9.07.2020 17:10
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Studie
Berggebiet sollte Haupttäler stärken
Das Schweizer Berggebiet sollte sich nicht auf die Zentren des Mittellands ausrichten, sondern vermehrt die eigenen Zentren stärken - die grossen Haupttäler. Diese These hat am Donnerstag Raumplanungsexperte Daniel Müller-Jentsch von der Denkfabrik Avenir Suisse in Bern vor den Medien präsentiert.

In der Schweiz konzentrieren sich Bevölkerung und Wirtschaft zunehmend in den städtischen Agglomerationen des Mittellandes, während viele zentrumsferne Regionen mit Abwanderung und Strukturwandel zu kämpfen haben, schreibt Avenir Suisse.

Strukturelle Eigenheiten schwächen

Alle zehn Schweizer Städte mit über 50'000 Einwohnern liegen ausserhalb der gebirgigen Landeshälfte. Dies wirft die Frage auf, welche Rahmenbedingungen entlegene Talschaften und höhergelegene Regionen des Alpen-, aber auch des Jurabogens brauchen, um sich auch in der langen Frist wirtschaftlich entwickeln zu können. 

Wie Avenir Suisse in einer Mitteilung schreibt, verfügen Zentrumstäler wie das Rhonetal, das Rheintal und die Täler nördlich und südlich des Gotthards über die Bevölkerung und Wirtschaftskraft einer grösseren Stadt. Strukturelle Eigenheiten machten diese «Zentrumstäler» aber häufig zu schwächeren Zentren als Städte.

Tal-Konferenzen

Die Haupttäler des Alpen- und Jurabogens wiesen eine geringere Bevölkerungsdichte auf. Ihnen fehle ein städtischer Kern als politischer Integrationsmotor. Sie seien oft dezentral organisiert und politisch zersplittert. Das hemme Kooperationsbereitschaft und sorge häufig für kleinräumige Rivalitäten.

Mit jährlichen Tal-Konferenzen, der Öffnung der Agglomerationsprogramme des Bundes für die Bedürfnisse der Zentrumstäler, gemeindeübergreifenden Gewerbegebieten, vernetzten Berufsbildungsangeboten und weiteren Neuerungen könnten die Haupttäler attraktiver werden.

Raumkonzept ergänzen

Es gelte auch, das bislang auf städtische Zentren ausgerichtete polare Zentrenmodell im Raumkonzept Schweiz um den Begriff der axialen Ballungsräume zu ergänzen, also um in die Länge gezogene Räume. So wie auch andere Länder über Zentrenmodelle mit ihrer ganz eigenen Geometrie verfügten (z.B. die Niederlande oder Dänemark), brauche die Schweiz eines, das der alpinen Struktur Rechnung trage.

Der Schlüssel für die Entwicklung der gebirgigen Landeshälfte liege in den grossen Haupttälern. Wie ein Rückgrat stützten sie - zusammen mit den Seitentälern - den alpinen Raum. Seine These präsentierte Müller-Jentsch im Alpinen Museum der Schweiz.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE