19.09.2016 14:40
Quelle: schweizerbauer.ch - Franz Bamert, lid
St. Gallen
Betrieb neu ausgerichtet
In Oberschan, hoch über dem St. Galler Rheintal, haben Karin und Markus Gabathuler den Büelsteihof Schritt für Schritt diversifiziert.

Der elterliche Hof war auf Milch- und Fleischproduktion ausgerichtet. Reben, Obst, Schnapsbrennerei und Gastronomie spielten nur eine Nebenrolle. Am Anfang aber waren vor allem die Leidenschaft und die Liebe: Die Liebe zur Natur, zu den Tieren und die Leidenschaft, aus dem Vorhandenen etwas zu machen. 

Liebe mit Wissen gepaart

„Wenn du das nicht hast, dann wird’s schwierig bis unmöglich, heutzutage als Bauernbetrieb auf einen grünen Zweig zu kommen”, sagen Karin (41) und Markus (41) Gabathuler aus Oberschan SG übereinstimmend. Noch besser geht es, wenn die Liebe mit Wissen gepaart wird. „Ich habe keinen bäuerlichen Hintergrund. Darum habe ich neben der Handels- auch die Bäuerinnenschule besucht”, erzählt Karin Gabathuler.

Sie bereut keinen Moment, den sie für Weiterbildung aufgewendet hat: „Neben dem Wissen und der Horizonterweiterung habe ich dank der Schulen eine gute Portion Selbstsicherheit mit auf den Weg bekommen. Das kommt mir jetzt auf dem Betrieb und überhaupt im Leben sehr zu statten.”

Rockfest und Schnapsbrennen

Bei der Betriebsübernahme war der Preis für Milch und Fleisch nicht gewaltig, „aber man kam damit zurecht”, sagt der Bauer. Doch der Milchpreis kannte dann nur noch einen Weg – den nach unten. Die Gabathulers mit ihren inzwischen drei Buben machten sich Gedanken, machten Pläne und aus den Plänen wurden Taten.

Was einst so nebenher lief – also das Hochstammobst, die Reben und die Gastronomie – erhielt einen ganz anderen Stellenwert. „Wir verlagerten den Schwerpunkt unserer Aktivitäten sukzessive”, so die Bäuerin. „Einerseits ging es um wirtschaftliche Überlegungen, andererseits aber wollten wir auch etwas Spannendes, Neues probieren.”

Was die Familie probiert, scheint zu gelingen: Den Gastraum wollten sie weiterhin führen wie die Eltern, die alte Schnapsbrennerei wich einer modernen Anlage und so hatten sie mehr Platz für die Gästebewirtung. Diesen Sommer organisierten die Gabathulers zum zweiten Mal ein kleines, feines Rockfest.

Unerwartete Rebsorten


All das macht den Büelsteihof, macht Oberschan attraktiv. Das braucht es auch, denn das Dorf, 700 Meter hoch über dem St. Galler Rheintal gelegen, ist nicht wirklich der Nabel der Welt. Und trotzdem zieht der Hof Gäste an. Das hat mit erstklassigen Produkten und Spezialitäten zu tun. Im Winter kommen die Leute etwa wegen der Treberwürste, im Rest des Jahres wegen der vielfach ausgezeichneten Edelbrände – Zwetschgen, Kirschen, Steinobst.

Aber auch wegen Weinen, die man als Fremder hier oben nicht vermuten würde: Neben dem in der Ostschweiz üblichen Blauburgunder bauen die Gabathulers Gewürztraminer, Chardonnay oder Sauvignon Blanc an. „Der Föhn macht hier vieles möglich”, so Gabathuler. Und warum die Menschen auch noch auf den Hof kommen, sagt eine zufällig anwesende Kundin: „Klar bin ich hier zum Einkaufen. Aber es geht nicht nur um die Produkte – es geht mir auch um die Offenheit und Herzlichkeit der ganzen Familie. Hierher zu kommen, ist einfach „a gfreuti Sach”.

Die Familie zuerst

Die ganze Familie – dazu gehören auch Markus Gabathulers Eltern. „Sie sind so etwas wie unser Netz und der doppelte Boden – einfach immer da, wenn sie gebraucht werden”, sagt die Bäuerin. „Dafür sind wir dankbar.” Überhaupt die Familie: „Für die Kinder kann ich mir nichts Besseres vorstellen, als auf unserem Hof aufzuwachsen.

Sie übernehmen schnell einmal Verantwortung und erkennen früh die Zusammenhänge des Lebens vom Setzen bis zum Ernten, vom Geboren werden bis zum Sterben.”  Und doch – es gibt für die Familie Gabathuler ein Leben jenseits und ausserhalb des Hofs: „Für uns Erwachsene, aber vor allem auch für die Kinder ist es sehr wichtig, dass sie immer mal wieder über den Tellerrand hinaussehen”, sagt die Bäuerin.

Auszeiten unabdingbar

Die Gabathulers planen darum jedes Jahr eine oder zwei Wochen Ferien und manchmal liegt auch ganz spontan ein Ausflug drin. Karin sagt zwar über ihren Mann, er sei ein Workaholic. Dass muss man vielleicht auch sein, wenn man so viele Betriebszweige managen und die Arbeitskräfte einteilen muss – nicht zu vergessen der ganze Rattenschwanz an administrativen Aufgaben und gesetzlichen Vorschriften, die es einzuhalten gibt.

Doch auch Markus muss zugeben: „Für den Zusammenhalt und das Gedeihen der Familie sind solche Auszeiten unabdingbar. Und ohne Familie wäre alles nichts.”

Naturena-Erlebnishof

Seit anfangs Jahr ist der Büelsteihof in Oberschan (SG) ein Naturena-Erlebnishof. Dazu gehören Ponys und Kaninchen, Geissen und Hühner, Kälber und Kühe. Diese Tiere leben in einem eigenen „Dörfli”, das auch über einen Kinderspielplatz mit allem Drum-und-Dran und eine Grillstelle verfügt. Der Erlebnishof organisiert Kurse und Tagungen.

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