28.03.2019 13:27
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Fotovoltaik
Bauernhof-Solarstrom boomt
Immer mehr Landwirte produzieren eigenen Solarstrom. Dafür erhalten sie neu nur noch eine Einmalvergütung. Damit sich die Photovoltaik trotzdem lohnt, müssen Stromproduktion und -verbrauch zeitlich übereinstimmen.

Seit Wochen gehen Jugendliche und Erwachsene auf die Strasse, um für das Klima zu demonstrieren. Eine ihrer Forderungen, nämlich jene nach  erneuerbaren Energien, setzt die Landwirtschaft bereits um.

2100 Gigawattstunden 

Sie hat diesbezüglich ein grosses Potenzial, wie Zahlen von Agrocleantech zeigen. «Bis 2030 können 2100 Gigawattstunden (GWh)/Jahr Strom aus erneuerbaren Energien aus der Landwirtschaft gewonnen werden, wenn das Potenzial genutzt wird», betont Simon Gisler, Geschäftsführer von Agrocleantech. «Voraussetzung ist, dass sich die Produktion von Solarstrom lohnt. Das ist mit der Energiestrategie 2050 nicht mehr einfach gegeben.»

Mit der Energiestrategie 2050 werden erneuerbare Energien stärker dem Markt ausgesetzt. Man bekommt nur noch eine Einmalvergütung von 20 bis 30 Prozent der Investitionssumme statt wie früher eine kostendeckende Einspeisevergütung.

Bauern verunsichert

Gisler will mit Agrocleantech das Wissen bereitstellen, wie man trotz Einmalvergütung Anlagen wirtschaftlich betreiben kann. «Die wichtigste Voraussetzung ist, dass man weiss, wann man auf dem Betrieb den Strom braucht, und dass man den Verbrauch abgleichen kann mit der Produktion», erklärt er. «Ein Melkroboterbetrieb braucht Strom über den ganzen Tag. Er soll die Solarpanels auf die Ost- und Westseite ausrichten, damit der Solarstrom vom Morgen bis zum Abend anfällt», nennt er ein Beispiel. «Wichtig ist weiter, dass die Grösse der Anlage zum Verbrauch passt.»

Die landwirtschaftliche Stromproduktion aus Sonnenenergie ist stetig gestiegen, zwischen 2011 und 2017 von etwa 50 GWh/Jahr auf über 400 GWh/Jahr (siehe Grafik). «2016 und 2017 wuchs sie weniger stark als in den Vorjahren, weil viele Bauern wegen der Einmalvergütung verunsichert waren», weiss Gisler. «Für 2019 ist aber wieder eine Zunahme zu erwarten.»

Kostenwahrheit nicht gegeben

Auch für Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbandes, hat Solarstrom grosses Potenzial. Doch müssten die Voraussetzungen stimmen, um es zu nutzen: «Solange die Kostenwahrheit bei fossilen Energien nicht gegeben ist, braucht es für die Nutzung des Potenzials von Solarstrom eine zusätzliche Unterstützung von Seiten des Staates. Und die Energiestrategie 2050 muss auch bei einer Marktöffnung klare Regeln zur angemessenen Unterstützung von erneuerbaren Energien aufweisen.» 

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