17.04.2016 18:17
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Hanf
Bauern wollen Cannabis produzieren
Dutzende Bauern haben sich bereits bei der Stadt Bern gemeldet, weil sie sich für den Anbau von Cannabis für den geplanten Abgabeversuch interessieren. Das sagte Berns Sozialdirektorin Franziska Teuscher der Zeitung «Schweiz am Sonntag». Der Anbau könnte für die Bauern finanziell interessant sein.

Das Marktvolumen wird in der Schweiz auf bis zu eine Milliarde Franken geschätzt, heute fällt der Umsatz allerdings in der Illegalität an. Der Basler Drogenexperte und Agronom Thomas Kessler hat vor kurzem ein Regulierungskonzept präsentiert.

Die Schweizer Berggebiete würden sich für den Anbau von Hanf eignen. Die Pflanze wurde bis zum 2. Weltkrieg zu Faser- und Medizinalzwecken angebaut. Heute beträgt die Anbaufläche noch 20 Hektaren. Hierzulande konsumieren zwischen 300'000 und 500'000 Personen regelmässig Cannabis.

Bis 20'000 Franken pro Are

In der Schweiz werden gemäss „Schweiz am Sonntag“ jährlichnzwischen 50 und 100 Tonnen Cannabis konsumiert. Für die Bauern wäre der Anbau finanziell interessant. Gemäss Kessler lässt sich auf einer Are bis zu 20 Kilogramm reiner Hanf ziehen. Erhält ein Bauer pro Gramm einen Franken, könnte er mit maximal zwei Aren Land 40‘000 Franken pro Jahr erzielen.

Sandra Helfenstein, Sprecherin des Schweizer Bauernverbands, sagt gegenüber der „Schweiz am Sonntag“: "Die Landwirte würden die Nachfrage decken – sobald es die Gesetzeslage erlaubt." Wegen der gesunkenen Preise für Zuckerrüben oder Futtergetreide könne das attraktiv sein.

"Hanf idealerweise aus der Schweiz"

Doch nicht nur die Bauern, sondern vor allem auch der Staat würde profitieren. Bei einem Gesamtmarkt von einer Milliarde Franken würden 850 Millionen Franken unter anderem für die AHV und die Drogenprävention zurückfliessen. Auch wäre das Schweizer Produkt weniger belastet. Die heute verkaufte Ware ist mit Schadstoffen belastet und enthält Streckmittel.

Die Berner Stadtregierung will versuchsweise den Konsum für rund 1000 Berner legalisieren. Die Berner Sozialdirektorin Franziska Teuscher (Grüne) will nun prüfen, wie rasch die Landwirte die Pflanzen ziehen könnten und unter welchen Voraussetzungen sie dies umsetzen können. "Zwar fokussieren wir uns auf die kontrollierte Abgabe von Cannabis, doch idealerweise stammt der Hanf aus der Schweiz", sagt Teuscher. Der für den Versuch eingesetzte Hanf für das Forschungsprojekt wird aus dem Ausland bezogen.

Unterstützung erhält sie von Felix Gutzwiller (ehemaliger FDP-Ständerat Kanton Zürich): "Eine Legalisierung mit staatlicher Kontrolle wäre eine Chance für den Staat, beispielsweise zur Finanzierung der AHV."

Bundesrat Berset begrüsst Versuche

Bundesrat Alain Berset begrüsst, dass mehrere Schweizer Städte die testweise Abgabe von Cannabis ins Auge fassen wollen. Er steckt aber die Grenzen ab: Klar sei, dass es «nur um befristete Versuche gehen kann, die wissenschaftlich begleitet werden und klare Fragen beantworten sollen». Eine generelle Legalisierung erlaube das Gesetz nicht. Der Innenminister will die Versuche auch keineswegs als Signal verstanden wissen, dass der Cannabis-Konsum unproblematisch sei. «Fakt ist, dass mehr als ein Fünftel der Bevölkerung Erfahrung mit Cannabis hat. Also können wir nicht einfach wegschauen, sondern müssen ohne Scheuklappen auch neue Ideen prüfen.» Interesse an Versuchen zur legalen Abgabe von Cannabis bekundeten vor allem Zürich, Bern, Basel und Genf. sda

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