14.10.2016 09:13
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Milchmarkt
Bauern protestieren gegen Emmi
Milchproduzenten, die an Emmi liefern, müssen ab 2020 zwingend bei mindestens einem sogenannten Tierwohlprogramm mitmachen. Für Betriebe mit hohen Milchleistungen stellt dies die Milchproduktion infrage. Mit Umfrage

Die grösste Schweizer Milchverarbeiterin Emmi will sich und damit auch ihren Lieferanten ein grüneres Image geben. So müssen bis 2020 alle Emmi-Lieferanten mit Anbindestall entweder einen Laufstall bauen oder beim Raus-Programm mitmachen.

Aufhören mit Melken


Für Toni Peterhans, Emmi-Direktlieferant aus Fislisbach AG, ist dies unverständlich. «Wenn das so kommt, werde ich mit Melken aufhören. Wir wollen unsere Hochleistungsstrategie, bei der die Kühe aber auch eine hohe Lebensleistung haben, nicht ändern. Zum Weiden lassen wir uns nicht zwingen.» Tatsächlich: Peterhans hat letztes Jahr in seinem Anbindestall 12'769 kg Stalldurchschnitt gemolken. Damit ist er auf Rang 4 der Topliste im Schweizerischen Holsteinzuchtverband (SHZV).

Bei Raus mitzumachen und mehr zu weiden, kommt für ihn nicht infrage: «Ich hätte weniger Milch. Es würde sich nicht rechnen. Der Aufwand für Raus ist zu gross.» In einen neuen Laufstall investieren, um damit BTS-tauglich werden, würde er noch weniger. «Das wäre viel zu teuer, und die Preise werden sich wohl nicht aufwärts orientieren. Das ist absolut unverhältnismässig, in einen Laufstall zu investieren», argumentiert er. 

Kein Land um Stall

Zudem gehe es seinen Holstein-Kühen in seinem Anbindestall sehr gut. Bei den abgehenden Kühen zum Schlachthof erreiche er eine Lebensleistung von durchschnittlich 58'000 kg. Auch punkto Zellzahlen gehört er mit solchen unter 75'000 pro Kuh zu den besten Emmi-Lieferanten. Klauenprobleme und die um sich greifende Krankheit Mortellaro, die in Laufställen Alltag sei, kenne er nicht. Was ihn zudem nerve, sei die Tatsache, dass Emmi für die aufwendiger produzierte Milch nicht mehr bezahlen wolle: «Mehr Leistung ohne Mehrpreis – das geht gar nicht.»

Einen noch höheren Stalldurchschnitt milkt Emil Schmid-Schuler aus Baar ZG. Mit seinen durchschnittlich 15'101 kg pro Kuh und Jahr ist der Emmi-Direktlieferant der Holstein-Betrieb mit den höchsten Leistungen überhaupt. Nicht nur die Laktationsleistungen sind enorm. Auch die Lebensleistungen sind überdurchschnittlich. Er hat schon die sechste Kuh mit einer Lebensleistung von über 100'000 kg im Stall. Rekordhalterin war eine 17-jährige Kuh mit 169'000 kg Lebensleistung. Und auch er milkt seine Kühe in einem Anbindestall, ist deshalb nicht zur Teilnahme am BTS-Programm berechtigt. Weiden und damit die von Emmi geforderte Teilnahme bei Raus ist für ihn nicht möglich: «Ich kann kein Raus machen. Ich habe kein Land um den Stall.»

Todesstoss für Milch

Wenn Emmi das ohne finanziellen Ausgleich durchziehe, sei das für seinen Betrieb der Todesstoss. «Vermutlich ist das ja aber politisch sogar so gewollt. Betriebe wie den meinen, will man nicht mehr. Das zeigen auch Äusserungen von Wirtschaftsvertretern wie etwa von Avenir Suisse», fügt er an.

In einen neuen Stall zu investieren, sei bei den aktuellen Milchpreisen ohnehin ein Wahnsinn. Er beobachte mit grossen Sorgen, dass viele Milchbauern sich über beide Ohren verschuldet hätten, um zu wachsen. «Wie will man – wenn man nur zwei Hände hat – noch einen Milchviehstall finanzieren mit 50 Rp./kg Milchpreis? Das geht gar nicht», betont er.

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