9.08.2013 18:54
Quelle: schweizerbauer.ch - Fabienne Deppeler, lid
Garten
Bauerngarten: Von der Versorgung zum Hobby
Im Verlauf des 20. Jahrhunderts ist die Zahl der bewirtschafteten Bauerngärten stark gesunken. Was früher ein wichtiger Bestandteil eines Bauernhofes und für die Selbstversorgung unentbehrlich war, gilt heute mehr als Hobby und Erholungsort.

Der Bauerngarten ist wahrscheinlich so alt wie die bäuerliche Kultur selbst. Die erste Quelle eines eingefriedeten Gartens stammt bereits aus dem 8. Jahrhundert. Die Funktion und der Inhalt glichen nicht sehr dem heutigen. Damals diente der Garten als Nutzland und musste die Familie versorgen. Es wurden keine oder selten Blumenbeete ausgesät. Im Mittelalter prägten die Klöster die bäuerliche Gartenkultur. Die Gärten dienten zum Anbau von Gemüse- oder Arzneipflanzen.

Selbstversorgung nimmt ab

Unter dem Einfluss des italienischen Renaissancegartens nahm der Bauerngarten in der Schweiz neue Formen und Gestaltungsweisen an. Noch heute begegnet man diesen "klassischen" Bauerngärten. Geprägt durch den italienischen Einfluss wurden vor allem die Bauerngärten im Emmental, wo sie nach wie vor mit Stolz und Tradition kultiviert werden. Auch aus Zeiten des Barocks im 17. und 18. Jahrhundert lassen sich typische Elemente im Bauerngarten finden. So wurden neue, exotische Blumen eingeführt, ebenso das barocke Ordnungsprinzip. Mit der Verwendung von Buchshecken wird vielerorts noch heute versucht, diese Ordnung beizubehalten.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts zwangen Nahrungsmittelknappheiten die Menschen zu einfach angelegten Gärten, in denen wenig Abwechslung, dafür aber ein intensiver Anbau vorherrschte. Um die Jahrhundertmitte entfaltete sich auf dem Land eine reiche Gartenkultur. Der zunehmende Kontakt mit fremden Ländern liess bisher unbekannte Pflanzen wie Geranien, Nelken oder Dahlien heimisch werden.

Nach 2. Weltkrieg wurde Gartenkultur zu aufwändig

Während vor dem Zweiten Weltkrieg jeder Bauernhof seinen eigenen Garten besass und davon lebte, verloren die traditionellen Bauerngärten nach 1945 an Bedeutung. Zu Zeiten des Weltkriegs herrschte eine Anbauschlacht innerhalb der Schweiz und jedes freie Stück Land wurde bestellt. Nach dem Krieg sah es anders aus: Die Notwendigkeit der Selbstversorgung verminderte sich, verbesserte Technologien führten zu effizienterem Anbau. Das Bauerntum schrumpfte und veränderte sich.

Die Gartenkultur wurde als zu aufwändig betrachtet und der Profit als zu klein. Folglich änderte man traditionelle Gärten in Blumengärten oder moderne Ziergärten mit Rasen oder Steinen um. Mit jeder Gartenänderung wurden Elemente entfernt und durch neue ersetzt oder es kam zur Auflösung des alten Bestandes. Andere Bauerngärten fielen dem Strassenbau zum Opfer.

Revival dank grüner Welle

Trotz der Abnahme der Bewirtschaftung eines eigenen Gartens, zeigten sich in den letzten Jahren neue Trends im Bereich der Gartenkultur. Das Interesse des eigenen Anbaus von Gemüse, Früchten und Blumen nimmt wieder zu und das Bewirtschaften gleicht heutzutage eher einem Hobby, als einer Tätigkeit zur Nahrungssicherheit. Natürlich Leben ist wieder in und naturnahe Gärten gewinnen an Bedeutung. Die Idee einer bewussten und gesunden Ernährung, die von nachhaltigen Produkten zeugt, hat sicherlich ihren Beitrag dazu geleistet. Neue Trends wie Urban farming, Urban gardening oder Green Lifestyle haben sich entwickelt und in gewissem Masse einen Durchbruch errungen.

Auch bei den Bauerngärten hat sich was getan: Eine Arbeitsgruppe der ICOMOS Suisse, der Schweizer Landesgruppe des Internationalen Rates für Denkmalpflege, stellt eine Liste von historischen Gärten zusammen und setzt sich zum Ziel, besonders schöne und bedeutsame Gärten zu schützen. Die Liste weist über 6‘000 Bauerngärten auf und wird stetig erweitert. Anlass zum Schutz sind die rege Bautätigkeit, der enorme Arbeitsaufwand der Bäuerinnen, der nicht mehr aufgebracht werden kann und das Bauernsterben. Die Arbeitsgruppe erhofft sich, dass damit dem Rückgang entgegengehalten wird und die traditionelle Bauernkultur nicht verloren geht.

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