die Befürchtung, die Silohöhe könnte aus Gründen des Landschaftsbildes begrenzt werden. «Dem ist natürlich nicht so», erklärt Ralf Bucher, Geschäftsführer des Aargauischen Bauernverbandes, «landschaftlich gesehen entstanden durch den Jurapark keine Einschränkungen.»

Trotzdem wächst Buchers Skepsis gegenüber dem Park und der Regionalförderung grundsätzlich. Insbesondere spricht er von einem riesigen administrativen Aufwand, den Park und Parklabel mit sich brächten. «Es können aber durchaus tolle Projekte entstehen.» Er meint damit vor allem die Zusammenarbeit mit Coop. Der Grossverteiler hat Regionalprodukte mit dem Parklabel in sein Sortiment aufgenommen. «Ohne Jurapark wäre das so sicher nicht zustande gekommen», sagt Ralf Bucher. Insbesondere für Bauern in Randregionen biete ein Park Chancen, ihre Produkte besser zu vermarkten.

Positive Stimmung

Mirjam Maurer, Sekretärin des Juraparks Aargau, wertet die Stimmung zwischen Park und Landwirten als durchwegs positiv. «Natürlich gibt es kritische Fragen, aber das soll ja auch so sein.» Aber auch sie erinnert sich an die Anfangszeiten. Die Zweifel der Bauern waren dannzumal auch im Aargau vorhanden. «Heute ist die Zusammenarbeit gut und konstruktiv», sagt Maurer.

Im solothurnischen Naturpark Thal ist man überzeugt, dass der Park den Bauerfamilien zwar nicht schade, andererseits aber auch nur jenen nütze, die aktiv mit ihm zusammenarbeiten würden. Aber das ist in jedem Lebensbereich so.

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