9.12.2018 06:06
Quelle: schweizerbauer.ch - Christian Zufferey
Wallis
Begleitet die Tiere bis zum Schluss
Als Florian Hallenbarter mit der Idee kam, auf seinem Hof in Obergesteln VS Sstatt Braunvieh Mutterkühe einzustallen, löste das noch einen Generationenkonflikt aus. Heute gewinnt er sogar Preise für seine auf dem Hof produzierten Fleischwaren.

Es ist genau 20 Jahre her, seit Florian Hallenbarter seine ersten 15 tragenden Galloway-Rinder importiert hat. Heute stehen in seinem Stall in Obergesteln  100 bis 120 Mutterkühe samt Kälbern und Ochsen sowie in den Sommermonaten auch ein paar Schweine. Fast alles Fleisch verarbeitet er auf seinem Betrieb. 

Die Würde wahren

«Meine Tiere verlassen den Betrieb nur für die Schlachtung, und schon am Tag darauf kehren sie zum Abhängen wieder hierher zurück», erklärt Hallenbarter. Selbst bei der Schlachtung die Würde der Tiere zu bewahren, ist für Hallenbarter besonders wichtig. Daher begleitet er sie immer selbst – und er bleibt bis zum letzten Augenblick ihres Lebens an ihrer Seite.

«Ich fahre  lieber zweimal zum Schlachthaus, als mit zwei Tieren gleichzeitig, sodass sich das zweite nicht mitanschauen muss, wie das erste getötet wird.» Letztlich zeige sich so der Respekt vor dem Fleisch als einem Lebensmittel, für das ein Tier sein Leben lassen musste und daher nicht weggeworfen noch verramscht werden sollte. Er selbst verkauft das Fleisch, wie er betont, «zu Bio-Preisen.» 

Mit derselben Überzeugung setzt Hallenbarter auch auf  Transparenz. Sein Stall, der sich  im Winter an einem viel begangenen Wanderweg befindet, ist stets zugänglich, die Türen nie verschlossen. Der Landwirt toleriert,  wenn Kinder den Tieren von der bereit gelegten Heusilage zu fressen geben. 

Ein Generationenkonflikt

Anfänglich sei er noch belächelt worden, als er 1991 nach soeben bestandener Lehrabschlussprüfung als Landwirt bereits mit der Idee kam, Mutterkühe anzuschaffen, statt mit den braunen Milchkühen seines Vaters weiterzufahren.

Hallenbarter spricht sogar von einem Generationenkonflikt, der dazu führte, dass er und sein Vater Roland zwar eine Betriebsgemeinschaft gründeten und bis zu dessen Pensionierung sämtliche Feldarbeiten gemeinsam ausführten, die Tierbetreuung aber komplett voneinander trennten. 

Erstmal musste der damalige Jungbauer eine Rasse finden, die ins obere Goms mit im Winter viel Schnee und Temperaturen bis zu minus 30 Grad passt. In Frage gekommen wären Yaks, doch diese waren ihm zu eigenwillig. Schottische Hochlandrinder wären optisch schön gewesen, aber er hatte Respekt vor den Hörnern, weil sie sieben Monate im Stall gehalten werden müssen. Schliesslich stiess er auf die die ebenfalls schottischen, aber hornlosen Galloway – die ersten hat er 1998 aus Deutschland importiert.

Räume hinter dem Stall

Diese genügsamen und langsam wachsenden Mutterkühe erwiesen sich für seine Direktvermarktung als  richtig. Weil das Zerlegen und Verarbeiten, das ihn seine Mutter gelehrt hat, für ihn wie ein Hobby ist, hat er die Verarbeitung selbst an die Hand genommen. Er baute  hinter dem Stall Verarbeitungsräume.  Heute führt er  für Dritte Aufträge aus, sodass er sich mit Ueli Schuler  einen Angestellten leisten kann. Seine Fleischwaren, darunter Trockenwürste, wurden am Schweizer Wettbewerb für Regionalprodukte mit Gold ausgezeichnet. Hallenbarter legt jedoch weniger Wert auf das Bio-Label, vielmehr auf das für sich kreierte «100%-antibiotikafrei»-Label.

www.derhofmetzger.ch

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